HomePolitikRamaphosa an Kritiker: "Gebt mir ein Datum, ich trete morgen zurück"

Ramaphosa an Kritiker: “Gebt mir ein Datum, ich trete morgen zurück”

Südafrikas Präsident fordert seine Gegner im ANC offen heraus und verlangt klare Ansagen statt Hinterzimmer-Politik. Die Ansage sitzt.

Showdown in Germiston

JHM – Es war kein gewöhnlicher Bericht zur politischen Lage. Cyril Ramaphosa hat am letzten Tag der ordentlichen Sitzung des Nationalen Exekutivkomitees (NEC) des ANC in Germiston deutliche Worte gefunden. Der Präsident forderte seine innerparteilichen Kritiker direkt heraus: Wenn sie seinen Rücktritt wollen, sollen sie ihm ein Datum nennen. Er werde dann sogar morgen zurücktreten.

Die Aussage kam nicht aus heiterem Himmel. In den vergangenen Tagen kursierten Medienberichte, wonach Ramaphosa nach dem G20-Gipfel (22.-23. November in Johannesburg) sein Amt niederlegen wolle. Der Präsident machte nun unmissverständlich klar: Wenn seine Gegner im NEC seinen Rücktritt wollen, sollen sie aufhören, “in dunklen Ecken wie Feiglinge” darüber zu diskutieren.

Lifestyle-Audits für alle

In seinem Bericht ging Ramaphosa noch weiter. Mit Blick auf die laufende Madlanga-Kommission forderte er Lifestyle-Audits für alle NEC-Mitglieder. Seine Begründung: Der ANC dürfe niemals im Mafia-Stil geführt werden.

Diese Aussage hat Gewicht. Die Madlanga-Kommission untersucht seit September 2025 schwere Vorwürfe von Kriminalität, politischer Einmischung und Korruption im südafrikanischen Justizsystem. Dabei kamen explosive Details ans Licht: Verbindungen zwischen hochrangigen Polizeibeamten und organisierter Kriminalität, Schutzgeldzahlungen, sogar Spenden an Wahlkampagnen einzelner Minister.

Politischer Druck nimmt zu

Ramaphosas direkte Konfrontation zeigt, wie angespannt die Lage im ANC ist. Der Präsident steht unter Druck von verschiedenen Seiten: Die Regierung der Nationalen Einheit (GNU) mit der DA als Partner knirscht, innerparteiliche Machtkämpfe nehmen zu, und die Madlanga-Kommission fördert Unangenehmes zutage.

Die ANC-Sprecherin Nonceba Mhlauli stellte kürzlich klar, dass es keinen “Abgangsbereich” im NEC gebe. Das aktuelle Komitee, im Dezember 2022 gewählt, werde seine volle Amtszeit bis Dezember 2027 absolvieren.

G20-Gipfel als Bewährungsprobe

Der G20-Gipfel am kommenden Wochenende wird für Ramaphosa zur wichtigen Bühne. Es ist der erste G20-Gipfel auf afrikanischem Boden überhaupt. Trotz der Absage der USA unter Donald Trump und Argentiniens will Südafrika den Gipfel als Erfolg präsentieren. Ramaphosa betonte mehrfach, dass “Boykott-Politik nie funktioniert” und die Show weitergehe.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob Ramaphosas offene Konfrontation seine Position im ANC stärkt oder weitere Gegner auf den Plan ruft. Seine Botschaft war jedenfalls unmissverständlich: Wer mich loswerden will, soll offen dazu stehen – nicht im Verborgenen intrigieren.

Was bedeutet das für dich?

Wenn du in Südafrika lebst oder Geschäfte machst, solltest du die politische Entwicklung im Auge behalten. Ein möglicher Führungswechsel im ANC hätte direkte Auswirkungen auf die Stabilität der GNU und damit auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Der Rand könnte volatil reagieren, wie schon bei früheren politischen Krisen zu sehen war.

Die Madlanga-Kommission wird in den kommenden Monaten weitere Erkenntnisse liefern. Wenn sich die Korruptionsvorwürfe gegen hochrangige Polizei- und Justizbeamte bestätigen, könnte das größere Reformen nach sich ziehen – oder zu weiteren Machtkämpfen führen.

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