Zwei internationale Finanz-Schwergewichte stehen vor der Tür: Wise hat die Zulassung der Zentralbank bereits in der Tasche, Revolut klopft noch an. Für Südafrikas Verbraucher könnte das günstiges Geldversenden bedeuten.
Wise macht den ersten Schritt
JHM – Der britische Geldtransfer-Spezialist Wise hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die südafrikanische Zentralbank SARB hat dem Unternehmen die bedingte Genehmigung erteilt, als Devisenhändler der Kategorie 2 zu operieren. Damit kann Wise schon bald internationale Geldüberweisungen für Privatkunden in Südafrika anbieten.
Es ist die erste regulatorische Lizenz des Londoner Unternehmens auf dem afrikanischen Kontinent. Südafrika gilt als einer der aktivsten Märkte für grenzüberschreitende Zahlungen auf dem Kontinent, wo Millionen Menschen regelmäßig Geld ins Ausland schicken – für Familie, Ausbildung oder Geschäfte.
“Südafrikaner gehören zu den digital versiertesten Verbrauchern des Kontinents, aber viele zahlen noch immer hohe Gebühren, bekommen keine transparenten Preise und erleben langsame Prozesse beim Geldversenden”, sagt Nadia Costanzo, Direktorin für Banking und Expansion bei Wise.
Was Wise anders macht
Wise wurde 2011 gegründet und hieß früher TransferWise. Das Fintech-Unternehmen hat sich auf internationale Geldtransfers spezialisiert und wickelt mittlerweile Transaktionen in dreistelliger Milliardenhöhe ab. Im Geschäftsjahr 2025 verarbeitete die Firma umgerechnet etwa 174 Milliarden Euro für rund 15,6 Millionen Kunden weltweit.
Anders als traditionelle Banken und viele Überweisungsdienste verwendet Wise den Mittelkurs – denselben Wechselkurs, den du bei Google siehst, ohne versteckte Aufschläge. Stattdessen zahlen Kunden eine kleine, transparente Gebühr, die vorab angezeigt wird.
Das Unternehmen argumentiert, dass dieses Modell Südafrikas Engagement für die G20-Roadmap zur Verbesserung grenzüberschreitender Zahlungen unterstützt. Diese globale Initiative will Überweisungen bis 2027 schneller, günstiger und transparenter machen.
Wise hat noch kein offizielles Startdatum für Südafrika bekanntgegeben, plant aber, sein vollständiges Produktportfolio anzubieten, sobald die regulatorischen Wege frei sind.
Revolut zieht nach
Fast zeitgleich hat ein weiterer Fintech-Riese aus London seine südafrikanischen Ambitionen konkretisiert. Revolut hat einen Antrag auf eine vollständige Banklizenz bei der Prudential Authority der SARB eingereicht.
Die digitale Bank, die mit wettbewerbsfähigen Devisenkursen punktet, könnte bei Genehmigung vollständige Bankdienstleistungen für Südafrikaner anbieten. Revolut bedient weltweit mehr als 65 Millionen Kunden und strebt bis Mitte 2027 die Marke von 100 Millionen Nutzern an.
Das Unternehmen hat bereits Dr. Gaby Magomola zum ersten Vorsitzenden von Revolut Südafrika ernannt. Magomola war früher CEO der African Bank und bringt über vier Jahrzehnte Erfahrung bei Citibank, Barclays und First National Bank mit.
Die Bearbeitung des Antrags dürfte zwischen 18 und 24 Monaten dauern. Bei zügiger Genehmigung könnte Revolut Ende 2026 oder Anfang 2027 in Südafrika starten.
Konkurrenzkampf im digitalen Banking
Beide Unternehmen treffen auf einen bereits umkämpften Markt. Lokale Digital-Banken wie TymeBank, Discovery Bank und Bank Zero haben in den letzten Jahren bereits erhebliche Marktanteile gewonnen. TymeBank wurde Ende 2024 auf etwa 44,7 Milliarden Rand (rund 2,4 Milliarden Euro) bewertet. Discovery Bank erreichte im September 2024 die Marke von einer Million Kunden.
Für Verbraucher könnte der verschärfte Wettbewerb niedrigere Gebühren und bessere Services bedeuten. Südafrika verfügt über einen robusten regulatorischen Rahmen, der Innovation ermöglicht und gleichzeitig Stabilität gewährleistet.
Jacques Meyer, CEO von Revolut Südafrika, gibt sich kampfeslustig: “Südafrikaner sind bereit für einen neuen Banking-Ansatz. Der Markt ist reif für Disruption, und wir sehen eine klare Chance, unsere Produktexpertise einzubringen.”
Was das für dich bedeutet
Wenn du regelmäßig Geld ins Ausland schickst oder empfängst, könnten die neuen Anbieter deutlich günstigere Alternativen zu herkömmlichen Banken bieten. Wise verspricht transparente Gebühren ohne versteckte Wechselkursaufschläge, Revolut punktet mit Multi-Asset-Produkten und niedrigen Kosten.
Die etablierten südafrikanischen Banken – Standard Bank, FirstRand, Nedbank, Absa und Investec kontrollieren fast 90 Prozent der Vermögenswerte im Bankensektor – werden sich warm anziehen müssen. Der Druck durch internationale Fintech-Konkurrenz könnte das gesamte System modernisieren.
Allerdings müssen beide Unternehmen erst das Vertrauen südafrikanischer Kunden gewinnen. Viele sind vorsichtig gegenüber neuen Anbietern, besonders bei internationalen Firmen. Lokalisierter Kundenservice und solide Sicherheitsgarantien werden entscheidend sein.


























































































































