HomeWirtschaftDroht Südafrika die Rückkehr der Stromausfälle?

Droht Südafrika die Rückkehr der Stromausfälle?

Experte warnt: Eskoms überarbeitete Aufspaltungsstrategie könnte den Fortschritt bei der Stromversorgung gefährden und Load-Shedding zurückbringen.

Streit um die Kontrolle des Stromnetzes

JHM – Die Entscheidung von Energieminister Kgosientsho Ramokgopa, die Übertragungsanlagen im Eskom-Konzern zu belassen, sorgt für Kontroversen. Anton Eberhard, emeritierter Professor des Power Futures Lab an der University of Cape Town, schlägt Alarm. Seine Warnung ist eindeutig: Wenn Eskom weiterhin die Kontrolle über das Stromnetz behält, drohen in den kommenden Jahren erneut flächendeckende Stromausfälle.

Die im Dezember 2024 genehmigte Strategie sieht zwar die Aufspaltung Eskoms in separate Bereiche für Erzeugung, Übertragung und Verteilung vor. Anders als ursprünglich von Präsident Cyril Ramaphosa 2019 angekündigt, bleiben die Einheiten jedoch unter einem gemeinsamen Dach. Die National Transmission Company of South Africa (NTCSA) wurde bereits im Juli 2024 rechtlich von Eskom getrennt, operiert aber weiterhin als Tochtergesellschaft des angeschlagenen Versorgungsunternehmens.

Das Kapitalproblem

Eberhard identifiziert zwei zentrale Probleme mit dieser Konstruktion. Erstens wird es schwierig, die notwendigen Investitionen für den massiven Ausbau des Übertragungsnetzes zu mobilisieren. Südafrika benötigt in den nächsten Jahren rund 14.000 Kilometer neue Hochspannungsleitungen.

“Ein unabhängiges Übertragungsunternehmen hätte vorhersehbare, regulierte Einnahmen, die für institutionelle Investoren attraktiv sind”, erklärt Eberhard laut BusinessTech. Mittelfristig könnte ein solches Unternehmen Investment-Grade-Status erreichen und sich günstig Kapital für den Netzausbau beschaffen. Das sei unmöglich, solange die Anlagen Teil des hochverschuldeten Eskom-Konzerns blieben.

Die vorgeschlagenen unabhängigen Übertragungsprojekte reichten nicht aus und kämen zu langsam voran, kritisiert der Experte. Vor zwei Jahren hat Eskom gerade einmal 73 Kilometer neue Leitungen gebaut, obwohl der Plan 1.400 Kilometer pro Jahr vorsah.

Interessenkonflikte programmiert

Das zweite Problem ist strukturell: Eskom bleibt gleichzeitig dominanter Stromerzeuger und Netzbetreiber. Konkurrenten müssen ausgerechnet bei ihrem Wettbewerber um Netzzugang anfragen. Unabhängige Stromproduzenten kennen die Hindernisse aus eigener Erfahrung, wie Eberhard betont.

“Der dominante Erzeuger sollte keine privilegierte Stellung im neuen südafrikanischen Stromgroßhandelsmarkt haben”, fordert Eberhard. Aktuell wolle Eskom sogar den Market Code genehmigen, bevor er zur Regulierungsbehörde Nersa gehe.

Minister mit doppeltem Mandat

Besonders kritisch sieht Eberhard die Rolle von Minister Ramokgopa. Dieser ist gleichzeitig für Wettbewerb und Regulierung im Energiesektor sowie für den Schutz der Eskom-Anlagen verantwortlich. “Ein riesiger Fehler”, urteilt der Professor. Die Entscheidung, Eskom die Kontrolle über das Netz zu belassen, untergrabe diese Pflicht massiv.

Der Energieexperte befürchtet, dass damit alle Fortschritte bei der Öffnung des Strommarkts für private Investitionen zunichte gemacht werden. Über 100 Länder hätten den Weg der unabhängigen Übertragungsnetze eingeschlagen, darunter alle anderen BRICS-Staaten – China, Russland, Indien und Brasilien.

Die düstere Prognose

Eberhards Warnung ist unmissverständlich: “Wenn Eskom die Übertragungsanlagen behält, prognostiziere ich anhaltende Einschränkungen für Konkurrenten beim Netzzugang und die Rückkehr von Load-Shedding, weil zu wenig neue Erzeugungskapazität ans Netz geht.”

Der Professor appelliert an die Präsidentschaft einzugreifen und sicherzustellen, dass die Übertragungsanlagen von der NTCSA an einen neuen unabhängigen Transmission System Operator außerhalb von Eskom übertragen werden.

Eskoms Argument, Kreditgeber würden eine Entflechtung von Übertragungsanlagen und Schulden nicht zulassen, weist Eberhard entschieden zurück. “Das ist definitiv nicht wahr”, stellt er klar. Gespräche mit einigen der größten Eskom-Kreditgeber hätten ergeben, dass diese mit einem unabhängigen TSO mit Übertragungsanlagen durchaus einverstanden wären.

Hintergrund

Die Debatte um Eskoms Aufspaltung läuft seit Jahren. Das Electricity Regulation Amendment Act sieht die Schaffung eines unabhängigen TSO innerhalb von fünf Jahren vor. Die jüngsten Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass die Regierung von dieser ursprünglichen Vision abweicht. Kritiker wie Wikus Kruger von der Business Day bezeichnen die genehmigte Strategie als “administrative Trennung ohne finanzielle oder operative Autonomie”. Auch internationale Geldgeber zeigen sich besorgt. Das 8,3 Milliarden Dollar schwere Just Transition Partnership-Programm, mit dem europäische Länder Südafrikas Abkehr von der Kohleverstromung unterstützen, könnte durch die neue Strategie gefährdet werden, berichten Diplomaten.

Quellen: MyBroadband, BusinessTech, Business Day, Eskom

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