HomeSportDeutscher Milliardär bringt Weltklasse-Schach-Turnier nach Südafrika

Deutscher Milliardär bringt Weltklasse-Schach-Turnier nach Südafrika

Ein deutscher Internet-Unternehmer, der jetzt in Wilderness lebt, holt die internationale Schach-Elite ans Kap. Im Dezember wird Südafrika erstmals Schauplatz eines absoluten Top-Events.

Der Mann hinter dem Mega-Event

JHM – Jan Henric Buettner hat sich in der kleinen Garden-Route-Stadt Wilderness niedergelassen und krempelt von dort aus die internationale Schach-Welt um. Gemeinsam mit dem fünffachen Weltmeister Magnus Carlsen hat der 60-jährige Deutsche die Freestyle Chess Grand Slam Tour ins Leben gerufen. Was nach einer netten Schach-Initiative klingt, ist in Wahrheit ein millionenschweres Projekt, das den Sport revolutionieren soll.

Die Tour orientiert sich am Erfolgsmodell der Formel 1 und bringt die besten 25 Spieler der Welt zusammen. Mit einem Preisgeld von 750.000 Dollar pro Event, das künftig auf eine Million Dollar steigen soll, sprengt das Format alle bisherigen Dimensionen im Schach. Zum Vergleich: Das sind die höchsten Preisgelder, die jemals in einer Schach-Tour ausgeschüttet wurden.

Vom AOL-Pionier zum Schach-Visionär

Buettners Lebensweg liest sich wie ein Wirtschafts-Thriller. 1992 gründete er den weltweit ersten Multimedia-Online-Dienst, drei Jahre später entstand daraus AOL Europa. Als er und Bertelsmann im Jahr 2000 ihre AOL-Anteile verkauften, flossen 10 Milliarden Dollar. In den folgenden Jahren investierte er über eine Milliarde Dollar in aufstrebende Tech-Firmen wie Groupon und Sonos.

Sein Vermögen setzte er auch in außergewöhnliche Immobilienprojekte um. 2006 kaufte er das 400 Jahre alte Gut Weissenhaus an der deutschen Ostseeküste und verwandelte es nach einer Investition von über 150 Millionen Dollar in ein mehrfach preisgekröntes Luxusresort. Heute lebt er hauptsächlich in Wilderness, einer Kleinstadt an der Garden Route zwischen Kapstadt und Plettenberg Bay.

Chess960 statt Standardschach

Das Besondere an der Freestyle Chess Tour: Gespielt wird nach Chess960-Regeln, auch bekannt als Fischer Random Chess. Anders als beim klassischen Schach, wo die Startaufstellung immer identisch ist, werden die Figuren in der Grundreihe zufällig angeordnet. Magnus Carlsen setzt sich seit Jahren für dieses Format ein, weil es die stundenlange Eröffnungsvorbereitung überflüssig macht und das kreative Spiel in den Vordergrund rückt.

Nach Turnieren in Weissenhaus, Paris, Karlsruhe und Las Vegas steht nun Südafrika im Terminkalender. Buettner wählte das ultra-exklusive Grootbos Private Nature Reserve als Austragungsort.

Grootbos: Luxus zwischen Fynbos und Ozean

Das Naturreservat liegt auf 3.500 Hektar nahe der Küstenstadt Hermanus, etwa zwei Autostunden von Kapstadt entfernt. Die beiden Luxuslodges bieten insgesamt 27 Suiten mit spektakulärem Blick über die Walker Bay. Grootbos ist weltweit für seine Nachhaltigkeitsprojekte bekannt und beherbergt über 740 verschiedene Pflanzenarten, darunter 100 bedrohte Spezies.

Zwischen Juni und Dezember ziehen hier regelmäßig Glattwale vorbei, die in der Bucht kalben. Die Gegend gilt als einer der besten Orte weltweit, um die Meeresriesen vom Land aus zu beobachten.

Premiere für südafrikanische Schach-Fans

Vom 8. bis 11. Dezember 2025 wird in Grootbos der erste Freestyle Chess Champion gekürt. Für Südafrika ist das eine Sensation: Zum ersten Mal können lokale Schach-Fans ein Turnier mit der absoluten Weltelite live miterleben.

Neben Carlsen werden Großmeister wie Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura, Alireza Firouzja und Ian Nepomniachtchi erwartet. Auch der aktuelle klassische Weltmeister Gukesh Dommaraju könnte dabei sein. Die Spieler kämpfen nicht nur um Preisgeld, sondern auch um Punkte in der Jahreswertung, die über die Qualifikation für künftige Turniere entscheidet.

Buettners Vision geht weit über einzelne Turniere hinaus. Er will aus den Schach-Profis erkennbare Persönlichkeiten machen, die eine jüngere Generation international begeistern können. Das Ziel: Freestyle Chess soll so kommerziell erfolgreich werden wie die ATP im Tennis, die PGA im Golf oder eben die Formel 1 im Motorsport.

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