Kapstädter Villenbesitzer laufen Sturm gegen neue Grundsteuerpläne, während der Bürgermeister um Verständnis wirbt.
Gestaffelte Erhöhungen treffen wohlhabende Viertel besonders hart
JHM – Der neue Haushaltsplan Kapstadts für 2025/26 sorgt für erhitzte Gemüter. Während die Grundsteuer allgemein um knapp 8 Prozent steigen soll, drohen Besitzern teurerer Immobilien Erhöhungen von über 20 Prozent.
In einem Interview mit CapeTalk verteidigte Bürgermeister Geordin Hill-Lewis die umstrittenen Pläne. Er verwies auf umfangreiche Infrastrukturinvestitionen, zusätzliche Polizeikräfte, verbesserte Reinigungsdienste und Entlastungen bei den Strompreisen.
“Die Erhöhungen für wertvollere Immobilien fallen tatsächlich größer aus als üblich”, räumte er ein. “Das ist leider notwendig, um all diese Vorhaben solide zu finanzieren.”
Der Protest der Betroffenen sei nicht zu überhören gewesen, so Hill-Lewis. Besonders Eigentümer von Häusern mit einem Wert ab 4 Millionen Rand (etwa 200.000 Euro) hätten sich massiv beschwert. Etwa 40.000 Haushalte fallen in die Kategorie zwischen 4 und 7 Millionen Rand – bei insgesamt über einer Million steuerpflichtiger Immobilien.
Für Häuser über 7 Millionen Rand könnten die Erhöhungen sogar 20 Prozent übersteigen. Die “überwältigende Mehrheit” der Haushalte müsse jedoch nur mit “sehr vernünftigen einstelligen Steigerungen” rechnen, betonte der Bürgermeister.
Eigentümer von Immobilien zwischen 1 und 1,5 Millionen Rand könnten sogar mit Senkungen rechnen, während Besitzer von Häusern im Wert zwischen 2,5 und 4 Millionen Rand leichte zweistellige Erhöhungen verkraften müssten.
“Ich kann mir das nicht leisten”
Die Betroffenen reagieren empört. Ein Eigentümer mit 25-prozentiger Erhöhung für sein 200.000-Euro-Haus:
“Mich interessiert nicht, dass ich weniger als in Johannesburg zahle. Mich interessiert meine monatliche Rechnung – und die steigt um 25 Prozent!”
Hill-Lewis argumentierte, Kapstadt sei nach wie vor “eine funktionierende Stadt zu den niedrigsten Kosten im Land”, während anderswo Dienstleistungen zusammenbrächen.
Viele empfinden die Erhöhungen als unzumutbar. Einige kauften ihre Häuser vor langer Zeit und haben nicht genug Einkommen für solche drastischen Erhöhungen.
“Egal wie gut die Dienstleistungen sind… ich kann mir diese Erhöhung einfach nicht leisten”, klagte ein Anwohner.
Hill-Lewis räumte ein: “Nicht jeder mit Immobilien zwischen 200.000 und 350.000 Euro ist wohlhabend.”
Milliardeninvestitionen nötig
Die Stadt argumentiert, die Erhöhungen seien für wichtige Verbesserungen unumgänglich.
Hill-Lewis verwies auf bessere Dienstleistungen wie sauberere Strände, regelmäßige Reinigung von Wasserläufen und mehr Reinigungsinitiativen.
Der Etat finanziert zudem 500 zusätzliche Polizeibeamte – eine “enorm teure Maßnahme” für mehr Sicherheit.
Geplant sind Infrastrukturinvestitionen von 39,7 Milliarden Rand (rund 2 Milliarden Euro) über drei Jahre für Wassersysteme, Verkehr und Abwasser.
“Diese teuren Projekte müssen finanziert werden, um einen Infrastrukturkollaps zu vermeiden”, warnte er.
Zusätzlich wurden nationale Zuschüsse um 2,5 Milliarden Rand (125 Millionen Euro) gekürzt.
Der Haushalt nutzt ein Quersubventionierungsmodell: Wertvollere Immobilien zahlen mehr, um ärmere Familien in Immobilien unter 2,5 Millionen Rand (125.000 Euro) zu entlasten.
Hill-Lewis begründete dies mit Vorgaben des Finanzministeriums, dass kommunale Dienstleistungen selbsttragend sein müssen.
Er lehnte Pauschalgebühren für Dienstleistungen ab, da ein Viertel der steuerpflichtigen Häuser unter 1 Million Rand (50.000 Euro) liegen und viele Bewohner informeller Siedlungen nicht erfasst sind.
Entlastung in Planung
Die Stadt hat mehrere Entlastungsmaßnahmen vorgeschlagen.
Dazu zählen niedrigere Reinigungsgebühren für Häuser zwischen 4 und 7 Millionen Rand (200.000-350.000 Euro), zusätzliche Rabatte und die Erhöhung des Rentnerfreibetrags von 22.000 auf 27.000 Rand (1.100 auf 1.350 Euro).
Diese “abfedernden Maßnahmen” sollen die monatlichen Erhöhungen um “mehrere hundert Rand” (ca. 15-25 Euro) reduzieren – statt einem Anstieg von rund 1.000 Rand (50 Euro).
Trotzdem bleiben Bedenken wegen der Bezahlbarkeit und möglicher Zahlungsausfälle.
Trotz des politischen Risikos vor den Kommunalwahlen bekräftigte Hill-Lewis: “Ich werde keine unverantwortlichen Entscheidungen treffen, die unseren Erfolg gefährden.”
Sein Ziel: Die nötigen Investitionen tätigen, um “Kapstadts Funktionsfähigkeit und Wohlstand zu sichern.”


























































































































