Mehrere Klimainstitute bestätigen die Rückkehr von El Niño. Für Südafrika rückt damit eine alte Sorge wieder in den Fokus: trockene Böden zur falschen Zeit und steigende Lebensmittelpreise.
Klimainstitute sind sich einig
JHM – Die US-Wetterbehörde NOAA, das International Research Institute for Climate and Society und die Weltorganisation für Meteorologie haben in den vergangenen Wochen unabhängig voneinander dieselbe Entwicklung bestätigt. Im zentralen und östlichen Pazifik liegen die Wassertemperaturen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Genau das ist die Grundvoraussetzung für ein El Niño Ereignis.
Investec Chefökonomin Annabel Bishop fasst die Lage so zusammen: Mehrere führende Klimabehörden weltweit hätten die Rückkehr des Phänomens nun offiziell bestätigt. Für Südafrika ist das keine gute Nachricht, denn El Niño steht traditionell für trockenere Bedingungen im Süden Afrikas.
Warum die Zeit besonders ungünstig ist
Aktuell profitiert die südafrikanische Landwirtschaft noch von den Nachwirkungen der vorangegangenen La Niña Phase. Die Böden sind gut mit Feuchtigkeit versorgt, die Ernte fiel entsprechend kräftig aus und stützte im ersten Quartal 2026 das Wirtschaftswachstum des Landes von 0,5 Prozent.
Das Problem liegt in der Zukunft. Prognosen gehen davon aus, dass sich El Niño zwischen November und Januar deutlich verstärkt. Genau in diesem Zeitraum beginnt in Südafrika die Aussaat für die kommende Anbausaison. Bishop bezeichnet das Ereignis derzeit als insgesamt moderat, weist aber darauf hin, dass ausgerechnet die kritische Phase der Pflanzenentwicklung von der stärksten Austrocknung betroffen sein könnte.
Besonders im Blick steht Mais. Das Grundnahrungsmittel gilt als eine der Kulturen, die am empfindlichsten auf Wassermangel reagieren, und Südafrika ist in hohem Maß von einer stabilen Maisernte abhängig.
Was das für die Preise bedeutet
Noch profitieren südafrikanische Verbraucher von günstigen Lebensmittelpreisen. Die jüngste Rekordernte hat einen Puffer geschaffen, der kurzfristig auch eine schwächere Saison abfedern könnte. Für 2027 sieht das Bild laut Bishop allerdings anders aus. Da Lebensmittel den größten Einzelposten in der Berechnung der Verbraucherpreise ausmachen, hat Investec seine Inflationsprognose für 2027 von 3,3 auf 3,7 Prozent angehoben.
Ein Grund dafür ist der globale Maispreis, der nach Einschätzung von Bishop steigen dürfte. Damit könnte sich Mais von einem preisdämpfenden Faktor zu einem Treiber der Inflation entwickeln. Auch die südafrikanische Notenbank hat das Thema bereits in ihre Risikoszenarien aufgenommen. Notenbankgouverneur Lesetja Kganyago erklärte nach der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Komitees, man habe die möglichen Folgen von El Niño in Kombination mit den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten bereits durchgerechnet. In allen Szenarien zeige sich eine höhere Inflation bei gleichzeitig schwächerem Wirtschaftswachstum.
Unsicherheit bleibt groß
Wie stark El Niño tatsächlich ausfällt, ist noch offen. Einige Modelle rechnen mit einem kräftigen Ereignis, das bis in die zweite Jahreshälfte 2027 anhalten könnte, bevor es wieder abschwächt. Vereinzelt kursieren in internationalen Medien Vergleiche mit historischen Extremereignissen aus dem neunzehnten Jahrhundert. Solche Vergleiche beruhen auf einzelnen Modellrechnungen und werden von den großen Klimainstituten selbst nicht in dieser Form bestätigt. Bishop selbst betont, dass die Prognosen mit erheblicher Unsicherheit verbunden sind.
Klar ist aus ihrer Sicht aber eines: Lang anhaltende und besonders starke El Niño Phasen haben in der Vergangenheit in Südafrika bereits mehrjährige Dürreperioden ausgelöst und die Lebensmittelinflation zeitweise auf zweistellige Werte getrieben. Genau dieses Risiko behält die Notenbank nun im Blick, auch wenn ein solches Szenario derzeit nicht das wahrscheinlichste ist.
Quellen: Investec (Annabel Bishop), NOAA Climate Prediction Center, World Meteorological Organisation, International Research Institute for Climate and Society, IOL Business Report, South African Reserve Bank


























































































































