HomeSüdafrikaKruger-Gemeinden wollen Wandel: 95 Prozent gegen Trophäenjagd

Kruger-Gemeinden wollen Wandel: 95 Prozent gegen Trophäenjagd

Eine neue Studie zeigt: Die Gemeinden rund um den Kruger-Nationalpark lehnen die Trophäenjagd massiv ab und bevorzugen nachhaltige Alternativen.

JHM – Eine bahnbrechende Untersuchung erschüttert ein lange gehegtes Narrativ: Die Gemeinden am Rande des Kruger-Nationalparks wollen keine Trophäenjagd mehr. Stattdessen setzen sie auf den Schutz der Wildtiere und alternative Einkommensquellen ohne Tiertötung.

Die Studie der Organisation World Animal Protection, die im Fachjournal Biological Conservation veröffentlicht wurde, befragte 1.551 Haushalte in zwölf Gemeinden. Das Ergebnis ist eindeutig und stellt die Behauptung in Frage, dass lokale Gemeinden auf die Trophäenjagd angewiesen seien.

Überwältigende Ablehnung der Jagdindustrie

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 95 Prozent der Befragten stimmen zu, dass “Wildtiere Teil unseres Erbes sind und wir sie schützen sollten”. 94 Prozent glauben, dass wilde Tiere einen inneren Wert haben und nicht für Profit getötet werden sollten. 90 Prozent erkennen das Potenzial des Naturschutzes für die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Dr. Angie Elwin von World Animal Protection erklärt: “Diese Forschung sendet ein klares Signal: Wenn man ihnen die Wahl lässt, bevorzugen die Gemeinden eine Zukunft, in der Wildtiere geschützt und respektiert werden.”

Die Forscher stellten den Teilnehmern verschiedene nachhaltige Einkommensalternativen vor:

  • Gemeinschaftliche Gemüsegärten
  • Handwerkstourismus auf Gemeindebasis
  • Ökosystemdienstleistungen
  • Kultureller Erzähltourismus
  • Digitale Tourismuslösungen
  • Biodiversitätsschutzprogramme

Die Zufriedenheitsraten für diese Alternativen lagen zwischen 80 und 98 Prozent.

Wirtschaftliche Realität zwingt zum Umdenken

Die wirtschaftliche Lage in der Region ist prekär. 68 Prozent der Haushalte sind auf staatliche Unterstützung angewiesen, nur 34 Prozent verdienen Löhne und lediglich 12 Prozent haben eine Vollzeitbeschäftigung. Diese harte Realität treibt die Unterstützung für nachhaltige Alternativen voran.

Besonders populär ist die vorgeschlagene “Löwen-Abgabe” – ein Aufschlag für internationale Touristen, der den Naturschutz finanzieren und lokale Gemeinden unterstützen würde. 85 Prozent der Befragten befürworten diese Idee.

Trophäenjagd in der Kritik

Während im Kruger-Nationalpark selbst keine Trophäenjagd erlaubt ist, findet sie in den angrenzenden privaten Naturreservaten statt, die eine offene Grenze zum Park haben. Diese Reservate wie Timbavati, Klaserie und Balule erlauben die Jagd auf Löwen, Elefanten und Leoparden – oft Tiere, die aus dem Kruger-Park herübergewechselt sind.

2023 töteten mehr als 6.000 internationale Jäger über 34.000 Tiere in Südafrika. Diese Zahlen spiegeln ein System wider, das auf Profit und Unterhaltung für eine Elite weniger basiert, nicht auf echten Naturschutz.

Neue Wege für Südafrikas Naturschutz

Die Studie kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die südafrikanische Regierung versucht derzeit, ihre National Biodiversity Economy Strategy umzusetzen, die stark auf kommerzielle und konsumptive Nutzungsformen setzt. Diese Strategie steht bereits wegen begrenzter Beteiligung der Gemeinden und unzureichender Durchsetzung von Umweltvorschriften in der Kritik.

Dr. Herbert Ntuli vom Council for Scientific and Industrial Research, einer der Studienautoren, betont: “Diese Erkenntnisse haben weitreichende Auswirkungen. Sie fordern lang gehegte Annahmen heraus und bieten Regierungen und Naturschützern einen Bauplan für ethischen und praktischen Naturschutz.”

Der Weg nach vorn

Die Forscher empfehlen die Einführung und sorgfältige Überwachung von nachhaltigen Einkommensprogrammen in ausgewählten Gemeinden. Bildungsinitiativen und Familienplanungsdienste sollen diese Bemühungen begleiten.

Mit der überwältigenden Unterstützung der lokalen Gemeinden für nachhaltige Alternativen und Wildtierschutz ergibt sich eine klare Gelegenheit, von der Trophäenjagd zu ethischeren und inklusiveren Entwicklungsmodellen überzugehen.

Südafrika hat die Chance, bei der Versöhnung von Biodiversitätsschutz und Gemeinschaftswohl weltweit vorangehen – und ein Beispiel für Naturschutzbemühungen rund um den Globus zu setzen.

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