HomeSüdafrikaInternetrevolution am Kap: Neue Unterwasserkabel bringen Südafrika massiv nach vorne

Internetrevolution am Kap: Neue Unterwasserkabel bringen Südafrika massiv nach vorne

Schnelleres, günstigeres und zuverlässigeres Internet für Südafrika: Mehrere neue Hochleistungs-Glasfaserkabel unter dem Meer verändern die digitale Landschaft am Kap.

Südafrika bekommt endlich mehr Bandbreite

JHM – 2025 ist ein Wendejahr für die Internetverbindungen Südafrikas. Nach Jahren der Planung ging im November das gigantische 2Africa-Kabel ans Netz. Weitere massive Projekte folgen in den nächsten Jahren. Das bedeutet mehr Kapazität, bessere Zuverlässigkeit und vor allem deutlich günstigere Preise für Internetdienste.

Die geografische Lage Südafrikas macht das Land abhängig von Unterseekabeln. Wenn eines dieser Kabel beschädigt wird, kann das zu langsamen Verbindungen oder kompletten Ausfällen führen. Zwar gibt es bereits neun internationale Glasfasersysteme, die am Kap landen, doch die neuen Kabel bringen eine Kapazität, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.

2Africa: Das längste Kabel der Welt

Das von Meta (Facebook) angeführte 2Africa-Projekt ist mit 45.000 Kilometern Länge das längste Unterseekabel weltweit. Im November 2025 wurde der Hauptteil des Systems fertiggestellt. Es verbindet 33 Länder auf drei Kontinenten und umrundet Afrika komplett, um Europa und Asien anzubinden.

In Südafrika landet das Kabel an vier Standorten: Yzerfontein, Duynefontein, Gqeberha und Amanzimtoti. Das Konsortium hinter dem Projekt umfasst neben Meta auch MTN Bayobab, Orange, Telecom Egypt und Vodafone.

Ein besonderer Vorteil: Das Kabel wurde 50 Prozent tiefer verlegt als frühere Systeme, um Gefahren am Meeresboden wie Unterwasserberge zu umgehen. Zudem verfügt es über eine doppelte Stromversorgungsarchitektur für höhere Ausfallsicherheit.

Die Kapazität ist beeindruckend: Auf dem Westabschnitt zwischen Südafrika und England unterstützt 2Africa 180 Terabit pro Sekunde. Das ist mehr als die gesamte kombinierte Kapazität aller bisherigen Kabel, die Afrika bedienen.

Laut Meta wird diese massive Kapazität die Großhandelspreise für internationale Bandbreite drastisch senken. Das schafft Wettbewerb, Redundanz und unterstützt moderne digitale Infrastruktur wie Cloud-Dienste und 5G-Ausbau.

Die Pearls-Erweiterung, die Afrika mit Asien verbindet, soll 2026 in Betrieb gehen. Laut einer Studie könnte 2Africa innerhalb der ersten zwei bis drei Betriebsjahre bis zu 36,9 Milliarden US-Dollar zum afrikanischen Bruttoinlandsprodukt beitragen (etwa 33,4 Milliarden Euro).

Google bringt Australien näher

Das nächste große Projekt ist Googles Umoja-System. Es wird Afrika erstmals direkt mit Australien verbinden und voraussichtlich 2026 oder 2027 in Betrieb gehen.

Der terrestrische Teil des Kabels von Kenia durch Uganda, Ruanda, die Demokratische Republik Kongo, Sambia und Simbabwe nach Südafrika ist bereits fertig. Google arbeitete dafür mit Liquid Intelligent Technologies zusammen. Jetzt wird der Unterwasserteil zwischen Südafrika und Perth verlegt.

Die direkte Verbindung könnte die Latenzzeit zwischen Südafrika und Australien auf unter 100 Millisekunden drücken. Das ist besonders für Online-Gamer interessant, die bisher auf europäische Server mit Latenzen von 150 Millisekunden und mehr ausweichen mussten.

Das Umoja-Kabel folgt auf Googles Equiano-Kabel, das 2023 an der Westküste Afrikas zwischen Melkbosstrand bei Kapstadt und Portugal in Betrieb ging.

Seacom plant Mega-Projekt

Das Unternehmen hinter Südafrikas erstem privat betriebenen Unterseekabel nach Europa plant ein spektakuläres Nachfolgeprojekt. Seacom 2.0 soll eines der leistungsstärksten Unterseekabel werden, die je gebaut wurden.

Mit 48 Glasfaser-Paaren und über 2.000 Terabit pro Sekunde Kapazität würde es die meisten anderen Systeme übertreffen. Zum Vergleich: Das aktuelle Seacom-System von 2009 hat eine Auslegungskapazität von 12 Tbps über zwei Glasfaser-Paare. Nur 4,2 Tbps davon sind aktiviert.

Das System soll zwischen Lobito in Angola an Afrikas Westküste und Singapur verlaufen – mit Kapstadt als wichtigem Knotenpunkt. Eine zweite Route wird Südafrika über die Ostküste Afrikas, das Rote Meer und das Mittelmeer mit Marseille verbinden. Ein dritter Pfad verknüpft Singapur mit verschiedenen asiatischen Ländern, dem Nahen Osten und Ostafrika.

Seacom 2.0 zielt darauf ab, die steigende Nachfrage nach Hochgeschwindigkeitsverbindungen durch den vermehrten Einsatz künstlicher Intelligenz zu bedienen. Die Fertigstellung ist für Ende 2029 oder Anfang 2030 geplant.

Nach den Kabelbrüchen im Roten Meer 2024, die das ursprüngliche Seacom-Kabel schwer trafen, setzt das Unternehmen bei Seacom 2.0 auf diversifizierte Routen näher an afrikanischen Küsten und offene, carrier-neutrale Landepunkte, um Risiken zu minimieren.

Was bedeutet das für Nutzer?

Die neuen Kabel werden die Internetlandschaft Südafrikas grundlegend verändern. Mehr Kapazität bedeutet niedrigere Kosten. Mehr Redundanz bedeutet weniger Ausfälle. Und niedrigere Latenzen bedeuten bessere Erlebnisse bei Videokonferenzen, Online-Gaming und Cloud-Diensten.

Für Expats, Touristen und alle, die mit Südafrika verbunden sind, ist das eine gute Nachricht. Das Land rückt digital näher an den Rest der Welt heran.

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