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POST SCRIPTUM! Corona Südafrika: Viel Rauch um das Tabakverbot

Mnisterin für Regierungs –und traditonelle Angelegenheiten, Nkosazana Dlamini-Zuma Mnisterin für Regierungs –und traditonelle Angelegenheiten, Nkosazana Dlamini-Zuma Foto: Facebook
Internationale Medien loben Südafrikas strenge Maßnahmen und Verordnungen im Kampf gegen Corona/Covid-19. Unter anderem das Alkoholverbot. Es macht Sinn. Denn viele Menschen können mit vergorenen und destillierten Getränken nicht vernünftig umgehen.

Von Ludger Pooth - Die Konsequenzen sind bekannt. Kriminalität, Agressivität, Gewalt etc.

Am Mittwoch, 29. April verkündete Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa einige Erleichterungen für die Bürger. Darunter sportliche Aktivitäten außer Haus. Nun in den Morgenstunden gestattet. Das bisher bestehende Verkaufsverbot von Zigaretten (inkl. e-Zigaretten!) und anderen Tabakwaren hob der Präsident auf.
Letzteres wurde jedoch nach zwei gerauchten Zigarettenlängen wieder zurückgenommen. Die Freude der Raucher löste sich in Luft auf. Interessanterweise gab den Rückzieher nicht der Präsident bekannt. Auch nicht sein Gesundheitsminister, Zweli Mkhize. Stattdessen die Ministerin für Regierungs –und traditonelle Angelegenheiten, Nkosazana Dlamini-Zuma.

Weshalb ausgerechnet sie, fragen sich viele Südafrikaner. Nun die Ministerin kennt sich gut aus im Tabakgeschäft.


Sie war Ehefrau Nummer 2, heute lange geschieden aus dem Harem des polygamen Expräsidenten Jacob Zuma. Der wurde – wie wir uns erinnern – während seiner Amtszeit als Meister der Korruption, Vettern- und Misswirtschaft international bekannt. Als es ihm letztlich an den Kragen ging, wollte Zuma seine Frau noch schnell als Nachfolgerin etablieren. Ein Versuch, den Zuma-Clan zu erhalten. Jedoch: Gescheitert... Wie die Ehe.

NDZ, wie die Medien die Doppelnamendame kurzbündig nennen, ist bekannt für ihren fanatischen Kampf gegen das Rauchen. Die schon lange bestehenden öffentlichen Rauchverbote bis in die schmalsten Lücken und engsten Ecken der Städte waren ihre Idee.

Das ausgerechnet NDZ genüßlich das Tabakverbot verkünden durfte, entzündete den Zorn der Connaisseurs hinter der Rauchwolke. Nicht nur weil an NDZ immer noch der Duft von Geldwäscherei und anderen zwielichten Machenschaften hängt. Vor drei Jahren entblößte die passionierte Nichtraucherin ihre Hypokratie in Sachen Tabakkonsum. Es ging um Geld, sehr viel Geld. Ein Skandal der mehr stinkt als kalter Zigarettenrauch.

In 20
17 wurde ihre enge Zusammenarbeit mit dem korrupten Zigarettenhersteller Adriano Mazzotti bekannt. Ein ganz Großer im Tabak-Business, nebenbei auch umtriebig im illegalen Handel der Nikotinstäbchen. Mazzottis Firma Carnilinx, war zudem in Betrug, Geldwäscherei, Steuerhinterziehung engagiert.

 Zu verdanken hatte die Öffentlichkeit diese Enthüllungen dem südafrikanischen Autor Jacques Pauw. In dessen Buch „The President´s Keepers“ lasen die Leser spannende Kapitel. Auch, wie der schlimme Finger Mazzotti großzügig die Zeche für die Kampange der Präsidentschaftskandidatur von Zuma-Dlamini berappte. Die Doppelnamendame war in dieser Zeit Mitglied des südafrikanischen Parlaments.

Die südafrikanische Wochenzeitung „Sunday Times“ berichtete von der (Zitat) „behaglich kuscheligen Beziehung“ des schrägen Paars. Die Redaktion druckte hübsche Fotos. Mazzotti den Arm um die Schulter von Zuma-Dlamini, sie freundlich lächelnd.

Aufgepasst! Es kommt noch besser: Auf „Geschäftsreise“ in England und Griechenland  posierte die Ex Präsidentegattin mit Mazzotti, den damaligen Spielhöllen-Könige Philip und Photios Anastassopoulos für die Fotografen. Genüßlich veröffentlichte die „Sunday Times“ eine Widmung auf der Rückseite eines der Fotos: „Wieder eine schöne Woche mit Mama Zuma in London“.

Heute, drei Jahre später runzeln die Bürger Südafrika die Stirn fragen: Deja Vu? Nun ja! Wie es im Jargon der Journallsten heißt: NDZ – immer gut für eine Schnurre.

Wir alle wissen und die Geschichte belegt es: Prohibition erzeugt illegalen Handel. Berühmtes Beispiel: Die USA, landesweites Verbot (1920 -1923) der Herstellung, des Transports und des Verkaufs von Alkohol. In sogenannten Flüsterkneipen klirrten dezent die Gläser. Versteckte Destillen blubberten im Geheimen. Der Schwarzmarkt blühte wie die Tulpen im holländischen Frühling.

Herr Präsident, aufgemerkt. Ohne offizielle Drinks, ohne legale Glimmstengel verliert Ihre Regierung Millionen Ränder an Steuergeldern.


Nun, das Alkoholverbot in Südafrika ab dem 27. März erweckte keine Kreativität. Stattdessen Plünderungen und Brandstiftung in den schwarzen Armenvierteln - die Townships am Rande der Großstädte. Polizei und Armee reagierten mit brutaler Gewalt. Es gab Tote und Verletzte.

Wer profitiert von den Verboten? Wie stets, jene mit guten Beziehungen sowie die empfangsfreudigen Entscheidungsträger an offiziellen Schreibtischen. Sic!

Dlamini-Zuma, die hilfsbereite Bekannte der damaligen „Mazzotti&Co“ beruft sich bei der Entscheidung gegen die Aufhebung des Tabakverbots auf 2000 Eingaben südafrikanischer Bürger. Hoppla! Nach der Regierungsstatistik von 2019 hat Südafrika 59 Millionen Einwohner, davon sind ca. 39 Millionen im gesetzlich rauchfähigen Alter von über 18 Jahren.

In dieser Woche wird es spannend. NDZ, die schräge Jean de Arc der Anti - Raucher Liga hat eine Lunte gelegt. Präsident Ramaphosa und sein gegründetes National Command Council (NCC) erwartet diese Woche Feuer unter den Konferenzstühlen. Dabei geht es nicht allein um das Verkaufsverbot von Tabak und Alkohol. Juristen meinen, das NCC, dessen Entscheidungen, Maßnahmen und Regelungen sind nach der südafrikanischen Verfassung nicht rechtmäßig. Klagen vor dem Verfassungsgericht sind so sicher wie eine ausgedrückte Zigarette. Der Prozeß wird lange und teuer. Viel Spaß.

 

Ludger Pooth




 

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