HomePolitikDeutschland und Südafrika heben ihre Partnerschaft auf eine neue Stufe

Deutschland und Südafrika heben ihre Partnerschaft auf eine neue Stufe

Bei einem Arbeitsbesuch in Pretoria haben beide Länder ihre strategische Partnerschaft bekräftigt. Im Mittelpunkt standen Handel, Energiewende und internationale Krisen.

JHM – Der deutsche Aussenminister Johann Wadephul reiste am Mittwoch und Donnerstag nach Pretoria und traf dort seinen südafrikanischen Amtskollegen Ronald Lamola zu Gesprächen. Der Besuch folgt auf die Sitzung der deutsch-südafrikanischen Binationalen Kommission, die im April 2026 in Berlin stattfand. Dort war die Beziehung offiziell zu einer strategischen Partnerschaft erhoben und ein gemeinsamer Aktionsplan beschlossen worden.

Handel und Investitionen im Fokus

Deutschland zählt zu den wichtigsten europäischen Handelspartnern Südafrikas. 2025 erreichte der bilaterale Handel laut südafrikanischem Aussenministerium ein Volumen von rund 295 Milliarden Rand, umgerechnet etwa 15,6 Milliarden Euro. Mehr als 600 deutsche Unternehmen sind im Land aktiv und beschäftigen rund 100 000 Menschen. Bei den Gesprächen ging es um den Ausbau von Handel und Investitionen, um Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen und um den Aufbau einer Batterie-Wertschöpfungskette, die neue Industrie und Arbeitsplätze in Südafrika schaffen soll.

Energiewende und Berufsbildung

Ein weiteres Thema war die Just Energy Transition Partnership, mit der Südafrika beim Umstieg auf saubere Energie unterstützt wird, ohne soziale Folgen aus dem Blick zu verlieren. Ergänzt wird dies durch langjährige Programme zur beruflichen Ausbildung, die angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit in Südafrika besonderes Gewicht haben.

Politischer Dialog wird zur festen Einrichtung

Beide Minister vereinbarten, hochrangige Treffen zwischen ihren Ministerien künftig regelmässig und nicht mehr nur gelegentlich abzuhalten. Auch die Stärkung demokratischer Widerstandsfähigkeit und die gemeinsame Abwehr von Desinformation standen auf der Agenda, ein Bereich, in dem laut Lamola beide Gesellschaften vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Unterschiedliche Sichtweisen bei Nahost und Iran

Bei der Lage im Nahen Osten zeigten sich Differenzen. Gegenüber SAnews.gov.za bekräftigte Lamola Südafrikas Forderung nach vollständiger Umsetzung des Waffenstillstands in Gaza, ungehindertem humanitärem Zugang und einer politischen Lösung auf Basis internationalen Rechts mit einem palästinensischen Staat neben einem sicheren Israel. Er räumte offen ein, dass Südafrika und Deutschland nicht jeden Aspekt des Konflikts gleich bewerten, betonte aber den offenen Austausch beider Partner über diese Differenzen. Auch zum Konflikt zwischen Israel und Iran positionierte sich Südafrika kritisch: Aus Pretorias Sicht hätte die militärische Eskalation vermieden werden können, da Verhandlungen über das iranische Atomprogramm zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten waren.

Ukraine-Krieg und humanitäre Krise im Sudan

Zum Ukraine-Krieg erklärte Lamola, jede Lösung müsse auf internationalem Recht und der Achtung staatlicher Souveränität beruhen. Präsident Cyril Ramaphosa stehe weiterhin sowohl mit Russlands Präsident Wladimir Putin als auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Austausch. Laut Lamola habe Selenskyj signalisiert, ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch zurückkehren zu wollen, verlange dafür jedoch einen neutralen Ort. Als eine der schwersten humanitären Krisen der Gegenwart bezeichnete Lamola zudem die Lage im Sudan. Südafrika sitzt derzeit im Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union und unterstützt von dort die Bemühungen um eine friedliche Lösung.

Südafrikas Rolle als SADC- und G20-Vorsitz

Als amtierender Vorsitz der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika informierte Südafrika Deutschland über die regionalen Prioritäten vor dem SADC-Gipfel im kommenden Monat, darunter Industrialisierung, die Transformation der Landwirtschaft und die Energiewende. Lamola dankte Deutschland zudem für die Unterstützung eines inklusiven G20-Formats, nachdem Südafrika 2025 als erstes afrikanisches Land den G20-Vorsitz übernommen hatte.

Grundlage seit drei Jahrzehnten

Die deutsch-südafrikanischen Beziehungen werden über die Binationale Kommission gesteuert, die 1996 im Zuge des Staatsbesuchs von Nelson Mandela in Deutschland eingerichtet wurde und acht Arbeitsgruppen auf hoher Beamtenebene umfasst. Deutschland zählt zudem zu den grössten ausländischen Investoren Südafrikas und gehört zu den wichtigsten Herkunftsländern für Touristen im Land.

Quellen: SAnews.gov.za, Meldungen vom 23. und 24. Juli 2026

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