Nach fast 20 Jahren Stillstand kehrt Südafrikas letzte dampfbetriebene Schmalspurbahn zurück. Die legendäre Strecke zwischen George und Knysna wird wiederbelebt.
Ein Comeback nach zwei Jahrzehnten Verhandlungen
JHM – Es ist eine dieser Geschichten, bei denen viele schon nicht mehr daran glaubten. Doch jetzt ist es amtlich: Der Outeniqua Choo Tjoe dampft wieder durch die Garden Route. Transnet Rail Infrastructure Manager und die Outeniqua Choo Tjoe Company haben am Montag in George einen 25-jährigen Konzessionsvertrag unterzeichnet.
Die beliebte Dampflok fuhr zuletzt 2006, als schwere Überschwemmungen die Strecke beschädigten. Seither war die 67 Kilometer lange Verbindung zwischen George und Knysna Geschichte. Was folgte, waren fast zwei Jahrzehnte zermürbender Verhandlungen, gescheiterter Anläufe und immer wieder neuer Hoffnung.
Wiederaufbau in zwei Phasen geplant
Alan McVitty, Chef von Classic Rail und der Outeniqua Choo Tjoe Company, hat es geschafft. Sein Unternehmen sicherte sich alle nötigen Verträge und vor allem die Finanzierung. Der Wiederaufbau erfolgt in zwei Etappen: Zuerst wird die Strecke zwischen Knysna und Sedgefield instand gesetzt, danach folgt das Teilstück bis George. Phase eins soll etwa zwölf Monate dauern, die gesamte Sanierung maximal 18 Monate.
“Wir fühlen uns geehrt, mit Transnet auf dieser visionären Reise zusammenzuarbeiten”, sagt McVitty. Sein Team besteht aus Experten, die bereits das Kruger Shalati Train Hotel auf der Brücke im Krugernationalpark realisierten.
Mehr als nur Nostalgie
Für Transnet-Chefin Michelle Phillips ist der Vertrag ein Musterbeispiel für öffentlich-private Partnerschaften. “Der Outeniqua Choo Tjoe ist mehr als eine Eisenbahn. Er ist ein nationales Kulturgut”, betonte sie bei der Vertragsunterzeichnung. Die Strecke soll als erstklassiges Heritage-Erlebnis zurückkehren und der Region erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung bringen.
Die Route zählt zu den spektakulärsten weltweit. Sie schlängelt sich entlang der zerklüfteten Küste der Garden Route, passiert Victoria Bay, Wilderness und Goukamma, bevor sie über die berühmte Brücke an der Knysna Lagune führt. In den frühen 2000er Jahren transportierte der Zug jährlich 115.000 Passagiere, 70 Prozent davon internationale Touristen.
Regionale Wirtschaft profitiert
Joan Shaw, Tourismusmanagerin von George, ist begeistert: “Der Choo Tjoe war immer mehr als nur ein Zug. Er ist eine fahrende Bühne für unsere atemberaubenden Landschaften, unsere Geschichte und Gastfreundschaft.” Sie betont besonders, dass sowohl Start als auch Ziel in George liegen werden, was zusätzliche Übernachtungen in George und Wilderness verspricht.
Auch Lizl van Rooyen, die den Bahnhof Wilderness seit drei Jahren revitalisiert, sieht große Chancen für lokale Kleinunternehmen. Das Projekt soll nachhaltige Arbeitsplätze schaffen und die Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben wird großgeschrieben.
Ein Stück lebendiges Erbe
Der Outeniqua Choo Tjoe ist Südafrikas letzter regulär eingesetzter Dampfzug in Originalgröße. Meist zogen SAR-Klasse-19D-Dampflokomotiven die Waggons, gelegentlich auch SAR-Klasse-24-Maschinen. Die Strecke, 1928 fertiggestellt, wurde 1992 offiziell zur erhaltungswürdigen Eisenbahn erklärt.
Jetzt geht es erst einmal um die praktische Arbeit: Vegetation muss entfernt, Brücken begutachtet und die Gleise instand gesetzt werden. Lokomotiven werden in Gauteng repariert, Waggons in George überholt. Eine Dampfwerkstatt entlang der Strecke ist ebenfalls geplant.
Buchungen sind noch nicht möglich, aber auf www.outeniquachootjoe.com kannst du die Fortschritte verfolgen.



























































































































