Millionen Besucher strömen jedes Jahr nach Südafrika. Doch die meisten bleiben in Kapstadt oder am Krüger-Nationalpark hängen. Der Rest des Landes geht leer aus – und die Straßen sind schuld.
JHM – Brett Tungay, nationaler Vorsitzender des südafrikanischen Hospitality-Verbands Fedhasa, macht im Interview mit dem SABC keinen Hehl daraus: Die bröckelnde Infrastruktur kostet das Land Milliarden. “Wir sehen eine klare Polarisierung. Die ausländischen Besucher konzentrieren sich auf ein Duopol zwischen Krüger und der Kap-Region”, sagt Tungay.
Provinzen verlieren den Anschluss
Was das für andere Regionen bedeutet? KwaZulu-Natal, Free State und sogar Gauteng verzeichnen rückläufige internationale Besucherzahlen. Dabei waren diese Ziele früher äußerst beliebt. Bei inländischen Touristen führt KwaZulu-Natal zwar noch die Statistik an, doch Kapstadt holt massiv auf.
“Wir müssen die Liebe verteilen”, formuliert es Tungay. Gemeint ist: Touristen sollten wieder durchs ganze Land reisen – nicht nur zu den zwei Hotspots. Doch genau da liegt das Problem.
Schlaglöcher statt Safari-Romantik
Die Straßen im Norden von KwaZulu-Natal? Katastrophal. Ländliche Gebiete im Free State und Mpumalanga? Nicht besser. “Die Regierung muss diese Probleme endlich angehen”, fordert Tungay. Der Hospitality-Sektor beschäftigt in Südafrika jeden elften Arbeitnehmer – Potenzial nach oben wäre reichlich da, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden.
Besonders hart trifft es drei Marktsegmente: Selbstfahrer, Wohnmobil-Touristen und Busreisen. Viele Reiseveranstalter weigern sich mittlerweile, ihre Kunden auf südafrikanische Straßen zu schicken. Zu groß das Risiko von Pannen, Unfällen oder beschädigten Fahrzeugen.
Konkurrenz schläft nicht
Südafrika konkurriert nicht nur mit anderen afrikanischen Destinationen, sondern auch mit Südostasien. Reisende aus Europa und den USA wählen ihre Urlaubsziele zunehmend nach einem simplen Kriterium aus: Wie einfach ist das Reisen dort? Südafrika kann da derzeit nicht mithalten.
“Touristen aus Industrieländern wollen keine Infrastrukturprobleme, die ihren Urlaub beeinträchtigen könnten”, erklärt Tungay. Logisch. Wer Tausende Euro für eine Reise ausgibt, erwartet nicht, auf Schlaglochpisten durch die Wildnis zu holpern.
Marketing allein reicht nicht
Neben den Straßen sieht Tungay noch ein weiteres Problem: mangelndes Marketing. “Es gibt so viele fantastische Erlebnisse jenseits von Krüger und Kapstadt”, sagt er. Diese müssten der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.
Seine Vision klingt ambitioniert: Der Tourismus-Sektor könnte zum zweitgrößten Wirtschaftsfaktor des Landes werden und dreimal so viele Besucher anziehen wie bisher. “Wenn wir nur ein Prozent des chinesischen Marktes erreichen könnten, wäre das ein Game-Changer für Südafrika”, so Tungay. Das Gleiche gelte für den indischen Markt.
Investitionen in Sicht
Immerhin: Die Regierung hat das Problem erkannt. Laut aktuellen Berichten hat Südafrika einen Kredit über 7 Milliarden Rand (etwa 368 Millionen Euro) von der New Development Bank gesichert. Das Geld soll in wichtige Straßenprojekte fließen, darunter die Nationalstraßen N1, N2 und N3. Diese Routen verbinden die großen Städte, Touristenziele und Flughäfen.
Die Upgrades sollen nicht nur die Sicherheit verbessern und Staus reduzieren, sondern auch das Reiseerlebnis für Touristen und Einheimische gleichermaßen aufwerten. Für Besucher bedeutet das: schnellere und angenehmere Fahrten zwischen beliebten Zielen wie der Garden Route, dem Krüger-Nationalpark und Kapstadt.
Ob das ausreicht, um Südafrika wieder auf die Überholspur im internationalen Tourismus zu bringen? Die kommenden Jahre werden es zeigen. Eines ist sicher: Ohne funktionierende Straßen bleibt das immense Potenzial des Landes ungenutzt – und die Touristen buchen woanders.
Quellen: SABC, Fedhasa, Travel and Tour World, New Development Bank



























































































































