Mehrere Provinzen sind von einem der seltenen Cut-off-Tiefs getroffen worden, einem Wettersystem, das für Chaos auf den Straßen sorgt und Menschenleben kostet. Und das Wochenende bringt die nächste Warnung.
Das Tief, das alles mitreißt
JHM – Südafrika hat in dieser Woche ein seltenes, aber gefürchtetes Wetterphänomen erlebt: ein sogenanntes Cut-off-Tief. Dabei handelt es sich um ein abgetrenntes Tiefdrucksystem, das sich vom normalen Westwind löst und tagelang über einer Region verharren kann, ohne weiterzuziehen. Das Ergebnis sind extreme Niederschlagsmengen, die binnen Stunden mehr Wasser bringen als mancher Ort in einem ganzen Monat erwartet.
Zwischen Dienstag und Mittwoch dieser Woche wurden teils gewaltige Regenmengen gemessen. Port Alfred in der Eastern Cape verzeichnete laut dem Wetterdienst SAWS innerhalb von 24 Stunden 113 Millimeter Niederschlag. Plettenberg Bay registrierte 92 Millimeter, Gqeberha 85 Millimeter. In Teilen der Garden Route fielen insgesamt mehr als 200 Millimeter.
Dort, wo es auf höheren Lagen kalt genug war, schneite es: im Karoo, rund um Nieu-Bethesda und Richmond, sowie nördlich von Middelburg in der Eastern Cape. Im südlichen Drakensgebirge zeigten sich erste Schneeflocken.
Straßensperrungen, Schäden, Todesopfer
Die Folgen waren erheblich. Mehrere Bergpässe und wichtige Straßenzüge sind weiterhin gesperrt oder stark beschädigt:
Der Swartberg Pass zwischen Prince Albert und Oudtshoorn blieb geschlossen. Meiringspoort ist ebenfalls gesperrt und könnte nach Einschätzung der Behörden noch für längere Zeit unpassierbar bleiben. In der Nähe von Saasveld wurde eine massive Einsackung auf der Seven Passes Road festgestellt, die zur sofortigen Sperrung führte. Der Robinson Pass von der Oudtshoorn-Seite wurde nach dem Ansteigen der Flusspegel geschlossen. Auch die N2 bei Brenton-on-Sea in Knysna war zeitweise dicht.
In der Overberg, an der Garden Route und im Zentralen Karoo blieben weitere Straßen gesperrt. Zwischenzeitlich haben der Huisrivier-Pass und die Strecke zwischen Prince Albert und Klaarstroom wieder geöffnet.
Das RTMC, die nationale Straßenverkehrsbehörde, hat Fahrern klar gesagt: Überschwemmte Straßen sind keine Herausforderung, die man annehmen sollte. Die Gefahr liegt nicht nur im sichtbaren Wasser, sondern in der beschädigten Infrastruktur darunter. Brücken und Straßendecken können weggespült sein, ohne dass man das von außen erkennt.
Menschlich gesehen hat das Unwetter bereits eine schwere Bilanz hinterlassen. Laut Berichten mehrerer südafrikanischer Medien, darunter IOL und inboundsa.com, kamen mindestens vier Menschen ums Leben. In Knysna starb eine 37-jährige Sozialarbeiterin, als ein Baum auf ihr Fahrzeug fiel, während sie Evakuierte unterstützen wollte. Ein zwölfjähriges Mädchen wurde im North West von Fluten mitgerissen. Weitere Todesopfer wurden aus dem Northern Cape gemeldet. Rund 450 Menschen waren zeitweise auf Notunterkünfte angewiesen.
In Nelson Mandela Bay und an der Garden Route wurden Häuser in informellen Siedlungen zerstört. In Wilderness durchbrach die Flussmündung des Touw River, sodass das Wasser nun frei zwischen Fluss und Meer strömt.
Nationalpark, Schulen, Infrastruktur
Der Garden Route Nationalpark hat laut SANParks-Sprecher JP Louw alle Wasseraktivitäten, Wanderwege und mehrere Hauptrouten vorübergehend geschlossen. Einige Unterkünfte bleiben offen, stehen aber unter engmaschiger Beobachtung.
Mehr als 120 Schulen in der Garden Route und im Karoo mussten geschlossen werden, ebenso Schulen in vier Bezirken der Eastern Cape.
Auch die Trinkwasserversorgung ist betroffen: In Bitou wurden Pumpen an Wasserentnahmepunkten durch die Fluten beschädigt.
Was jetzt noch kommt: Warnung für Sonntag bis Dienstag
Wer glaubt, das Schlimmste sei überstanden, sollte die nächste Meldung des Wetterdienstes SAWS ernst nehmen. Laut sapeople.com hat die Behörde bereits einen Orange-Level-8-Alarm für disruptive Niederschläge herausgegeben, der den Zeitraum von Sonntag bis Dienstag, 10. bis 12. Mai, abdeckt.
Besonders betroffen sein werden nach aktuellem Stand die Gemeinden Koukamma und Kouga sowie die Nelson Mandela Bay Metro in der Eastern Cape. Dort drohen laut SAWS weiträumige Überschwemmungen mit anhaltenden Unterbrechungen von Siedlungen, Straßen und Brücken. Zusätzlich gilt ein Yellow Level 2 für Wellenschäden entlang der Küste, mit Risiken für Hafeninfrastruktur und große Schiffe. Für weite Teile des Westens des Landes wird es sehr kalt, nass und windig. Auch Schnee, Sturmwinde und Regen sind von Sonntag bis Dienstag in mehreren Provinzen zu erwarten.
Wer in diesen Tagen in der südlichen und östlichen Kapregion unterwegs ist, sollte Reisen auf das Notwendigste beschränken, aktuelle Straßensperrungen prüfen und überschwemmte Passagen unter keinen Umständen befahren.

Quellen: IOL, SApeople, inboundsa.com, The Watchers, African News Agency (ANA), Daily Dispatch


























































































































