HomeReisenBei diesen Tempos riskierst du in Südafrika deinen Führerschein

Bei diesen Tempos riskierst du in Südafrika deinen Führerschein

Ein südafrikanisches Gericht hat eine Verhaftung wegen zu schnellen Fahrens für rechtswidrig erklärt. Doch das bedeutet nicht, dass Raser glimpflich davonkommen.

JHM – Anfang Januar 2026 sorgte ein Urteil des Western Cape High Court für Aufsehen. Richterin Pearl Deidré Andrews erklärte die Verhaftung des Anwalts Hymie Zilwa für unrechtmäßig. Der Grund: Er wurde 2019 ohne Haftbefehl festgenommen, weil sein Fahrzeug angeblich mit 188 km/h in einer 120er-Zone geblitzt wurde.

Das Gericht stellte klar, dass Geschwindigkeitsübertretungen keine Schedule 1-Straftaten nach dem Criminal Procedure Act sind. Eine Verhaftung ohne Haftbefehl ist daher nicht zulässig, wie aus dem Urteil vom 9. Januar 2026 hervorgeht. Zilwa musste damals über sechs Stunden in Handschellen und später mit Fußfesseln in einer Zelle verbringen, obwohl er die ganze Zeit beteuerte, nicht am Steuer gesessen zu haben.

Warnung vor voreiligen Schlüssen

Rob Handfield-Jones, Geschäftsführer von Driving.co.za, warnt jedoch vor falschen Hoffnungen. Wie er gegenüber MyBroadband erklärte, ändere das Urteil nichts am National Road Traffic Act oder am Aarto-Gesetz. Es gehe lediglich darum, dass eine sofortige Verhaftung in diesem speziellen Fall nicht gerechtfertigt war.

Wer nun glaubt, Geschwindigkeitsüberschreitungen würden künftig milder behandelt, sollte sich Section 35 des National Road Traffic Act genau durchlesen. Dort steht schwarz auf weiß, welche drastischen Konsequenzen drohen.

Wann wird es richtig ernst

Der Gesetzgeber sieht rücksichtsloses Fahren als schweres Vergehen an. Dazu zählt bereits, wer in städtischen 60-km/h-Zonen 30 km/h oder mehr zu schnell unterwegs ist. Auf Landstraßen mit Tempolimit 100 km/h und auf Autobahnen mit 120 km/h liegt die Schwelle bei 40 km/h darüber, berichtet MyBroadband unter Berufung auf den National Road Traffic Act.

Wird ein Fahrer mit solchen Geschwindigkeiten erwischt und verurteilt, droht beim ersten Verstoß eine Führerscheinsperre von mindestens sechs Monaten. Bei der zweiten Verurteilung sind es mindestens fünf Jahre, beim dritten Mal mindestens zehn Jahre.

Die Sperrfrist beginnt ab dem Tag der Urteilsverkündung. Allerdings kann das Gericht in Ausnahmefällen von einer Sperre absehen oder sie verkürzen, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Suspendierung nicht rechtfertigen.

Der Fall des festgenommenen Anwalts

Zilwa war am 28. März 2019 im Konvoi mit Kollegen von Bloemfontein nach Kapstadt unterwegs. Zwischen Dwyka und Leeu Gamka in der Zentralen Karoo wurde sein weißer Mercedes von Durchschnittsgeschwindigkeitskameras erfasst, wie aus den Gerichtsdokumenten hervorgeht. Traffic Officer Denzel John-Lee Gertse hielt ihn an und zeigte ihm die Beweisfotos.

Zilwa erklärte sofort, dass er nicht selbst gefahren sei. Er hatte das Fahrzeug erst kurz zuvor übernommen und bot an, den tatsächlichen Fahrer zu kontaktieren. Die Beamten ignorierten seine Aussagen und brachten ihn zur Polizeistation Laingsburg. Dort wurde er um 18 Uhr in Handschellen gelegt, später kamen Fußfesseln dazu. Erst kurz vor Mitternacht kam er frei.

Laut Times Live stellte Richterin Andrews fest, dass Zilwa nie ein Haftbefehl vorgelegt wurde und seine Rechte nicht ordnungsgemäß erläutert wurden. Die Verhaftung war verfassungswidrig, da sie seine persönliche Freiheit ohne rechtliche Grundlage einschränkte. “Er hätte von vornherein nicht in diese Zelle gesteckt werden dürfen”, so die Richterin.

Was bedeutet das Urteil

Zilwa sieht in dem Urteil einen Präzedenzfall. Wer wegen Geschwindigkeitsüberschreitung erwischt wird, muss laut IOL einen Strafzettel erhalten oder eine Vorladung fürs Gericht bekommen. Eine sofortige Verhaftung und Inhaftierung ist nicht zulässig, auch nicht bei 68 km/h über dem Tempolimit.

Das Gericht hat dem Staat auferlegt, Zilwa Entschädigung für die unrechtmäßige Verhaftung und alle Anwaltskosten zu zahlen. Die Höhe der Entschädigung wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. Den Antrag auf Schadensersatz wegen böswilliger Strafverfolgung lehnte das Gericht allerdings ab, wie aus dem offiziellen Urteil (Case Number 18320/2019) hervorgeht.

Handfield-Jones betont noch einmal: Das Urteil ändert nichts an den harten Strafen für Raser. Wer die Geschwindigkeitsgrenzen deutlich überschreitet, riskiert weiterhin seinen Führerschein für Jahre. Die Botschaft ist klar: Fahr nicht zu schnell, sonst wird es teuer.

Quellen: MyBroadband, Times Live, IOL, Western Cape High Court (Urteil vom 9. Januar 2026, Case Number 18320/2019), Driving.co.za

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