HomePolitikEklat in Joburg: Wie Südafrika den G20-Gipfel rettete – trotz Trump-Boykott

Eklat in Joburg: Wie Südafrika den G20-Gipfel rettete – trotz Trump-Boykott

Der mächtigste Mann der Welt blieb fern, doch Johannesburg bebte trotzdem. Südafrikas G20-Gipfel endet mit überraschender Einigkeit, klaren Worten gegen Armut – und einem diplomatischen Affront der USA.

JHM – Stell dir vor, du lädst die zwanzig mächtigsten Leute der Welt zu einer Party ein, und der lauteste Gast sagt nicht nur ab, sondern beschimpft dich auch noch vor der Haustür. Genau das ist Cyril Ramaphosa an diesem Wochenende passiert. Während der US-Präsident Donald Trump den ersten G20-Gipfel auf afrikanischem Boden boykottierte, schafften es die verbliebenen Staatschefs in Johannesburg überraschenderweise, sich zusammenzuraufen.

Einigkeit aus Trotz?

Die Erwartungen waren im Keller, die Stimmung angespannt. Trump war ferngeblieben, weil er Südafrika – ohne Beweise vorzulegen – vorwirft, die Verfolgung weißer Farmer zu tolerieren. Ein harter Vorwurf, den Pretoria vehement zurückweist. Doch anstatt in Schockstarre zu verfallen, nutzte die Runde, darunter erstmals die Afrikanische Union als vollwertiges Mitglied, die Leere am amerikanischen Stuhl für Produktivität.

Das Ergebnis: Eine gemeinsame Abschlusserklärung, die es in sich hat. Kampf gegen Hunger, Besteuerung von Superreichen (zumindest als Diskussionsthema) und ein klares Bekenntnis zur Energiewende. Selbst China trug die Beschlüsse mit. „Wir müssen vorankommen. Wir können uns nicht von einem Land und dessen Launen aufhalten lassen“, kommentierte Ramaphosas Sprecher Vincent Magwenya trocken. Das saß.

Merz und die neue Weltordnung

Auch Deutschland war stark vertreten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) vertraten die europäischen Interessen am Kap. Merz reagierte auf die US-Absenz diplomatisch kühl, aber deutlich: Es sei keine gute Entscheidung der Amerikaner gewesen, aber die Welt sortiere sich eben neu – auch ohne Washington am Tisch.

Für dich als Europäer oder Expat in Südafrika ist besonders ein Punkt spannend: Es geht um Rohstoffe. Um unabhängiger von China zu werden, wollen Deutschland und die EU massiv in die Verarbeitung von seltenen Erden direkt in Afrika investieren. Das bedeutet: Mehr Wertschöpfung vor Ort, bessere Infrastruktur und langfristig vielleicht auch stabilere wirtschaftliche Verhältnisse am Kap. Ein Punkt, der Hoffnung macht.

Klimaschutz und Strom für alle

Ein weiteres dickes Brett, das gebohrt wurde, ist die Energieversorgung. Rund 600 Millionen Menschen in Afrika haben immer noch keinen Strom. Die G20-Runde, inklusive der Entwicklungsorganisation Global Citizen, feierte „ehrgeizige“ Zusagen für erneuerbare Energien. Ob das am Ende reicht, um die Klimaziele von 1,5 Grad zu halten? Das bleibt abzuwarten, denn Papier ist bekanntlich geduldig – und rechtlich bindend sind diese Erklärungen nicht.

Der finale Eklat: Hammer ohne Handschlag

Das eigentliche Drama spielte sich aber am Schluss ab. Protokollarisch übergibt der Gastgeber den Hammer der G20-Präsidentschaft an den Nachfolger. Das wären für 2026 die USA.

Das Weiße Haus forderte wohl, Ramaphosa solle das Amt an einen „Chargé d’affaires“ – also einen rangniedrigen Botschaftsmitarbeiter – übergeben. Für Südafrikas Präsidenten eine Respektlosigkeit sondergleichen. Die Antwort aus Pretoria: Nein.

„Wir werden die Präsidentschaft nicht an einen Junior-Beamten übergeben“, hieß es aus dem südafrikanischen Außenministerium. Ramaphosa beendete den Gipfel mit den Worten: „Dieser Hammer schließt nun formell diesen Gipfel und wandert zum nächsten Präsidenten.“ Kein Händedruck, kein Foto mit den Amerikanern. Nur der Hinweis: „Wir sehen uns nächstes Jahr.“

Und das wird spannend: Der G20-Gipfel 2026 findet nämlich in Trumps eigenem Golf-Resort in Miami statt. Man darf gespannt sein, ob die Welt dann wieder so geeint auftritt wie in Johannesburg.

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