Heute wurde im lesothischen Distrikt Mokhotlong die Senqu-Brücke offiziell für den Verkehr freigegeben – ein Meilenstein für zwei Länder, die seit Jahrzehnten gemeinsam an der Wassersicherheit der Region arbeiten.
Eine Brücke, die mehr verbindet als zwei Ufer
JHM – 825 Meter lang, 90 Meter hoch, rund 2,4 Milliarden Rand (umgerechnet etwa 120 Millionen Euro) teuer: Die Senqu-Brücke ist das größte Bauwerk unter den drei Hauptbrücken, die im Rahmen von Phase II des Lesotho Highlands Water Project (LHWP) entstehen. Die beiden anderen, die Mabunyane- und die Khubelu-Brücke, befinden sich noch im Bau.
Der Grund für diesen Aufwand: Mit dem Bau des Polihali-Staudamms wird sich das Tal des Senqu-Flusses in einen riesigen Stausee verwandeln. Bestehende Straßenabschnitte der nationalen A1-Route, die Mokhotlong mit der Hauptstadt Maseru verbindet, werden dabei überflutet. Ohne neue Querungen verlöre die Stadt ihre wichtigste Straßenverbindung zum Rest des Landes. Die neue Brücke übernimmt diese Aufgabe dauerhaft.
Technisch ist das Bauwerk bemerkenswert: Es handelt sich um die erste sogenannte “extradosed” Brücke in Lesotho – eine Konstruktion, die Elemente einer Schrägkabelbrücke mit vorgespannten Trägern kombiniert. Gebaut wurde sie von einem internationalen Konsortium aus italienischen, südafrikanischen, lesothischen, österreichischen und französischen Firmen. Der Brückendeckel wurde von beiden Seiten des Tals aus gleichzeitig vorgeschoben, bis die beiden Hälften in der Mitte aufeinandertrafen.
Warum das Projekt für Südafrika entscheidend ist
Die Brücke ist Teil eines weit größeren Vorhabens. Das LHWP ist ein seit 1986 vertraglich geregeltes Gemeinschaftsprojekt beider Länder. Ziel ist es, Wasser aus den Hochlagen Lesothos in das südafrikanische Vaal-Flusssystem zu leiten – das Versorgungsnetz, das Gauteng und weite Teile der südafrikanischen Wirtschaft mit Wasser versorgt.
Phase I des Projekts wurde 2003 abgeschlossen und umfasste den Bau der Katse- und Mohale-Staudämme. Phase II geht erheblich weiter: Der neue Polihali-Damm, rund 165 Meter hoch, wird zusammen mit einem 38 Kilometer langen Überleitungstunnel die jährliche Wassermenge, die Südafrika erhält, von 780 Millionen Kubikmetern auf 1,27 Milliarden Kubikmeter erhöhen. Für ein Land, das chronisch mit Wasserknappheit kämpft, ist das keine Kleinigkeit.
Lesotho profitiert seinerseits durch Einnahmen aus Wasserroyalties, Infrastrukturentwicklung und eine stärkere eigene Stromproduktion. Die Muela-Wasserkraftanlage soll durch Phase II um rund 40 Prozent mehr Leistung bringen.
Harte Bedingungen, lange Verzögerungen
Das Projekt hatte mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen. Die Baustelle liegt auf 2.100 Metern Höhe, zugänglich nur über steile Gebirgspässe. Die Temperaturen schwanken zwischen minus 15 Grad im Winter und über 35 Grad im Sommer. Die meisten Materialien mussten aus Südafrika herangeschafft werden.
Auch zeitlich lief nicht alles nach Plan. Phase II hätte ursprünglich bereits 2019 abgeschlossen sein sollen – neun Jahre Verzögerung stehen zu Buche, zurückzuführen auf ein komplexes zwischenstaatliches Entscheidungsverfahren, das Einstimmigkeit zwischen beiden Regierungen verlangt.
Der Bau der Senqu-Brücke allein schuf rund 250.000 Personentage Beschäftigung, der Spitzenbetrieb zählte bis zu 1.200 Arbeitnehmende gleichzeitig, die Mehrheit davon Basotho.
Ein Signal für die Zukunft
Die heutige Eröffnung wird von hochrangigen Vertretern beider Regierungen begleitet. Das unterstreicht, welche politische Bedeutung das Vorhaben hat. Phase II insgesamt wird mit rund 53 Milliarden Rand (ca. 2,65 Milliarden Euro) veranschlagt und gilt als eines der ambitioniertesten Wasserinfrastrukturprojekte Afrikas.
Wann der Polihali-Damm fertiggestellt sein wird und der Stausee beginnt, sich zu füllen, hängt vom weiteren Baufortschritt ab. Die Senqu-Brücke steht bereit.
Quellen SA News (sanews.gov.za), BusinessTech, Engineering News, International Water Power Magazine, BizCommunity, KZN Business Sense


























































































































