Südafrikas größte Billigfluglinie FlySafair muss ihre Flugpläne zunehmend an den Kapazitätsgrenzen der Flugsicherung ausrichten. Besonders am Airport OR Tambo in Johannesburg macht sich der Personalmangel bemerkbar.
Verspätungen am größten Flughafen des Landes
JHM – FlySafair befördert nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte aller innerstaatlichen Fluggäste Südafrikas und gilt damit als wichtigster Taktgeber im heimischen Luftverkehr. Laut einem Bloomberg-Bericht erklärte Marketingchef Kirby Gordon, die Kapazität von Start und Landebahnen sowie der Flugsicherung sei mittlerweile die größte betriebliche Einschränkung der Airline. Besonders am OR Tambo International Airport in Johannesburg zeige sich das Problem durch Abflugverspätungen und lange Rollzeiten. Die Fluggesellschaft habe zwar bislang keine geplanten Streckenstarts verschieben oder streichen müssen, doch die Engpässe seien inzwischen ein Faktor, um den herum der Flugplan gebaut werden müsse.
Ursache: fehlendes Personal und abgelaufene Flugverfahren
Grund für die Probleme sind anhaltende Engpässe bei der staatlichen Flugsicherungsgesellschaft ATNS. Seit rund zwei Jahren kämpft die Behörde mit einem Mangel an ausgebildeten Fluglotsen und mit verspäteter Wartung sogenannter Instrumentenflugverfahren, jener festgelegten Routen, auf die Piloten bei schlechter Sicht angewiesen sind. Allein im vergangenen Jahr liefen mehr als 340 dieser Verfahren aus oder wurden ausgesetzt, weil ATNS die notwendige Wartung nicht rechtzeitig abschloss. Die Folge waren wiederholte Verspätungen und teils auch Flugausfälle bei schlechtem Wetter. Wie schnell sich solche Engpässe auswirken können, zeigte sich Anfang Januar 2026. Wegen akuten Personalmangels bei den Fluglotsen kam es am OR Tambo zu einer Verspätungswelle, von der laut Berichten südafrikanischer Medien rund 69 Flüge betroffen waren, mit einer durchschnittlichen Verzögerung von gut einer Stunde. Erst kürzlich, Mitte Juli, führte zudem dichter Nebel dazu, dass mehrere Maschinen auf den Ausweichflughafen Lanseria umgeleitet werden mussten.
Politik reagiert mit Untersuchung
Angesichts der eskalierenden Probleme setzte Verkehrsministerin Barbara Creecy Ende 2024 ein Expertenteam ein, das die Lage bei ATNS untersuchen sollte. Die Ergebnisse fielen deutlich aus. kritischer Mangel an Fluglotsen, unzuverlässige Kommunikations und Navigationssysteme, ausgesetzte Flugverfahren sowie Schwächen in der Sicherheitsführung. Die Regierung hat inzwischen begonnen, neues Personal einzustellen und Systeme zu modernisieren. ATNS verweist auf spürbare Fortschritte bei der Wiederherstellung und Stärkung der Flugverfahren sowie der Widerstandsfähigkeit des gesamten Systems. Gleichzeitig räumte die Behörde ein, dass viele Verfahren nicht rechtzeitig vor Ablauf befristeter Ausnahmeregelungen wiederhergestellt werden könnten, weshalb die Prioritäten zunächst auf den am stärksten frequentierten Flughäfen liegen.
Kein rein südafrikanisches Problem
Personalengpässe bei der Flugsicherung sind kein Einzelfall. Auch Flughäfen wie Newark in den USA oder Sydney in Australien mussten in den vergangenen Jahren wegen ähnlicher Probleme Betriebseinschränkungen hinnehmen. ATNS betont, Flugpläne müssten sich an den tatsächlichen betrieblichen und sicherheitsrelevanten Gegebenheiten orientieren und dürften nicht allein nach kommerziellen Zielen gestaltet werden. Unrealistische Planungsannahmen könnten sonst zu ineffizienten Abläufen, Frust bei allen Beteiligten und einem erhöhten Sicherheitsrisiko für Piloten und Lotsen führen.
Zusätzlicher Druck durch steigende Treibstoffkosten
Zu den Engpässen bei der Flugsicherung kommt für FlySafair eine weitere Belastung hinzu. Wegen des Kriegs zwischen den USA und dem Iran waren die Ölpreise zuletzt gestiegen, was die Fluggesellschaft veranlasste, Treibstoffzuschläge einzuführen. Das habe die Nachfrage gedämpft und die Gewinnmargen belastet, wodurch eine Netzwerkerweiterung derzeit weniger attraktiv erscheine.
Ausblick: Stabilität als zentrale Forderung
Trotz der Schwierigkeiten betont Marketingchef Kirby Gordon, Südafrikas Luftfahrt weise weiterhin eine solide Sicherheitsbilanz auf, an der Branche und ATNS gemeinsam festhalten wollten. Was die Airlines derzeit vor allem benötigten, sei Verlässlichkeit. Ein stabiles, gut ausgestattetes Flugsicherungssystem komme letztlich allen zugute, so Gordon.
Quellen: Bloomberg (Janice Kew), Moneyweb, TimesLive, The Witness, IOL




















































































































