Kapstadts malerischer Fischerhafen in Hout Bay könnte sich bald grundlegend verändern. Politik und Immobilienbranche sind sich einig: Der staatliche Hafen ist zu gut für seinen Dornröschenschlaf.
Ein Hafen wartet auf seine Zukunft
JHM – Wer einmal durch Hout Bay geschlendert ist, kennt das Bild: Fischerboote, Möwen, frischer Fisch mit Pommes, der Bay Harbour Market am Wochenende. Das ist die eine Seite des Hafens. Die andere ist weniger romantisch. Weite Teile des Geländes liegen brach, staatliche Gebäude verfallen, und das wirtschaftliche Potenzial des Areals wird kaum genutzt.
Das hat auch Infrastrukturminister Dean Macpherson erkannt, der gemeinsam mit Kapstadts Bürgermeister Geordin Hill-Lewis eine technische Kommission eingerichtet hat, um staatliche Liegenschaften in der Stadt gezielter zu nutzen. Macpherson bringt die Sache auf den Punkt: Hout Bay Hafen sei ein staatlicher Hafen, der weitgehend ungenutzt vor sich hin dämmere, aber das Zeug habe, eine zweite Version des V&A Waterfront zu werden.
Was der V&A kann, könnte Hout Bay auch
Der Vergleich mit dem V&A Waterfront ist kein kleiner Anspruch. Das Original zieht jährlich 25 Millionen Besucher an, erwirtschaftet 11 Milliarden Rand (rund 550 Millionen Euro) im Einzelhandel und sichert mehr als 83.000 Arbeitsplätze. Zudem laufen Planungen für eine 20-Milliarden-Rand-Erweiterung (etwa 1 Milliarde Euro), bei der fast vier Hektar Land vom Meer zurückgewonnen werden sollen.
Hout Bay wird diese Dimensionen auf absehbare Zeit nicht erreichen. Doch der Stellenwert des Hafens als Tourismusziel ist längst bewiesen. Der Bay Harbour Market, Bootstouren zur Duikerinsel, frischer Fisch und Meeresfrüchte bei Mariner’s Wharf, Kajaktouren, Glasbodenboote, Foil-Surfen: Das Angebot ist vielseitig und zieht sowohl Einheimische als auch internationale Besucher an.
Eddie Andrews, Kapstadts Vizebürgermeister und zuständig für Raumplanung, sieht im Hafen von Hout Bay das größte Entwicklungspotenzial aller ausgewiesenen Fischereihäfen im Stadtgebiet. Er räumt zwar ein, dass Hout Bay weder die Größe des Kapstadter Hafens noch den strategischen Wert des Marinehafens in Simon’s Town hat, betont aber, dass es unter den kleineren Häfen kaum eine bessere Ausgangslage gebe.
Immobilienmarkt zieht bereits mit
Die Aussichten auf eine Aufwertung des Hafens kommen nicht von ungefähr. Hout Bay befindet sich mitten in einer Infrastruktur-Revitalisierung im Wert von 6 Milliarden Rand (rund 300 Millionen Euro), zu der auch ein 50-Millionen-Rand-Gezeitenbadprojekt (etwa 2,5 Millionen Euro) am Strand gehört.
Auf dem Immobilienmarkt läuft es entsprechend. Die Nachfrage nach Wohn- und Investitionsobjekten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, insbesondere bei ausländischen Käufern. Transaktionen aus dem Ausland haben 2025 die Marke von 600 Millionen Rand (rund 30 Millionen Euro) überschritten, mit Verkaufspreisen zwischen 5 und 25 Millionen Rand pro Objekt. Die durchschnittlichen Verkaufspreise sollen jährlich um rund 6,7 Prozent zulegen.
Pläne ja, Zeitplan noch offen
So viel Aufbruchsstimmung ist schön, solange man die Einschränkungen nicht vergisst. Planungsrahmen und Machbarkeitsstudien für die Neugestaltung des Hafens existieren, doch verbindliche Zeitpläne oder konkrete Umsetzungszusagen fehlen bislang. Die gemeinsame Kommission von Stadt und nationaler Regierung soll monatlich Fortschritte prüfen, was immerhin auf politischen Willen hinweist.
Ob und wann aus dem heruntergekommenen Fischereihafen ein echter Tourismusmittelpunkt wird, hängt letztlich von mehreren Faktoren ab: der Bereitschaft privater Investoren, dem regulatorischen Rahmen, der Koordination zwischen nationaler und städtischer Verwaltung, und nicht zuletzt vom Tempo südafrikanischer Baubehörden. Wer Kapstadt kennt, weiß: Manchmal dauert selbst Offensichtliches länger als erwartet. Aber die Richtung stimmt.
Quellen: Tourism Update, SAnews, Engineering News, Everything Property, Daily Investor, Briefly.co.za


























































































































