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Rand unter Druck: Geopolitik trifft Innenpolitik

Der südafrikanische Rand steht gleich von zwei Seiten unter Druck: Der Krieg im Nahen Osten treibt die Währungsvolatilität auf ein Rekordniveau, während die Phala-Phala-Affäre um Präsident Ramaphosa wieder voll aufgebrochen ist.

Risikoreichste Schwellenlandwährung

JHM – Trotz einer gewissen Erholung gegenüber dem Tiefstand Ende März gilt der Rand derzeit als die risikoreichste und volatilste Währung unter den Schwellenländern. Das geht aus Analysen von Annabel Bishop, Chefökonorin bei Investec, hervor. Im Bloomberg-Ranking der impliziten Volatilitäten liegt der Rand mit einem Wert von 13,73 zwar deutlich unter dem März-Spitzenwert von 21,13, führt die Liste der Schwellenländer aber weiterhin an.

Auch beim Credit Default Swap, einem Risikoindikator für Staatsanleihen, hat sich die Lage etwas entspannt: Der Spread fiel auf 146 Basispunkte, nachdem er Ende März noch bei 200 Basispunkten gelegen hatte. Das zeigt: Die Märkte sind nervöser als normal, aber längst nicht mehr in Panik.

Ölpreis und geschlossene Meerenge

Der entscheidende Treiber bleibt der Krieg zwischen den USA und dem Iran. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports fließt, ist weiterhin gesperrt. Der Brent-Rohölpreis kletterte zwischenzeitlich auf 106 Dollar je Barrel, bevor er leicht auf unter 105 Dollar zurückfiel. Für südafrikanische Verbraucher sind die Folgen bereits spürbar: Die Benzinpreise stiegen im Mai um 3,27 Rand pro Liter, Diesel sogar um 6,19 Rand. Für Juni zeichnet sich bereits die nächste Erhöhung ab.

Die Südafrikanische Reservebank reagiert mit einer strafferen Zinspolitik. Die Märkte preisen derzeit mindestens eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein, während die US-Notenbank Fed eher mit Zinssenkungen rechnet. Dieser wachsende Zinsvorteil stützt den Rand zumindest teilweise.

Phala Phala kehrt zurück

Neben dem globalen Umfeld belastet ein innenpolitisches Erdbeben den Rand zusätzlich. Das Verfassungsgericht entschied am 8. Mai 2026 einstimmig, dass das Parlament verfassungswidrig handelte, als es im Dezember 2022 mit 214 zu 148 Stimmen einen Untersuchungsbericht zu Präsident Ramaphosas Verhalten in der Phala-Phala-Affäre ablehnte.

Hintergrund: Im Februar 2020 wurden auf Ramaphosas Privatfarm Phala Phala in Limpopo rund 580.000 US-Dollar in bar gestohlen. Der unabhängige Untersuchungsausschuss unter dem ehemaligen Obersten Richter Sandile Ngcobo kam damals zu dem Schluss, dass der Präsident möglicherweise gegen die Verfassung verstoßen habe. Ramaphosa bestreitet jedes Fehlverhalten. Er kündigte an, den Bericht des Ausschusses gerichtlich anfechten zu wollen, und betonte gleichzeitig, er akzeptiere das Urteil des Verfassungsgerichts.

Die Präsidentschaft stellte klar, dass Ramaphosa mit seiner Klage keineswegs versuche, das parlamentarische Verfahren zu blockieren. Dennoch hat die Opposition, allen voran der EFF, sofortigen Handlungsbedarf angemahnt. Das Parlament ist nun verpflichtet, einen Amtsenthebungsausschuss einzusetzen, der den Bericht inhaltlich prüft.

Märkte reagieren gelassen

Trotz des politischen Aufruhrs zeigte der Rand keine dramatischen Reaktionen. Analysten bei Investec werteten Ramaphosas Ankündigung, nicht zurückzutreten, als stabilisierendes Signal. Die Alternative wäre aus Marktsicht schlechter gewesen: Ipsos-Erhebungen zeigen, dass Vizepräsident Paul Mashatile als deutlich weniger wählbare Führungsfigur gilt.

Am Dienstagmorgen notierte der Rand bei rund R16,55 zum Dollar, was einem Tagesverlust von knapp einem Prozent entspricht. Gegenüber dem Pfund lag er bei R22,41, gegenüber dem Euro bei R19,45. Umgerechnet entspricht das etwa 5,14 Rand je Euro-Cent.

Blick nach vorn

Die nähere Zukunft wird von zwei Faktoren abhängen: wie lange die Straße von Hormus gesperrt bleibt, und wie das Parlament mit der Phala-Phala-Affäre umgeht. Analysten gehen davon aus, dass die Situation an der Meerenge frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 Entspannung bringen wird. Bis dahin bleibt der Rand anfällig für weitere Ausschläge.


Quellen: Investec (Annabel Bishop, Rand Note Mai 2026), Africa Press, BusinessTech, Arcadia Finance, Mail and Guardian, EWN, MDNtv

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