HomeWirtschaftBMW-Chef warnt vor Billigimporten: Droht Südafrikas Automarkt der Kollaps?

BMW-Chef warnt vor Billigimporten: Droht Südafrikas Automarkt der Kollaps?

Die Flut günstiger Fahrzeuge aus China und Indien setzt Südafrikas Automobilindustrie massiv unter Druck. BMW-Chef Peter van Binsbergen schlägt Alarm.

Gebrauchtwagen-Markt in Gefahr

JHM – Südafrikas Automarkt steht vor einer Zerreißprobe. Peter van Binsbergen, Chef von BMW Südafrika, warnt vor den unbeabsichtigten Folgen der Importschwemme. Zwar läuft das Geschäft bei BMW gut, doch der Gebrauchtwagenmarkt gerät zunehmend ins Wanken. Das Problem: Die Preise neuer Importfahrzeuge liegen teilweise auf dem Niveau gebrauchter Premiumautos.

“Ein gesunder Gebrauchtwagenmarkt ist essentiell für das gesamte Ökosystem”, erklärt van Binsbergen gegenüber Business Times. Wer nur auf den günstigen Neupreis schiele, denke zu kurzfristig. Die Rechnung geht weiter: Arbeitsplätze fallen weg, die Wirtschaft leidet, am Ende trifft es auch die Verbraucher.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

2025 wurden in Südafrika 596.818 Fahrzeuge verkauft – ein Plus von knapp 16 Prozent. Rekordwerte, die das Land seit einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen hatte. Der Grund: Billige Autos aus Asien fluten den Markt. Von den 20 günstigsten Neuwagen kommen 19 aus China oder Indien. Das billigste Fahrzeug, der Renault Kwid aus Indien, kostet umgerechnet rund 9.200 Euro (178.799 Rand). Der günstigste in Südafrika produzierte VW Polo Vivo liegt bei 271.900 Rand – also etwa 14.000 Euro. Fast 5.000 Euro Unterschied.

Die Importzahlen aus China sind zwischen 2020 und 2026 um 368 Prozent gestiegen, aus Indien um 135 Prozent. Mittlerweile kommen 36 Prozent aller in Südafrika verkauften Fahrzeuge aus Indien, 11 Prozent aus China. Lokale Produktion macht nur noch 37 Prozent aus.

Regierung erwägt drastische Maßnahmen

Das Handelsministerium prüft Importzölle von bis zu 50 Prozent auf Fahrzeuge aus China und Indien. Ayabonga Cawe von der International Trade Administration Commission bestätigt: Die WTO erlaubt diese Obergrenze. Derzeit liegt der Zoll bei 25 Prozent.

Van Binsbergen und die Autoindustrie fordern jedoch keine pauschalen Zollerhöhungen. Das wäre der falsche Weg. “50 Prozent wäre ein Schock fürs System”, warnt der BMW-Manager. Stattdessen brauche es gezielte Anpassungen, die heimische Produktion stärken, ohne Einsteigerfahrzeuge unbezahlbar zu machen.

Das Dilemma der Masterplan-Ziele

Der südafrikanische Automotive Masterplan 2035 sollte die Branche revolutionieren. Geplant waren für 2025: 931.000 produzierte Fahrzeuge, 60 Prozent lokale Wertschöpfung, 224.000 Jobs. Die Realität sieht ernüchternd aus: 602.000 Fahrzeuge, 39 Prozent Lokalisierung, 115.000 Arbeitsplätze.

In den vergangenen drei Jahren schlossen 13 Zulieferfirmen, über 4.000 Menschen verloren ihren Job. Die Gewerkschaft NUMSA fordert harte Zölle gegen die BRICS-Partner China und Indien.

Van Binsbergen sieht das differenzierter. Die Branche brauche keine Strafzölle, sondern intelligente Politik. Das bedeutet: Echte Produktion fördern – mit Karosseriebau, Lackierung, kompletter Fahrzeugmontage. Nicht nur einfache Schraubarbeiten in SKD-Werken (Semi-Knocked-Down), wo vorgefertigte Baugruppen zusammengesetzt werden.

BMW läuft trotzdem rund

Trotz aller Turbulenzen hat BMW 2025 seinen besten Marktanteil im Premiumsegment erzielt: über 46 Prozent. Das Werk in Rosslyn produzierte mehr als 79.000 Fahrzeuge – Rekord in der 52-jährigen Geschichte des Standorts.

Für die zweite Jahreshälfte 2026 plant BMW den Launch des iX3, dem ersten Modell der elektrischen “Neue Klasse”-Serie in Südafrika. Ein Hoffnungsträger im umkämpften Elektromarkt.

Was Autokäufer wissen sollten

Van Binsbergen rät Käufern, über den Sticker-Preis hinauszudenken. Wartungshistorie, Ersatzteilverfügbarkeit und Wiederverkaufswert zählen langfristig mehr als ein günstiger Einstiegspreis. Ein billiges Auto kann teuer werden, wenn Ersatzteile fehlen oder der Wiederverkaufswert in den Keller rauscht.

Die Motor Industry Staff Association warnt ebenfalls. Zu spät im Spiel für harte Zölle, meint Geschäftsführerin Martlé Keyter. Zu viele Jobs hängen mittlerweile an chinesischen und indischen Marken.

Ausblick: Unsichere Zeiten

Die Branche steht am Scheideweg. Politische Unsicherheit bremst Investitionen. Autohersteller planen in Zyklen von 7 bis 14 Jahren – ohne klare Rahmenbedingungen wird es schwierig, neue Milliarden zu rechtfertigen.

Hinzu kommt: Europas Exportmarkt, der 80 Prozent der südafrikanischen Fahrzeugexporte abnimmt, schwenkt rasant auf Elektromobilität um. Südafrika muss mitziehen oder verliert den Anschluss.

Van Binsbergen glaubt trotzdem: Es ist noch nicht zu spät für eine Kurskorrektur. Die richtigen politischen Weichenstellungen könnten die Wende bringen. Ob die Regierung diese Chance nutzt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Quellen: Sunday Times, Business Day, BusinessTech, Reuters

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