Nach sieben Jahren Ermittlungen klicken die Handschellen: John Hume und fünf Komplizen stehen vor Gericht.
JHM – Pretoria wurde am Dienstag zum Schauplatz einer spektakulären Verhaftung. Der 83-jährige John Frederick Hume, bekannt als “Nashorn-Baron”, stellte sich freiwillig der Polizei und erschien mit fünf Mitangeklagten vor dem Magistratsgericht. Der Vorwurf wiegt schwer: Betrug mit 964 Nashornhörnern im Wert von 250 Millionen Rand (etwa 13 Millionen Euro).
Vom Naturschützer zum Angeklagten
Hume bezeichnete sich selbst als einen der weltgrößten Nashorn-Naturschützer. Der ehemalige Immobilienentwickler baute die weltweit größte private Nashornherde mit über 2.000 Tieren auf. Sein Plan: legal Nashornhörner nach Asien verkaufen und dabei ein Vermögen machen. Doch das internationale Handelsverbot machte ihm einen Strich durch die Rechnung.
Vor zwei Jahren musste Hume seine Herde verkaufen, nachdem er das 1974 verhängte Handelsverbot nicht kippen konnte. Jetzt sitzt er mit fünf Komplizen auf der Anklagebank – darunter zwei Anwälte, ein ehemaliger Ranch-Manager und ein Versicherungsmakler.
Das perfide System hinter dem Millionenbetrug
Die Hawks deckten ein ausgeklügeltes Betrugssystem auf, das zwischen 2017 und 2024 lief. Die Verdächtigen sicherten sich legal Genehmigungen für den heimischen Handel mit Nashornhörnern, leiteten die wertvolle Ware jedoch in illegale internationale Märkte nach Südostasien um.
Besonders perfide: Sie rekrutierten obdachlose Menschen als Strohkäufer, um den illegalen Export nach Vietnam, China und andere Länder zu verschleiern, wo Nashornhörner als Heilmittel gegen Krebs und Kater gelten oder als Statussymbol dienen.
Millionenschwerer Schwarzmarkt
Bei Razzien beschlagnahmten die Ermittler nicht nur Dokumente, sondern auch Vorräte des Betäubungsmittels M99, das zur Ruhigstellung von Nashörnern verwendet wird. Die 964 Hörner haben einen geschätzten Straßenwert von 250 Millionen Rand – das entspricht etwa 13 Millionen Euro.
Hume wurde gegen eine Kaution von 100.000 Rand (etwa 5.200 Euro) freigelassen. Ihm und seinen Komplizen drohen über 50 Anklagepunkte wegen Diebstahls, Betrugs sowie möglicher Geldwäsche und organisierter Kriminalität.
Von der Schafsarm zum Nashorn-Imperium
Humes Geschichte begann 1992 auf einer Schafsfarm am Kap und einer Rinderfarm in Simbabwe. Mit 50 Jahren kaufte er seine erste Wildranch Mauricedale am Kruger-Nationalpark. Ein Jahr später erwarb er seine ersten Nashörner und “verliebte sich in diese ikonische Art”.
13 Jahre lang züchtete er erfolgreich 143 Nashornkälber aus einer Herde von 130 südlichen Breitmaulnashörnern. 2007 schlug die Tragödie zu: Wilderer töteten sein erstes Nashorn. Die Nähe zur mosambikanischen Grenze machte seine Tiere zu leichten Zielen. 2008 verlegte er seine Ranch in die sicherere Nordwest-Provinz.
Internationale Empörung
Umweltminister Dr. Dion George bezeichnete die Festnahmen als “entscheidenden Sieg im Kampf gegen internationale Wildtierkriminalität”. Die International Rhino Foundation sprach von einem “enormen Schlag für Naturschutzmaßnahmen” und verglich die Taten mit Wirtschaftskriminalität statt gewöhnlicher Wilderei.
Besonders brisant: Der Fall wirft ein Schlaglicht auf Südafrikas Überwachungssysteme für Hornlager und Genehmigungsverfahren. In den vergangenen 15 Jahren wurden über 10.000 Nashörner von Wilderern und internationalen Syndikaten getötet.
Bedrohte Giganten
Südafrika beherbergt rund 80 Prozent der weltweiten Nashornpopulation. Trotz intensiver Schutzmaßnahmen fallen jährlich hunderte Tiere Wilderern zum Opfer. Der Fall Hume zeigt, dass die Bedrohung nicht nur von bewaffneten Wilderern ausgeht, sondern auch von organisierten Netzwerken, die das System von innen heraus unterwandern.
Die Verhaftungen markieren einen wichtigen Erfolg im Kampf gegen die organisierte Wildtierkriminalität, die zu den lukrativsten illegalen Geschäften weltweit zählt.


























































































































