HomeWirtschaftSüdafrikas Autohersteller kämpfen gegen chinesische Konkurrenz

Südafrikas Autohersteller kämpfen gegen chinesische Konkurrenz

BMW und Toyota warnen vor Deindustrialisierung – Regierung soll mit Fördermaßnahmen gegensteuern

JHM – Die südafrikanische Automobilindustrie steht vor einer existenziellen Herausforderung: Eine Flut günstiger chinesischer Fahrzeuge bedroht die lokale Produktion. Nun schmieden die etablierten Hersteller einen ambitionierten Plan zur Rettung des Industriezweigs.

“Wir müssen jetzt handeln”, mahnt Peter van Binsbergen, CEO von BMW Südafrika, in einem wegweisenden Interview mit Business Live. Der Automobilmanager enthüllt eine innovative Strategie: Die Umwandlung ungenutzter Importzoll-Gutschriften in Bargeld soll die Produktionskosten senken und heimische Fahrzeuge wettbewerbsfähiger machen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 2018 ist der Marktanteil lokal gefertigter Fahrzeuge von 46 auf 43 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum schnellte der kombinierte Marktanteil indischer und chinesischer Marken von 18 auf beeindruckende 37 Prozent empor. Besonders alarmierend: Allein die Zahl importierter chinesischer Autos stieg von 11.000 Einheiten im Jahr 2019 auf 39.000 im Jahr 2023.

Während Marken wie Haval und Chery monatlich jeweils über 1.500 Fahrzeuge absetzen, kämpfen europäische Hersteller mit stagnierenden Verkaufszahlen – bei gleichzeitig drastisch steigenden Preisen. Ein Beispiel: Der Mercedes-Benz A-Class verteuerte sich von 585.960 Rand (etwa 28.500 €) im Jahr 2021 auf 826.024 Rand (etwa 40.200 €) in 2024 – ein Anstieg von 41 Prozent.

Toyota-Südafrika-Chef Andrew Kirby warnt vor den Folgen dieser Entwicklung: “Wettbewerb ist grundsätzlich willkommen, aber die aktuelle Situation schafft ungleiche Bedingungen.” Er verweist auf großzügige staatliche Subventionen in China, die aggressive Preisstrategien ermöglichen.

Die Branche setzt nun auf Unterstützung durch Handelsminister Park Tau. Neben der Umwandlung von Zollgutschriften fordern die Hersteller auch eine Anpassung der Automobilpolitik an die Elektromobilität. Präsident Cyril Ramaphosa hatte bereits im Oktober eine Ausweitung der EV-Förderung in Aussicht gestellt – allerdings bleiben die Details bislang unklar.

“Die Zukunft der südafrikanischen Automobilindustrie steht auf dem Spiel”, betont van Binsbergen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Regierung die Weichen für eine wettbewerbsfähige lokale Produktion stellen kann.

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