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Bierpreis-Schock: Südafrika plant drastische Steuererhöhung

Wer in Südafrika gern ein kühles Bier trinkt, muss sich auf deutlich höhere Preise einstellen. Das nationale Finanzministerium erwägt eine Erhöhung der Verbrauchssteuer um bis zu 20 Prozent.

Treasury will Alkoholkonsum bremsen

JHM – Das Finanzministerium lud im November Alkoholproduzenten zu einem virtuellen Treffen ein, um über geplante Steueranpassungen bei Bier und Wein zu sprechen. Ziel der Maßnahme ist es, den Alkoholkonsum in Südafrika zu reduzieren. Die Branche schlägt Alarm: Eine Steuererhöhung über der Inflationsrate könne Konsumenten in den illegalen Markt treiben, warnen Wein-, Bier- und Spirituosenhersteller. Das würde sowohl die staatlichen Einnahmen als auch die Bemühungen zur Konsumreduzierung untergraben.

Nach Angaben der Industrie macht illegaler Alkohol bereits rund 18 Prozent des gesamten Alkoholkonsums in Südafrika aus. Der Vorschlag einer 20-prozentigen Steuererhöhung müsse daher sorgfältig geprüft werden.

Gesundheitslobby: Endlich wird gehandelt

Nomcebo Dlamini, Kampagnenmanagerin der South African Alcohol Policy Alliance, sieht die Steuererhöhung positiv. Eine 20-prozentige Erhöhung der Verbrauchssteuer am Produktionsort würde den Bierpreis im Laden natürlich steigen lassen, sagt sie. Doch genau das sei notwendig und längst überfällig.

Verbrauchssteuern gehörten zu den effektivsten und kostengünstigsten Mitteln, um alkoholbedingte Schäden zu verringern. Ihre Organisation unterstütze den Schritt voll und ganz.

Der aktuelle Bierpreis in Südafrika sei Teil des Problems, so Dlamini. Alkohol sei oft billiger als Grundnahrungsmittel. In manchen Fällen koste Bier weniger als ein Laib Brot. Diese Erschwinglichkeit fördere übermäßigen und schädlichen Konsum.

Höhere Preise, weniger Trinker

Höhere Preise würden das Trinkverhalten ändern, argumentiert Dlamini. Studien der Weltgesundheitsorganisation zeigten, dass selbst Menschen, die weiter trinken, bei höheren Preisen weniger konsumieren. Besonders junge Menschen würden vom Alkohol ferngehalten, wenn er teurer wird.

Trotz Erhöhung: Bier bleibt günstig

Selbst mit der geplanten 20-prozentigen Steuererhöhung bleibt Bier in Südafrika deutlich erschwinglicher als in Deutschland. Derzeit kostet ein halber Liter vom Fass im Restaurant etwa 1,90 Euro, während du in Deutschland dafür rund 4,50 Euro hinblättern musst. Eine Flasche Bier gibt es in südafrikanischen Restaurants oft für unter zwei Euro – ein Preis, von dem deutsche Biertrinker nur träumen können.

Diese extreme Preisdifferenz erklärt auch, warum Gesundheitsaktivisten auf höhere Steuern drängen. Die niedrigen Kosten machen Alkohol besonders für einkommensschwache Haushalte und junge Menschen extrem zugänglich.

Dlamini verweist auf die enormen Gesundheitskosten: Südafrika gibt jährlich fast 249 Milliarden Rand (etwa 12,5 Milliarden Euro) für nicht übertragbare Krankheiten aus, von denen viele durch Alkoholmissbrauch und Rauschtrinken verschlimmert werden. Die Steuererhöhung sei ein Weg, das Trinken zu reduzieren und das Problem des Alkoholzugangs für junge Menschen anzugehen.

Illegaler Markt keine Ausrede

Zur Sorge, höhere Steuern könnten die illegale Alkoholproduktion ankurbeln, sagt Dlamini klar: Illegales Brauen werde nicht durch den Preis angetrieben, sondern durch schwache Kontrollen. Sie verweist auf Probleme wie mangelhafte Lizenzaufsicht, begrenzte Inspektionen, Korruption und Personalmangel bei den Provinzbehörden.

Niemand wolle illegalen Alkohol, genau wie niemand illegalen Zigarettenhandel wolle. Doch das dürfe nicht als Angstmache genutzt werden, um evidenzbasierte Politik zu blockieren. Höhere Steuern müssten mit strengerer Durchsetzung und breiteren Maßnahmen kombiniert werden.

Es brauche koordinierte Anstrengungen der Gesundheits-, Bildungs- und Sozialentwicklungsbehörden, zusammen mit Einschränkungen der Alkoholwerbung. Die zusätzlichen Steuereinnahmen könnten Prävention und Gesundheitsversorgung finanzieren und bei steigenden Krebsfällen helfen.

Bierindustrie warnt vor Jobverlust

Die Beer Association of South Africa sieht die überdurchschnittliche Erhöhung kritisch. Geschäftsführerin Charlene Louw betont, Südafrikas Bierindustrie gehöre zu den beschäftigungsintensivsten Wirtschaftszweigen. Sie habe 2023 insgesamt 210.000 Arbeitsplätze gesichert und 98 Milliarden Rand (etwa 4,9 Milliarden Euro) oder 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beigetragen.

Nachgelagerte Industrien wie Landwirtschaft, Bau, Finanzen, Versicherungen, Unternehmensdienstleistungen, Immobilien, Transport, Groß- und Einzelhandel sowie Gastgewerbe profitierten vom Biergeschäft. Kleine Unternehmen wie Kneipen und Craft-Brauereien seien ein wichtiger Teil dieses Ökosystems und der lokalen Gemeinschaften.

Laut dem nationalen Entwicklungsplan sollen bis 2030 elf Millionen neue Arbeitsplätze entstehen, 90 Prozent davon in kleinen Unternehmen. Um die Verkäufe aufrechtzuerhalten, müssten Brauereien und Händler überdurchschnittliche Steuererhöhungen zunehmend selbst absorbieren. Das drücke auf ohnehin fragile Margen.

Statt diese Unternehmen weiter zu belasten, habe das Finanzministerium die Chance, ein an die Inflation gekoppeltes Verbrauchssteuer-System einzuführen. Das würde kleine Unternehmen unterstützen, den Sektor stabilisieren und Arbeitsplätze ermöglichen.

Eine stabile und faire Verbrauchssteuerpolitik schütze Existenzen, fördere Investitionen und halte Konsumenten im legalen Markt. Es sei Zeit, die ständig steigenden Biersteuern zu begrenzen und einen ausgewogenen, zukunftsorientierten Ansatz zu wählen, der Wachstum unterstütze statt es einzuschränken.

Quellen: Sunday Times, Beer Association of South Africa (BASA), South African Alcohol Policy Alliance (SAAPA)

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