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Gautrain startet eigenen Fahrdienst – und plant das größte Streckennetz seit seiner Gründung

Der Gautrain tritt ab Oktober 2026 als direkter Konkurrent zu Uber und Bolt auf. Gleichzeitig nimmt das Netz der Schnellbahn unter neuer staatlicher Kontrolle Formen an, die ganz Gauteng verändern könnten.

Der letzte Kilometer war bisher das größte Problem

JHM – Wer mit dem Gautrain fährt, kennt das Dilemma: Die Bahn bringt einen schnell von A nach B, aber vom Bahnhof zum eigentlichen Ziel muss man selbst schauen. Genau diese Lücke will die Gautrain Management Agency (GMA) ab Oktober 2026 schließen – mit einem eigenen Fahrdienst namens Gau Express.

Das Prinzip ist einfach: Gau Express wird direkt in die bereits vorhandene Gautrain-App integriert, kein separater Download notwendig. Nutzer können eine Fahrt buchen, ihren Standort teilen, einen Abholpunkt und ein Ziel angeben und erhalten vorab den Preis angezeigt. Bezahlt wird entweder über normale Bankverbindungen oder direkt über das Guthaben auf der Gautrain-Karte.

Einen entscheidenden Vorteil gegenüber Uber und Bolt soll die Systemintegration bringen: Das System erkennt automatisch, ob ein Nutzer zuvor mit dem Zug gefahren ist, und gewährt in diesem Fall einen Nachlass auf die Fahrtkosten. Ähnlich funktioniert das schon bei den Gautrain-Bussen.

GMA-Chef Tshepo Kgobe begründete den Schritt laut einem Bericht von News24 damit, dass es schlicht keine Alternative für Menschen gibt, die keine Zeit haben: Wer zu einem Vorstellungsgespräch muss und nicht auf den nächsten Planbus warten kann, braucht ein Fahrzeug, das sofort verfügbar ist. Fahrzeuge, die unter Gau Express fahren, tragen das Gautrain-Branding in den bekannten Gold- und Blautönen.

Der Dienst ist dabei ausdrücklich nicht nur auf Stationen beschränkt. Fahrten sollen auch von anderen Standorten in der Provinz möglich sein, womit Gau Express deutlich breiter aufgestellt wäre als ein reiner Zubringerdienst.

Ein umkämpfter Markt

Gau Express tritt in ein Marktumfeld ein, das sich gerade neu ordnet. Das im September 2025 in Kraft getretene National Land Transport Amendment Act hat E-Hailing-Betreiber erstmals unter ein formales Lizenzsystem gestellt. Plattformen müssen sich beim National Public Transport Regulator registrieren, Fahrer müssen Plattform-Branding tragen, Panikknopf-Systeme installieren und in festgelegten geografischen Zonen fahren. Entwickler, die nicht lizenzierte Fahrer auf ihrer Plattform zulassen, riskieren Geldstrafen von bis zu 100.000 Rand oder zwei Jahre Haft – umgerechnet rund 5.000 Euro.

Bis zur Frist am 11. März 2026 hatten nur wenige Anbieter eine formale Registrierung abgeschlossen. Marktführer Uber war Ende März noch immer ohne Zertifikat und warb laut TechCentral gegenüber der Regierung für “weitere Gespräche” über die neuen Vorschriften.

Für die GMA ist der Markteintritt laut Kgobe kein Frontalangriff auf die bestehenden Plattformen, sondern ein Instrument zur Stärkung des Schienensystems: Die Preisgestaltung soll so ausgelegt sein, dass sie den Zug attraktiver macht, nicht ihn ersetzt.

Neue Strecken, neue Stationen

Parallel zum Fahrdienst nimmt auch die physische Erweiterung des Gautrain-Netzes konkrete Züge an. Am 28. März 2026 wurde das Gautrain offiziell an die Gauteng Provincial Government übergeben, nachdem alle finanziellen Verpflichtungen aus der öffentlich-privaten Partnerschaft beglichen worden waren. Damit endete das 19,5 Jahre laufende Bombela-Konzession. Das System wurde für rund 26 Milliarden Rand gebaut und wird derzeit auf 45 bis 50 Milliarden Rand geschätzt – umgerechnet etwa 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro.

Gauteng-Premier Panyaza Lesufi hat die Expansionspläne im Rahmen seiner State-of-the-Province-Rede bestätigt. Das aktuelle Netz umfasst 80 Kilometer und soll um rund 150 Kilometer erweitert werden. Das Investitionsvolumen liegt bei 120 Milliarden Rand, umgerechnet etwa 6 Milliarden Euro, und soll mehr als 125.000 Bauarbeitsplätze schaffen.

Die im Amtsblatt veröffentlichten Streckenpläne sehen unter anderem eine Verbindung nach Soweto vor, eine Anbindung an den Lanseria-Flughafen sowie neue Stationen in Fourways, Sunninghill, Samrand und Olievenhoutbosch. Eine der größten geplanten oberirdischen Trassen verbindet Cosmo City mit Lanseria auf einer Länge von rund 17,4 Kilometern. Das erweiterte Netz trägt den Namen Gauteng Rapid Rail Integrated Network, kurz GRRIN, und wurde nach dem Gauteng Transport Infrastructure Act formell bekanntgegeben.

Lesufi ließ keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht: Das Gautrain sei ein 52-Milliarden-Rand-Asset, das jetzt dem Volk von Gauteng gehöre. Die nächsten 15 Jahre sollen zeigen, was damit möglich ist.


Quellen: News24, TechCentral, BusinessTech, IOL, The South African, Kaya 959, eNCA, Gauteng.net

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