HomeWirtschaft21 Milliarden in die Bahn gepumpt - doch die Rechnungen werfen Fragen...

21 Milliarden in die Bahn gepumpt – doch die Rechnungen werfen Fragen auf

Südafrikas Bahngesellschaft PRASA feiert Rekordinvestitionen und verdoppelte Passagierzahlen. Doch nur drei Monate nach einer Hawks-Razzia wegen Korruptionsvorwürfen klingt die Erfolgsmeldung zu glatt.

JHM – Die Passenger Rail Agency of South Africa (PRASA) verkündet einen historischen Erfolg: 21,1 Milliarden Rand (rund 1,1 Milliarden Euro) wurden im Finanzjahr 2024/25 in die Bahninfrastruktur investiert – fast doppelt so viel wie die ursprünglich geplanten 11,6 Milliarden Rand. Chef Hishaam Emeran spricht von einer “strategischen Investition in Südafrikas wirtschaftliche Zukunft”.

Die Zahlen lesen sich beeindruckend: 77 Millionen Passagiere nutzten die Züge, fast eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. 35 von 40 Strecken sind in Betrieb. 313 Bahnhöfe funktionieren wieder. 84.718 Jobs seien direkt oder indirekt entstanden. Die Gesamtleistung der Organisation liegt bei 93 Prozent, ein Sprung von 87 Prozent im Vorjahr.

Die unbequemen Details

Doch die Erfolgsstory hat Risse. Im Juli 2025 – nur drei Monate vor dieser Präsentation – durchsuchte die Hawks, Südafrikas Elitepolizei, das PRASA-Hauptquartier. Der Vorwurf: Korruption und Ausschreibungsmanipulationen im Wert von 18 Milliarden Rand. Geräte ranghoher Manager wurden beschlagnahmt. Die Ermittlungen laufen noch.

In einem anonymen Brief eines angeblichen Vorstandsmitglieds war zuvor von Luxushotels für Boardmitglieder die Rede, während die Organisation mit einem operativen Defizit von 2,5 Milliarden Rand kämpft. Ehemalige PRASA-Manager sollen laut Medienberichten nach ihrem Ausscheiden Firmen gegründet haben, die später Aufträge von PRASA erhielten. Der Auditor General hat Bedenken zur Ausschreibungspraxis geäußert.

Kein “Clean Audit” – trotz anderslautender Behauptungen

Die Behauptung einer “sauberen Prüfung nach neun Jahren” steht auf wackeligen Beinen. In parlamentarischen Anhörungen gab PRASA selbst zu, lediglich eine “qualified audit opinion” erhalten zu haben – keine uneingeschränkte Prüfung. Man sei “nicht stolz” darauf, aber es sei Fortschritt im Vergleich zu früheren Jahren. Das ist ein Unterschied: Eine qualifizierte Prüfung bedeutet, dass Prüfer Vorbehalte haben.

PRASA hat eine lange Geschichte von Korruptionsskandalen. Der Zondo-Bericht zur “State Capture” dokumentierte systematische Plünderung. Die Organisation #UniteBehind, die seit Jahren Aufklärung fordert, kritisierte 2024, dass Ermittlungen “vier Jahre zu spät” kämen und bereits “zu 90 Prozent abgeschlossen” gewesene Fälle versandet seien.

Die Zahlen stimmen – irgendwie

Die verkündeten Investitionen und Passagierzahlen scheinen real zu sein. Das Problem ist nicht, dass PRASA nichts tut, sondern wie es getan wird und zu welchem Preis. Eine Budgetüberschreitung von 82 Prozent kann zweierlei bedeuten: Entweder wurde ein ehrgeiziges Aufholprogramm durchgezogen – oder die Budgetplanung war unrealistisch, die Kostenkontrolle mangelhaft.

Immobilien als Rettungsanker?

PRASA setzt zunehmend auf sein Immobilienportfolio. Die Tochter Intersite Asset Investments erwirtschaftete 708 Millionen Rand (36,6 Millionen Euro) aus Entwicklungsprojekten – fünf Prozent über Plan. Vorzeigeprojekte wie die Mischnutzung am Kapstädter Bahnhof oder Studentenunterkünfte in Braamfontein zeigen, dass PRASA versucht, sich breiter aufzustellen. 24 Projekte im Wert von 7,8 Milliarden Rand stehen in der Pipeline.

Die Frage ist: Wird das Geld aus Immobiliengeschäften in die Bahninfrastruktur fließen – oder versickert es in undurchsichtigen Kanälen?

Große Pläne für die Zukunft

Für die kommenden Jahre plant PRASA ehrgeizige Verbesserungen: Wartezeiten auf stark frequentierten Strecken sollen von einer Stunde auf zehn Minuten sinken. Moderne Signalsysteme und bessere Gleise sollen schnellere Fahrten ermöglichen. Bis 2035 sollen 600 neue elektrische Triebzüge rollen – Zug Nummer 300 steht kurz vor der Auslieferung. Tap-and-Go-Ticketsysteme sollen den Alltag der Pendler erleichtern.

Das alles klingt gut. Aber PRASA hat in der Vergangenheit oft mehr versprochen als gehalten. Die Organisation war jahrelang ein Symbol für Misswirtschaft und Korruption. Nach dem Vandalismus-Schock von 2020 erholten sich die Dienste nur langsam.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

Südafrikas Bahnen sind in besserer Verfassung als vor fünf Jahren – das ist unbestritten. Die Passagierzahlen steigen, Züge fahren wieder, Bahnhöfe funktionieren. Aber die gleichzeitigen Korruptionsermittlungen, das operative Defizit und die qualifizierte Prüfung zeigen, dass noch viel im Argen liegt.

Emeran sagt: “Wir haben nicht nur unsere Versprechen gehalten, wir haben sie übertroffen.” Vielleicht stimmt das sogar. Aber die Frage bleibt: Zu welchem Preis – und wer profitiert wirklich davon?

RELATED ARTICLES

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here



Wechselkurs € zu Rand

Veranstaltungen

TRENDING NOW

Ein Tankstopp dauert nur wenige Minuten, kann aber teuer werden. Wir zeigen, welche Risiken an südafrikanischen Zapfsäulen bestehen und wie du sie senkst. Zahlen mit...