Volkswagen plant den größten Umbau seiner Geschichte. Während in Deutschland Werke zur Debatte stehen, fragen sich viele in Südafrika, was das für Kariega bedeutet.
Ein Konzern unter Druck
JHM – Volkswagen ist an der Börse rund 679 Milliarden Rand wert, umgerechnet etwa 36,3 Milliarden Euro. Trotzdem steckt der Konzern in der schwersten Krise seiner jüngeren Geschichte. Sinkende Absätze in Europa und China, stärkere chinesische Konkurrenz und US-Zölle setzen dem Unternehmen zu. Medienberichten zufolge, unter anderem im Spiegel, hat der Vorstand dem Aufsichtsrat Pläne zur Schließung von vier deutschen Werken vorgelegt, darunter Hannover, Zwickau, Emden und das Audi-Werk in Neckarsulm. Rund 40.000 Menschen arbeiten dort. Zusätzlich zu den bereits angekündigten 50.000 Stellenstreichungen in Deutschland ist laut dem Manager Magazin sogar von bis zu 100.000 wegfallenden Arbeitsplätzen weltweit die Rede.
Was das für Kariega bedeutet
Für Südafrika ist das keine abstrakte Nachricht. In Kariega in der Ostkap-Provinz betreibt Volkswagen die größte Fahrzeugfabrik des afrikanischen Kontinents. Zusammen mit Gqeberha bildet der Ort die Metropolgemeinde Nelson Mandela Bay, deren Wirtschaft eng mit dem Werk verflochten ist. Direkt beschäftigt die Fabrik zwischen 3.500 und 4.000 Menschen, dazu kommen tausende weitere Jobs bei Zulieferern und Dienstleistern. Eine Entscheidung über Kariega selbst gibt es bislang nicht. Die Ankündigungen aus Deutschland haben in Südafrika dennoch eine Debatte darüber ausgelöst, wie krisenfest der Automobilstandort tatsächlich ist.
Politik sieht Warnsignal
Sonja Boshoff, Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für wirtschaftliche Entwicklung und Handel, bezeichnete die Entwicklung gegenüber südafrikanischen Medien als Weckruf. Kein Land könne automatisch damit rechnen, dass internationale Autohersteller weiter investieren, sagte sie. Südafrika müsse sich diese Investitionen durch bessere Rahmenbedingungen verdienen. Boshoff verwies darauf, dass steigende Produktionskosten, sinkende Margen bei Elektrofahrzeugen, chinesische Konkurrenz und globale Handelskonflikte die gesamte Autoindustrie weltweit treffen, nicht nur Volkswagen.
Forderung nach schnelleren Reformen
Die Politikerin fordert von der Regierung schnellere Reformen, um Südafrika als Produktionsstandort attraktiver zu machen. Dazu zählen aus ihrer Sicht verlässliche Stromversorgung, funktionierende Häfen und Schienenwege, weniger regulatorische Hürden und eine zügige Umsetzung entsprechender Maßnahmen. Auch die Sonderwirtschaftszonen des Landes müssten wettbewerbsfähiger werden, etwa durch schlankere Genehmigungsverfahren. Jede gesicherte Investition in der Autoindustrie schütze Arbeitsplätze und stärke lokale Lieferketten, so Boshoff. Man dürfe nicht warten, bis Jobs tatsächlich in Gefahr seien.
Die Autoindustrie zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Südafrikas und sichert hunderttausende direkte und indirekte Arbeitsplätze in Fertigung, Zulieferung, Logistik und Handel. Eine Schwächung dieses Sektors, warnt Boshoff, würde weit über die Fabrikhallen hinaus zu spüren sein.
Quellen: Spiegel, ZDFheute, t-online, Manager Magazin, Aussagen von Sonja Boshoff gegenüber südafrikanischen Medien




















































































































