Ein Handelsabkommen, das fast 300 Milliarden Rand an Exporten ermöglichte, ist Geschichte. Für Südafrika bedeutet das Auslaufen von AGOA nicht nur den Verlust eines wichtigen Marktzugangs, sondern auch die Gefährdung tausender Arbeitsplätze.
JHM – Am 30. September 2025 ist der African Growth and Opportunity Act (AGOA) ausgelaufen – und mit ihm endet eine der wichtigsten Handelsverbindungen zwischen Südafrika und den USA. 25 Jahre lang konnten südafrikanische Unternehmen ihre Produkte zollfrei in den amerikanischen Markt exportieren. Jetzt ist Schluss.
Eine Viertel-Jahrhundert-Erfolgsgeschichte
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 2024 exportierte Südafrika Waren im Wert von geschätzten 71,5 Milliarden Rand (rund 3,6 Milliarden Euro) über AGOA in die USA. Das entspricht beachtlichen 46 Prozent aller südafrikanischen Exporte in die Vereinigten Staaten. Zum Vergleich: 2019 lag der Wert noch bei 31 Milliarden Rand (etwa 1,6 Milliarden Euro), 2022 waren es bereits 54 Milliarden Rand (circa 2,7 Milliarden Euro). Die Entwicklung zeigt, wie wichtig das Abkommen in den letzten Jahren geworden war.
Während seiner 25-jährigen Laufzeit wickelte Südafrika 54 Prozent aller AGOA-bezogenen Exporte in die USA ab und war damit der größte Nutznießer des Programms. Insgesamt flossen fast 300 Milliarden Rand (etwa 15 Milliarden Euro) über diesen Handelskanal.
Autoindustrie besonders hart getroffen
Die südafrikanische Fahrzeugproduktion profitierte am stärksten von AGOA. Aber auch Landwirtschaft, Bekleidungsindustrie, Chemikalien und Maschinen konnten durch den zollfreien Zugang zum US-Markt expandieren. Mit dem Wachstum dieser Branchen entstanden tausende neue Jobs. All das steht jetzt auf dem Spiel.
Trump-Zölle und politische Spannungen
Manche Wirtschaftsexperten argumentieren, dass die von der Trump-Regierung 2025 eingeführten Handelszölle AGOA ohnehin überflüssig gemacht hätten. Südafrika wurde mit einem 30-Prozent-Zoll belegt, während andere AGOA-Länder wie Nigeria, Tschad und Namibia 15 Prozent zahlen müssen. Doch das ist zu kurz gedacht.
Die Trump-Zölle sind nicht in Stein gemeißelt. Sie werden in vielen Fällen herunterverhandelt und sogar vor amerikanischen Gerichten angefochten. AGOA hingegen war ein langfristiges Abkommen, das über die aktuelle Regierung hinaus Bestand gehabt hätte. Die Trump-Regierung hat zwar Bereitschaft signalisiert, AGOA um ein weiteres Jahr zu verlängern, aber wegen des derzeitigen Stillstands der US-Regierung ist dieser Plan vom Tisch.
Südafrikas außenpolitisches Dilemma
Busisiwe Mavuso, Chefin von Business Leadership South Africa (BLSA), sieht die Lage nüchtern. Es gibt keine Garantie, dass Südafrika überhaupt in eine mögliche Verlängerung einbezogen würde. Die außenpolitischen Positionen des Landes und seine Nähe zu China und Russland haben das Vertrauen zwischen Pretoria und Washington beschädigt.
Gleichzeitig warnt Mavuso, dass Amerika mit dem Ende von AGOA riskiert, ganz Afrika in die Arme dieser Rivalen zu treiben. Schließlich hängen Jobs in beiden Ländern von dem Programm ab. Viele US-Unternehmen, die in Lieferketten mit südafrikanischen Herstellern integriert sind, werden ebenfalls unter dem Ablauf leiden.
Zeit für Plan B
Mavuso rät zur Realitätsnähe: “Während die Handelsverhandlungen mit den USA weiterlaufen und eine AGOA-Erneuerung ein Ziel bleiben sollte, müssen wir uns der Tatsache stellen, dass AGOA womöglich dauerhaft Geschichte ist.”
Südafrika muss sich neu orientieren. China geht genau den entgegengesetzten Weg wie die USA und hat allen afrikanischen Ländern, mit denen es diplomatische Beziehungen unterhält, zollfreien Zugang gewährt. Das könnte Afrikas globale Ausrichtung für die kommenden Jahrzehnte grundlegend verändern.
Auch BRICS bietet Handelschancen, ebenso wie das afrikanische Freihandelsabkommen (AfCFTA). Letzteres steht allerdings vor erheblichen Umsetzungsproblemen bei Infrastruktur und regulatorischer Harmonisierung.
Hausaufgaben machen
Neben der Suche nach neuen Märkten sollte sich Südafrika auf die Dinge konzentrieren, die es selbst in der Hand hat: Reformen. Die Verbesserungen bei Logistik, Hafeneffizienz und Güterverkehr müssen dramatisch beschleunigt werden. Das ist der naheliegendste Weg, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
“Das Ende von AGOA ist zweifellos ein Rückschlag”, sagt Mavuso. “Aber wir bleiben die Architekten unserer Zukunft.”


























































































































