Die Regierung verfolgt mit der überarbeiteten Strompreispolitik einen realen Reformansatz, allerdings ist eine kurzfristige deutliche Senkung der Strompreise noch nicht garantiert. Die angekündigten Maßnahmen befinden sich teilweise noch im Konsultations- und Umsetzungsprozess und sollen vor allem mehr Wettbewerb, transparente Tarife und besseren Schutz einkommensschwacher Haushalte schaffen.
JHM – Die hohen Strompreise sind für Südafrika längst mehr als ein Ärgernis auf der monatlichen Rechnung. Sie belasten Haushalte, erhöhen die Kosten für Unternehmen und erschweren Investitionen in energieintensive Branchen. Jetzt will die Regierung die Preisbildung grundlegend verändern und zugleich verhindern, dass die Reform auf Kosten der Schwächsten geht.
Neue Regeln für die kommenden zehn Jahre
Kern des Vorhabens ist die überarbeitete Electricity Pricing Policy. Sie soll die seit 2008 geltenden Grundsätze an die inzwischen veränderte Stromwirtschaft anpassen. Hintergrund sind unter anderem die Aufspaltung von Eskom, die stärkere Rolle der National Transmission Company South Africa und die mit dem Electricity Regulation Amendment Act 2024 eingeleiteten Marktveränderungen. Das Kabinett hat die überarbeitete Politik Ende Juli zur öffentlichen Kommentierung freigegeben.
Eine wichtige Neuerung ist mehr Planungssicherheit bei den Strompreisen. Die Energieregulierungsbehörde NERSA soll künftig eine Preisprognose für zehn Jahre veröffentlichen. Für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch kann das entscheidend sein, weil langfristige Investitionen nur schwer kalkulierbar sind, wenn die Entwicklung der Energiekosten unklar bleibt.
Die Regierung will außerdem die verschiedenen Bestandteile des Stromtarifs transparenter machen. Kosten für Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Verkauf sollen klarer voneinander getrennt werden. Damit soll verhindert werden, dass ineffiziente Strukturen oder versteckte Kosten einfach in den Strompreis einfließen.
Eskom soll seine Monopolstellung verlieren
Noch weitreichender ist die geplante Öffnung des Strommarktes. Südafrika bewegt sich von einem System, das über Jahrzehnte stark von Eskom geprägt war, hin zu einem Markt mit mehreren Erzeugern und Händlern.
Künftig sollen Stromerzeuger und Abnehmer auch direkt bilaterale Lieferverträge abschließen können. Gleichzeitig arbeitet die Regierung an einem wettbewerbsorientierten Großhandelsmarkt.
Dazu passt die geplante Herauslösung eines unabhängigen Übertragungsnetzbetreibers aus Eskom. Präsident Cyril Ramaphosa hat Ende Juli den ersten Bericht der Eskom Restructuring Task Team gebilligt. Eine unabhängige Übertragungsgesellschaft gilt als wichtiger Baustein für einen funktionierenden Strommarkt mit mehreren Anbietern.
Die politische Zielsetzung ist klar: Mehr Wettbewerb soll Investitionen erleichtern und langfristig zu zuverlässigeren und günstigeren Stromangeboten führen. Dass dieser Effekt tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt, hängt allerdings von der konkreten Umsetzung der Reformen ab.
Was sich für Haushalte ändern soll
Die Regierung will gleichzeitig den sozialen Schutz ausbauen. Besonders arme und gefährdete Haushalte sollen weiterhin Zugang zu Unterstützung bei den Stromkosten haben.
Geplant ist unter anderem eine zentrale Datenbank für kostenlose Grundversorgung mit Strom. Dafür sollen Informationen aus bestehenden staatlichen Datenbanken, darunter Daten des Innenministeriums und der Sozialleistungen, miteinander verknüpft werden. Haushalte, die bereits für bestimmte Sozialleistungen qualifiziert sind, könnten dadurch leichter als Berechtigte für kostenlose Grundversorgung mit Strom erkannt werden.
Ein weiterer Punkt betrifft kommunale Stromschulden. Nach Angaben der Regierung entstehen zusätzliche Belastungen, wenn Verbraucher ihre Rechnungen bei Gemeinden nicht bezahlen und Gemeinden wiederum ihre Schulden bei Eskom nicht begleichen. Die neue Preispolitik soll verhindern, dass solche Ausfälle automatisch auf zahlende Kunden umgelegt werden.
Das ist gerade für Haushalte wichtig, die ihre Stromrechnung regelmäßig bezahlen. Nach Darstellung des Ministers machen Kosten im Zusammenhang mit nicht eingezogenen kommunalen Forderungen derzeit einen Teil des Stromtarifs aus.
Industrie soll wettbewerbsfähig bleiben
Auch Unternehmen mit besonders hohem Energieverbrauch sollen von der Reform profitieren. Die Regierung will die Möglichkeit sogenannter Negotiated Pricing Agreements ausweiten.
Bisher waren solche Sondervereinbarungen vor allem für Unternehmen relevant, die bereits unter wirtschaftlichem Druck standen. Künftig soll auch berücksichtigt werden, ob günstigere Strompreise einem strategisch wichtigen Unternehmen ermöglichen, Investitionen vorzuziehen, Arbeitsplätze zu schaffen oder das Wachstum eines für Südafrika wichtigen Wirtschaftszweigs zu beschleunigen.
Damit wird die Strompreispolitik ausdrücklich auch zu einem Instrument der Wirtschaftspolitik.
Noch keine Garantie für eine billigere Stromrechnung
Für Verbraucher ist allerdings eine wichtige Unterscheidung entscheidend: Die Regierung hat einen Weg zu langfristig niedrigeren Stromkosten angekündigt, aber keine sofortige Preissenkung beschlossen.
Die aktuellen Tarife werden weiterhin durch Entscheidungen von NERSA bestimmt. Für das Geschäftsjahr 2026/27 hatte die Regulierungsbehörde bereits eine Eskom-Tariferhöhung von 5,36 Prozent genehmigt. Eine weitere Erhöhung um 6,19 Prozent ist für 2027/28 vorgesehen.
Die neue Politik setzt deshalb vor allem am System an. Wettbewerb, transparente Kosten, bessere Regulierung und langfristige Planung sollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Strom effizienter und letztlich günstiger angeboten werden kann.
Für Südafrika ist das ein ambitioniertes Ziel. Die Preise sind seit Jahren ein Belastungsfaktor für Haushalte und Unternehmen. Nach Angaben von Energieminister Kgosientsho Ramokgopa sind die Stromtarife seit 2007 um rund 977 Prozent gestiegen.
Ob aus der angekündigten Reform tatsächlich eine Entlastung wird, entscheidet sich deshalb weniger an der politischen Ankündigung als an der Umsetzung. Für Verbraucher dürfte vor allem interessant sein, wann mehr Wettbewerb und effizientere Strukturen tatsächlich auf der Stromrechnung sichtbar werden.
Quellen: South African Government, Cabinet Statement vom 29. Juli 2026, The Presidency, Parliament of South Africa,




















































































































