Die südafrikanischen Springboks haben die Schattenseite ihrer glänzenden Bilanz ausgeglichen: Mit einem 24:13-Sieg über Irland am Samstag im Aviva Stadium haben sie ihren längsten internationalen Fluch gebrochen – den ersten Erfolg in Dublin seit 2012.
Das Schreckgespenst ist weg
Für Trainer Rassie Erasmus und sein Team war es längst überfällig. “Es war ein großer Affe auf unseren Schultern, den wir loswerden mussten”, sagte Erasmus sichtlich erleichtert nach der Partie. Wenn man sich die Bilanz anschaut, ist das verständlich: Irland hatte die Springboks in diesem Jahrzehnt dominiert. Im direkten Vergleich der letzten fünf Spiele führt Irland mit 3:2. Doch genau dieser Rekord änderte sich jetzt.
Schmutziger, aber verdient gewonnener Kampf
Der Sieg war nicht poetisch. Mit einer roten und mehreren gelben Karten war das Spiel bisweilen ein Chaos. Irland wurde zeitweise auf 12 Spieler reduziert, nachdem Lock James Ryan wegen einer gefährlichen Aktion eine 20-Minuten-Rote Karte sah. Trotz dieser Überzahl gelang es den Springboks lange nicht, ihre Dominanz in echte Punkte umzuwandeln. Die Iren zeigten beeindruckende Defensivarbeit und hielten die Partie lange spannend.
Erst zur Halbzeit hatten die Südafrikaner klar die Oberhand: Mit 19:7 lagen sie komfortabel vorne. Sie nutzen einen massiven Scrum-Vorteil und ihre körperliche Überlegenheit konsequent aus. Damian Willemse, Cobus Reinach und Sacha Feinberg-Mngomezulu schnürten ihre Versuche. Ein zusätzlicher Penalty Try besiegelte das Schicksal.
Marx räumt Preis ab – und das Schmerz-Geständnis
Ein Leckerbissen für Stat-Sammler: Hooker Malcolm Marx, gerade zum World Rugby Player of the Year 2025 gekrönt, spielte eine Kampf-Partie. Bei der Menge an Scrums war das buchstäblich knochenharte Arbeit für den Südafrikaner. “Es war hart, so viele Scrums zu spielen”, gab Marx zu, “aber das ist Test-Rugby, und wir haben wissen müssen, dass es sein würde.”
Kapitän Siya Kolisi lobte die klare Kommunikation des Trainerteams während des Spiels: “Wir wussten jederzeit, was passiert, darum konnten wir Chancen nutzen, wenn sie sich boten.”
Das Drama hätte auch anders enden können
In den letzten vier Minuten kam Irland noch einmal heran – Flyhalf Sam Prendergast verwandelte eine Strafe zum 13:24 (57. Minute). Doch die Iren schafften es nicht mehr über die Linie. Die Südafrikaner hielten stand.
Erasmus würdigte die Iren für ihren Kampfgeist: “Sie waren ebenso körperlich und hart in ihren Tackles. Sie sind eine Qualitätsmannschaft, und ehrlich gesagt sind sie nicht zweite Sieger geworden.”
Vier Siege in vier Matches
Mit dem Erfolg bleiben die Springboks auf ihrer Tour ungeschlagen. Das war bereits der vierte Sieg in Serie im November. Danach geht es für die Boks nach Wales zur finalen Partie gegen die Waliser in Cardiff – bevor die Spieler zu ihren Clubs zurück müssen. Für manche geht es nach Japan, andere spielen in der United Rugby Championship weiter.
Für Erasmus und seine Jungs ist ein großer Traum erfüllt. In 13 Jahren war Dublin eine unbequeme Wahrheit gewesen. Jetzt? Das Bier schmeckt süßer, da war sich Erasmus sicher.
Mit diesem Sieg haben die Springboks bewiesen, warum sie die Nummer eins der Welt sind – auch wenn es manchmal schmutzig sein muss, um zu gewinnen. Am Samstag, 29. November, um 19:40 Uhr warten die Waliser im Principality Stadium in Cardiff auf die Südafrikaner zur finalen Partie der Tour.


























































































































