Nach mehr als einem Jahrhundert staatlicher Alleinherrschaft auf den Schienen vollzieht sich in Südafrika ein historischer Wandel. Traxtion, der größte private Schienenbetreiber des Kontinents, investiert 3,4 Milliarden Rand in Lokomotiven und Waggons. Das entspricht etwa 171 Millionen Euro.
JHM – Die Investition verdoppelt nahezu die Flotte des Unternehmens und markiert einen Wendepunkt für die angeschlagene südafrikanische Wirtschaft. Denn jahrzehntelang hatte das staatliche Logistikunternehmen Transnet SOC Ltd. das Sagen – mit katastrophalen Folgen.
Die Krise der staatlichen Bahn
Transnet hat versagt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Kohleexporte fielen auf ein 30-Jahres-Tief, Eisenerzlieferungen erreichten den niedrigsten Stand seit einer Dekade. Bergbauunternehmen wie Glencore und Kumba Iron Ore konnten ihre Rohstoffe kaum noch zum Hafen transportieren. Die Automobilindustrie und die Landwirtschaft litten gleichermaßen.
Seit 2022 hat die Regierung an einer Reform des maroden Schienengüterverkehrs gearbeitet. Nun zeigt sich: Die Öffnung für private Betreiber trägt Früchte.
46 Lokomotiven aus Neuseeland
James Holley, Geschäftsführer von Traxtion, bringt die Bedeutung auf den Punkt: “Wir sind ein 38 Jahre altes südafrikanisches Unternehmen, das noch nie einen Kilometer südafrikanisches Hauptstreckennetz betrieben hat. Das wird sich jetzt ändern.”
Für 1,8 Milliarden Rand (rund 90 Millionen Euro) kauft Traxtion 46 gebrauchte Lokomotiven vom neuseeländischen Staatsunternehmen KiwiRail. Die Finanzierung stammt hauptsächlich vom Großaktionär Harith General Partners sowie von den Banken Standard Bank und Absa.
Weitere 1,6 Milliarden Rand (etwa 80 Millionen Euro) fließen in Waggons. Die Lokomotiven treffen zwischen Mai 2026 und August 2027 in vier Chargen ein. Nach einer Modernisierung werden sie ab dem dritten Quartal 2026 einsatzbereit sein.
Riesige Lücke im Schienennetz
Die Regierung hat sich vorgenommen, bis 2030 jährlich 250 Millionen Tonnen Fracht auf der Schiene zu bewegen. Transnet schafft derzeit nur etwa 160 Millionen Tonnen. Diese Lücke von 90 Millionen Tonnen offenbart das Ausmaß der Krise.
Traxtion wird mit seiner Investition rund 4,5 Millionen Tonnen dieser Lücke schließen – das sind fünf Prozent. Ein Anfang, aber bei weitem nicht genug. Der Weg ist frei für weitere Investitionen des Unternehmens und von Konkurrenten wie Grindrod.
Arbeitsplätze und Zukunftspläne
Mindestens 662 neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Die Belegschaft von Traxtion wird sich mehr als verdoppeln. Derzeit operiert das Unternehmen etwa 55 Lokomotiven in Ländern wie Guinea und Sambia.
Bislang erwirtschaftet Traxtion drei Viertel seines Umsatzes außerhalb Südafrikas. Die Reform des Schienengüterverkehrs und die neuen Züge werden das komplett umkehren, so Holley.
Ein Börsengang könnte in vier bis fünf Jahren auf dem Plan stehen. Vorerst prüft das Unternehmen eine weitere Investition von 2,4 Milliarden Rand (etwa 121 Millionen Euro).
Die strategischen Routen
Traxtion wird auf dem 23.000 Kilometer langen Schienennetz des Landes operieren. Besonders wichtig sind die Strecken für Kohle nach Richards Bay an der Ostküste, für Eisenerz nach Saldanha an der Westküste und für Mangan zu den Häfen in der Provinz Ostkap.
Auch die Güterverkehrsstrecke zwischen dem Hafen von Durban und der Wirtschaftsmetropole Gauteng rund um Johannesburg ist zentral für die Entwicklung.
Holley lobt die Reformbemühungen der Regierung und betont: “Dies wird die größte private Güterverkehrsinvestition in der Geschichte des Landes sein.”
Südafrika verwendet dieselbe schmale Spurweite wie Teile Brasiliens, Australiens und Neuseelands – ein Vorteil beim Import der gebrauchten Züge.
Der Erfolg privater Beteiligung hängt davon ab, ob Transnet und die Regierung sich zu Partnerschaften verpflichten, um die wichtigsten Strecken zu modernisieren. Nur so kann das Land seinen wirtschaftlichen Rückstand aufholen.



























































































































