HomeWirtschaftSüdafrikas Dächer werden zum Kraftwerk, das Eskom Kunden kostet

Südafrikas Dächer werden zum Kraftwerk, das Eskom Kunden kostet

Private Solaranlagen liefern in Südafrika inzwischen fast so viel Strom wie zwei der größten Kohlekraftwerke des Landes zusammen. Für Eskom wird das zum wachsenden Problem.

Ein Wachstum, das Eskom übertrifft

JHM – Die jüngsten Zahlen der National Transmission Company of South Africa zeigen ein bemerkenswertes Tempo. Im Juni 2026 lag die geschätzte Leistung privater Dachsolaranlagen bei 9.107,4 Megawatt. Das sind 35 Prozent mehr als im Juni 2025 und ein Zuwachs von 18 Prozent innerhalb von nur sechs Monaten.

Zum Vergleich. Eskoms größte Kohlekraftwerke, Medupi und Kusile, liefern jeweils bis zu 4.800 Megawatt. Zusammen kommen sie auf 9.600 Megawatt, gerade einmal 500 Megawatt mehr als die installierte private Solarleistung im ganzen Land. Während der Bau dieser beiden Kraftwerke fast zwei Jahrzehnte dauerte, haben Haushalte und Unternehmen eine annähernd gleich große Kapazität in wenigen Jahren aufgebaut.

Vom Krisenprodukt zum Kostenfaktor

Als Eskom im Juli 2022 erstmals Zahlen zu privater Solarkapazität veröffentlichte, lag der Wert bei rund 2.264,5 Megawatt. Das massive Loadshedding jener Zeit trieb den Ausbau stark an, sodass bis Juli 2023 bereits 4.740,4 Megawatt installiert waren.

Danach verlangsamte sich der Zubau. Viele Haushalte, die sich Solaranlagen und Batteriespeicher leisten konnten, hatten bereits investiert, und der Rückgang des Loadshedding im Jahr 2024 nahm dem Thema zusätzlich an Dringlichkeit. Ab Mitte 2025 kehrte sich der Trend jedoch um. Fallende Preise für Solartechnik und Lithium-Ionen-Speicher verkürzten die Amortisationszeit deutlich, und Eskoms anhaltende Tariferhöhungen, die spürbar über der Inflation liegen, machten Eigenerzeugung zunehmend attraktiv.

Sinkende Nachfrage, steigende Verfügbarkeit

Der Effekt auf Eskom ist messbar. Zwischen 2022 und 2023 sank die Gesamtstromnachfrage beim Versorger um 1,9 Prozent, gefolgt von einem Rückgang um 2,9 Prozent im Jahr 2024 und 4,9 Prozent im Jahr 2025. In den ersten 29 Wochen des Jahres 2026 registrierte Eskom eine Restnachfrage von 98.840 Gigawattstunden, ein Minus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 15,6 Prozent gegenüber demselben Zeitraum 2022.

Gleichzeitig hat sich die Leistungsfähigkeit von Eskoms Kraftwerksflotte verbessert. In der 29. Woche des Jahres erreichte die durchschnittliche wöchentliche Energieverfügbarkeit erstmals über 75 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf lag der Durchschnitt bei 67,13 Prozent, knapp fünf Prozentpunkte höher als im Vorjahreszeitraum. Die Reservemarge zur Spitzenlast bewegte sich zuletzt zwischen 24,8 und 62,1 Prozent, ein Zeichen dafür, dass Eskom deutlich mehr Strom bereitstellen könnte, als tatsächlich abgenommen wird.

Ein Kreislauf mit Risiken

Um verlorene Umsätze auszugleichen, will Eskom mehr Großabnehmer über sogenannte Negotiated Pricing Agreements binden. Doch gerade viele Minenbetriebe haben bereits erheblich in eigene Erzeugungskapazität investiert, um ihre Betriebskosten zu senken.

Für einkommensschwächere Kunden, die sich keine eigene Solaranlage leisten können, verschärft sich die Lage. Sinkende Kundenzahlen bei gleichzeitig steigenden Betriebskosten zwingen Eskom voraussichtlich zu weiteren Preiserhöhungen, die auf eine immer kleinere Kundenbasis verteilt werden. Branchenkenner warnen, dass dies illegale Anschlüsse und Zählermanipulationen begünstigen könnte. Drei frühere Eskom-Vorstandschefs sollen dieses Muster bereits als eine Art Todesspirale bezeichnet haben, wie aus Berichten zur aktuellen Entwicklung hervorgeht.

Ohne grundlegende Reformen bei Kosten und Geschäftsmodell dürfte sich dieser Kreislauf aus sinkenden Verkäufen und steigenden Preisen fortsetzen und Eskoms wirtschaftliche Basis langfristig gefährden.


Quellen: National Transmission Company of South Africa (NTCSA), Eskom, Berichterstattung von Hanno Labuschagne


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