Ein renommierter südafrikanischer Ökonom warnt vor einem finanziellen Kollaps. Die Zahlen hinter seiner Prognose sind erschreckend – und betreffen jeden, der in Südafrika lebt oder investiert.
JHM – Dawie Roodt nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Chefökonom der Efficient Group hat auf der jüngsten Biznews-Konferenz in Hermanus ein düsteres Bild der südafrikanischen Wirtschaft gezeichnet. Seine zentrale Botschaft: Das Land rast auf eine schwere Finanzkrise zu.
Die versteckte Wahrheit über Südafrikas Schulden
Die offizielle Staatsverschuldung liegt bei 77 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Klingt problematisch, ist aber nur die halbe Wahrheit. Roodt rechnet anders: Zählt man die Schulden der Staatsunternehmen und lokalen Behörden dazu, springt die Quote auf 85 Prozent.
Noch vor 15 Jahren konnten die meisten staatlichen Betriebe und Kommunen ihre Ausgaben ohne Kredite decken. Dann kam der systematische Niedergang. Misswirtschaft und Verschwendung haben die Schulden in die Höhe getrieben. Heute sitzt jeder Südafrikaner auf einem Schuldenberg von über 100.000 Rand (etwa 5.100 Euro) – zusätzlich zu dem, was er ohnehin weiß.
Die Gesamtverschuldung beträgt inzwischen 6,5 Billionen Rand (rund 333 Milliarden Euro). Und sie wächst jährlich um zwei bis drei Prozent des BIP weiter.
Der Staat vernichtet systematisch Kapital
Roodt spricht Klartext: “Der Staat ist der größte Kapitalvernichter des Landes.” Gemeint ist damit, dass die Regierung langfristige Kredite aufnimmt, das Geld aber für kurzfristige Ausgaben verpulvert. Statt zu investieren, wird konsumiert.
Die Kapitalbildung liegt in Südafrika bei mageren 15 Prozent des BIP. Sie müsste auf 25 Prozent steigen, damit das Land wirtschaftlich wachsen kann. Kapitalbildung bedeutet den Aufbau langlebiger Güter: Maschinen, Gebäude, Infrastruktur. Dinge, die produktiv sind und weitere Wertschöpfung ermöglichen.
Stattdessen fließt ein Großteil der ohnehin niedrigen Sparquote in die Hände eines Staates, der dieses Kapital regelrecht zerstört.
Wenn 0,4 Prozent der Bevölkerung ein Drittel der Steuern zahlt
Die Struktur der südafrikanischen Wirtschaft macht die Lage noch prekärer. Zahlen aus dem Budget 2025 zeigen das ganze Ausmaß: 7,9 Millionen Einkommensteuerzahler finanzieren 28 Millionen Menschen, die staatliche Zuschüsse erhalten.
Doch viele dieser Steuerzahler sind selbst Staatsangestellte. Insgesamt hängen etwa 30 Millionen Südafrikaner direkt vom Staat ab.
Die Haupteinnahmequelle des Staates ist die Einkommensteuer. Hier wird es grotesk: 978.140 Menschen, das sind 1,5 Prozent der Bevölkerung, zahlen 60,9 Prozent aller Einkommensteuern. Noch extremer: Nur 235.542 Südafrikaner, gerade mal 0,4 Prozent der Bevölkerung, stemmen 33 Prozent der gesamten Einkommensteuer.
Bei den Unternehmen sieht es ähnlich aus. Nur 1.051 Firmen zahlen 72,3 Prozent aller Körperschaftssteuern. Das sind Unternehmen mit einem zu versteuernden Einkommen von über 100 Millionen Rand (etwa 5,1 Millionen Euro). Sie machen 0,1 Prozent aller Firmen aus, tragen aber fast drei Viertel der Steuerlast.
Jenseits der Laffer-Kurve
Roodt ist überzeugt: Südafrika hat bei diesen beiden Steuerarten die Laffer-Kurve bereits überschritten. Das bedeutet, weitere Steuererhöhungen bringen keine zusätzlichen Einnahmen mehr. Im Gegenteil: Sie würden die Wirtschaft noch weiter abwürgen.
“Die Staatsfinanzen stecken in sehr ernsten Schwierigkeiten. Wir steuern auf eine Finanzkrise zu”, fasst der Ökonom zusammen.
Es gibt nur einen Ausweg
Für Roodt ist klar: Nur Wirtschaftswachstum kann Südafrika retten. “Es gibt nichts anderes, was wir tun können.”
Der Weg dorthin führt über drei Maßnahmen: Schutz des Privateigentums, Förderung des freien Handels und eine solide Geldpolitik. “Wenn man diese drei Dinge umsetzt, kann ich garantieren, dass die südafrikanische Wirtschaft wachsen wird”, sagt Roodt.
Ob die Politik diesen Rat befolgt, bleibt abzuwarten. Die Zeit jedenfalls läuft davon.



























































































































