HomeNachrichtenKapstadt atmet auf: Dämme füllen sich rasend schnell

Kapstadt atmet auf: Dämme füllen sich rasend schnell

Ein seltenes Regenereig­nis hat Kapstadts Wasserversorgung innerhalb weniger Tage grundlegend verändert. Die Stadt verlässt offiziell die Dürrefrühwarnstufe.

Fast 20 Prozent in einer Woche

JHM – Wann hat Kapstadt zuletzt so schnell aufgeatmet? Mitte Mai 2026 entluden sich ungewöhnlich heftige Unwetter über den Einzugsgebieten der Westkapprovinz. Das Ergebnis war dramatisch: Die Gesamtfüllstände der Stauseen stiegen innerhalb einer einzigen Woche um knapp 20 Prozentpunkte. Aktuell liegt der Dammpegel bei 72,2 Prozent, nach zuletzt gemeldeten 70,8 Prozent zum 18. Mai. Das ist 11,6 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, als die Speicher lediglich zu 59,2 Prozent gefüllt waren.

Die Niederschlagsmengen waren außergewöhnlich. Die Stadt selbst spricht von einem “extraordinären Regenereignis”, das in einigen der betroffenen Einzugsgebiete statistisch nur alle 20 bis 200 Jahre vorkommt. In der Folge hat Kapstadt seine interne Dürrefrühwarnstufe offiziell aufgehoben.

Das “Big Six”-System

Kapstadt wird durch ein Verbundsystem von sechs großen Talsperren versorgt, bekannt als die “Big Six”. Das Herzstück ist der Theewaterskloof-Damm nahe Villiersdorp, der allein mehr als die Hälfte der gesamten Speicherkapazität der Stadt fasst. Ergänzt wird er durch den Voelvlei-Damm bei Gouda, den Berg-River-Damm und den Wemmershoek-Damm in der Nähe von Franschhoek sowie die beiden Steenbras-Dämme in den Hottentots-Holland-Bergen oberhalb von Gordon’s Bay. Der Theewaterskloof liegt derzeit bei 73 Prozent Füllstand, verglichen mit lediglich 59 Prozent in der gleichen Woche des Vorjahres.

Freude ja, Entspannung nein

Trotz der guten Nachrichten warnt die Stadtverwaltung vor voreiligem Optimismus. Mayco-Mitglied für Wasser und Abwasser Zahid Badroodien sagte laut Angaben der Stadt: “Wir wissen nicht, wann es wieder regnen wird, wie viel es sein wird und ob es an der richtigen Stelle fällt, nämlich in den Einzugsgebieten der Dämme.” Ein einmaliges Ereignis dieser Art garantiere keine überdurchschnittlichen Niederschläge für den Rest des Jahres.

Der tägliche Wasserverbrauch ist derweil auf 871 Millionen Liter gestiegen, was das winterliche Verbrauchsziel von 860 Millionen Litern täglich leicht übersteigt. Die Stadt appelliert daher weiterhin an alle Einwohner, verantwortungsvoll mit Wasser umzugehen.

Badroodien verwies zudem auf die langfristige Strategie der Stadt, die Abhängigkeit von regengespeisten Dämmen durch alternative Wasserquellen zu reduzieren: “Wir können uns nicht auf unvorhersehbare Niederschläge verlassen, um unsere Dämme zu füllen.”

Dämme mit Geschichte

Wer in Kapstadt an Wasser denkt, denkt meist an den Tafelberg. Dort stehen fünf historische Reservoirs, alle um 1890 erbaut, als die rasch wachsende Stadt dringend neue Wasserquellen brauchte. Bis in die 1880er Jahre reichte ein einziger Bergbach aus, um die gesamte Stadt zu versorgen. Erst als Dürren diesen Mangel offenbarten, begannen Ingenieure damit, das Wasser des Disa-Flusses durch einen Tunnel im Zwölf-Apostel-Massiv in das Molteno-Reservoir zu leiten.

Doch der Bedarf wuchs schneller als die Kapazitäten. Die Lösung: fünf gemauerte Dämme aus Beton und Naturstein mit einem Fassungsvermögen von insgesamt rund 22 Millionen Gallonen. Benannt wurden sie nach den Ingenieuren und Verantwortlichen, die ihren Bau maßgeblich prägten: Hely-Hutchinson, De Villiers, Woodhead, Alexandria und Victoria.

Der Bau des Woodhead-Reservoirs, des ersten und bis heute bekanntesten, war ein logistisches Wagnis. Die 252 Meter lange und 44 Meter hohe Staumauer entstand auf einem Plateau, das damals kaum erreichbar war. Baumaterial musste zunächst von Trägern die steile Kasteel­poort-Schlucht hinaufgetragen werden. Erst eine kleine Dampf-Seilbahn erleichterte die Arbeit, von deren oberer Station eine Schmalspurbahn die Güter noch zwei Kilometer weiter zum eigentlichen Bauplatz transportierte. Rund um diese obere Seilbahnstation entstand zeitweise sogar eine kleine Siedlung mit Bank, Gemischtwarenladen und Postamt.

Heute sind die Tafelberg-Dämme nicht mehr Teil der regulären Wasserversorgung, sie erinnern aber eindrucksvoll daran, mit welchem Aufwand die Stadt einst ihre Wasserprobleme zu lösen versuchte.

Quellen: City of Cape Town, Western Cape Government (westerncape.gov.za), Eye Witness News (EWN), Cape Town ETC, IOL, Cape Town Dam Levels (capetowndamlevels.co.za)

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