Wer davon träumt, seinen Lebensabend unter südafrikanischer Sonne zu verbringen, muss sich auf strengere Regeln einstellen: Die südafrikanische Regierung hat ein überarbeitetes Einwanderungskonzept beschlossen, das ausländischen Ruheständlern den Zugang künftig erheblich erschweren dürfte.
Neue Hürden für das Ruhestandsvisum
RME – Bislang galt das südafrikanische „Retired Person Visa“ als erstaunlich großzügig. Eine Altersgrenze existierte nicht – mit teils kuriosen Folgen: So genehmigte das Innenministerium in der Vergangenheit sogar Anträge von Personen im Alter von nur 25 Jahren. Rund 65 Prozent der Antragsteller waren jünger als 55 Jahre, einige gingen trotz ausdrücklichen Arbeitsverbots sogar einer Beschäftigung nach.
Mit dieser Praxis soll nun Schluss sein. Das am 8. April 2026 vom Kabinett verabschiedete überarbeitete Weißbuch zu Staatsbürgerschaft, Einwanderung und Flüchtlingsschutz (CIRP) sieht unter anderem vor:
- ein Mindestalter von 55 Jahren für Antragsteller,
- deutlich höhere finanzielle Mindestanforderungen,
- Ausnahmen nur noch in besonders begründeten Einzelfällen.
Bislang mussten Antragsteller ein monatliches Einkommen von mindestens 37.000 Rand (rund 1.800 Euro) nachweisen – ein Betrag, der seit 15 Jahren unverändert blieb und angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten als veraltet gilt. Die neuen Einkommensgrenzen sind noch nicht veröffentlicht, dürften aber spürbar höher ausfallen.
Vermögen allein reicht nicht mehr
Eine weitere einschneidende Änderung betrifft die bisherige Möglichkeit, über den Status der „finanziellen Unabhängigkeit“ eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Dieses Modell soll abgeschafft und durch ein investitionsbasiertes System ersetzt werden.
Künftig genügt es also nicht mehr, lediglich über ausreichendes Vermögen zu verfügen – erwartet wird vielmehr, dass Kapital aktiv in Südafrika investiert wird. Ziel ist es, wohlhabende Zuwanderer stärker in die wirtschaftliche Entwicklung des Landes einzubinden.
Südafrika ist noch begehrtes Ziel
Südafrika ist (noch) eines der attraktivsten Auswanderungsziele für Rentner weltweit. Jährlich gehen Tausende Anträge aus mehr als 100 Ländern ein. Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählen Großbritannien, die Schweiz, Deutschland, die Niederlande sowie zunehmend auch die USA. Auch aus Australien wächst das Interesse.
Die Gründe sind vielfältig:
- mildes Klima ohne harte Winter,
- hohe Lebensqualität bei vergleichsweise niedrigen Kosten,
- exzellente private Gesundheitsversorgung,
- sichere Wohnanlagen,
- günstiger Wechselkurs – derzeit etwa 19 Rand pro Euro.
Ausländische Ruheständler gelten in Südafrika als wirtschaftlich wertvolle „Langzeittouristen“, die erhebliche Kaufkraft ins Land bringen. Im Immobilienmarkt machen sie bereits mehr als zehn Prozent aller Käufe im Ruhestandssegment aus.
Besonders beliebt sind Regionen wie die Garden Route, die Cape Winelands, die Westküste, die Nordküste von KwaZulu-Natal sowie die Gegend um Hermanus.
Gesetz noch nicht endgültig beschlossen
Innenminister Leon Schreiber bezeichnete die Reformen als „wichtigen Meilenstein“ hin zu einem modernen, sicheren und effizienten Einwanderungssystem. Noch handelt es sich allerdings nicht um geltendes Recht: Das Innenministerium muss die gesetzlichen Grundlagen erst ausarbeiten und durchs Parlament bringen.
Für Interessenten bedeutet das: Wer eine Auswanderung nach Südafrika plant, hat möglicherweise noch die Chance, unter den bisherigen Bedingungen einen Antrag zu stellen – sollte sich jedoch rasch informieren und fachkundig beraten lassen.
Denn die Tür nach Südafrika bleibt zwar offen – sie wird künftig jedoch deutlich schmaler.
Ralph M Ertner, Geschäftsführer der Into SA Gruppe


























































































































