Eine südafrikanische Industriestadt kämpft ums Überleben, während amerikanische Handelspolitik ihre wirtschaftliche Existenz bedroht.
Handelskrieg trifft Herzstück der Autoindustrie
JHM – Die USA ziehen die Zollschraube weiter an: Ab morgen, dem 1. August 2025, treffen südafrikanische Exporte 30 Prozent Strafzölle – zusätzlich zu den bereits im April eingeführten 25 Prozent auf Fahrzeuge und den bestehenden 10 Prozent Grundzoll. Diese drastischen Maßnahmen setzen Mercedes-Benz unter enormen Druck.
Das Werk in East London, seit 1962 das Flaggschiff der deutschen Luxusmarke in Afrika, produziert fast ausschließlich für den amerikanischen Markt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 82 Prozent weniger Fahrzeugexporte in die USA im ersten Halbjahr 2025. Statt über 16.000 Fahrzeugen wie im Vorjahr verließen nur noch 2.875 Einheiten die Fabrik Richtung Amerika.
2.400 Arbeitsplätze in Gefahr
Die Produktionsstätte am Buffalo River beschäftigt 2.400 Menschen direkt und ist einer der wenigen Standorte weltweit, die die begehrte C-Klasse für Exportmärkte fertigen. Mercedes-Benz und seine Zulieferer tragen etwa 25 Prozent zur Wirtschaftsleistung von East London bei. Bei einer Investition von über 13 Milliarden Rand (etwa 650 Millionen Euro) in die neueste C-Klasse-Produktion steht viel auf dem Spiel.
Der stellvertretende Premierminister der Provinz Eastern Cape, Mlungisi Mvoko, warnt eindringlich: “Du kannst dir East London nicht ohne Mercedes-Benz vorstellen. MBSA exportiert fast 90 Prozent ihrer Autos in die USA. Das Unternehmen hat uns mitgeteilt, dass es angesichts dieser Zölle schwierig wird.”
Dominoeffekt durch die gesamte Region
Die bereits erfolgte Produktionspause vom 24. Juni bis 31. Juli 2025 – offiziell eine geplante Wartungsperiode – gab einen Vorgeschmack auf die möglichen Folgen. Über 26 Unternehmen in der Eastern Cape mussten Kurzarbeit anmelden. Die Gewerkschaft Numsa macht deutlich: Das Mercedes-Werk ist das Herzstück einer weitreichenden Lieferkette.
Lizelle Maurice von der Border-Kei Chamber of Business sieht schwarz: “Jeder wartet mit angehaltenem Atem auf die Auswirkungen der Handelszölle. Wir hoffen, dass Mercedes-Benz andere Märkte erkundet.”
Wirtschaftliche Verwüstung droht
Die Zahlen sind alarmierend: Über 100.000 direkte Arbeitsplätze bei Automobilherstellern und ihren Zulieferern stehen auf dem Spiel, mit über 500.000 formellen Arbeitsplätzen in der gesamten Lieferkette.
Denise van Huyssteen, Chefin der Nelson Mandela Bay Handelskammer, warnt vor den Kettenreaktionen: “Das wirtschaftliche Ökosystem der Fahrzeugproduktion erstreckt sich auf alles – von Logistik über Büroausstattung bis hin zu Banken, Wartung und Sicherheit. Sogar Tourismus, Gastronomie, Immobilien und Bildung profitieren von einer starken lokalen Produktionsbasis.”
Mercedes schweigt, die Zeit drängt
Etwa 64 Prozent der südafrikanischen Exporte in die USA bestehen aus Autos und Autoteilen – die Mercedes C-Klasse aus East London gehört zu den beliebtesten Exportprodukten. Mercedes-Benz Südafrika wollte sich zu den Auswirkungen der US-Zölle nicht äußern, bestätigte aber, dass die Produktion planmäßig wieder angelaufen ist.
Für eine Region, die bereits mit hoher Arbeitslosigkeit und begrenzten wirtschaftlichen Alternativen kämpft, könnte ein Rückzug oder eine drastische Reduzierung der Mercedes-Aktivitäten eine Abwärtsspirale auslösen, von der sich East London möglicherweise nie mehr erholt.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die deutsch-südafrikanische Industriepartnerschaft dem amerikanischen Handelsdruck standhält – oder ob eine ganze Stadt den Preis für geopolitische Spannungen zahlen muss.



























































































































