Die noch junge Regierung der nationalen Einheit (GNU) in Südafrika erweist sich als überraschender Erfolgsfall. Eine aktuelle Umfrage zeigt einen deutlichen Vertrauensvorschuss der Bevölkerung in das ungewöhnliche Regierungsbündnis, während radikale Oppositionsparteien an Boden verlieren.
Moderate Kräfte im Aufwind
JHM – Eine neue, umfassende Erhebung des Institute for Race Relations (IRR) zeichnet ein eindeutiges Bild der politischen Stimmung. Die Partner der Einheitsregierung – der regierende African National Congress (ANC), die Democratic Alliance (DA), die Inkatha Freedom Party (IFP) sowie kleinere Parteien wie die Patriotic Alliance und die Freedom Front Plus – verzeichnen allesamt Zuwächse.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung bei der DA. “Die anfänglichen Befürchtungen, dass ein Viertel der DA-Wähler der Partei den Rücken kehren würde, haben sich als unbegründet erwiesen”, erklärt Hermann Pretorius, Leiter der strategischen Kommunikation beim IRR. “Im Gegenteil: Die Wähler honorieren den konstruktiven Ansatz der Partei.”
Opposition in der Krise
Dagegen müssen ausgerechnet die lautstarken Kritiker der GNU herbe Verluste einstecken. Die Economic Freedom Fighters (EFF) unter Julius Malema, einst selbsternannte Stimme der Unterdrückten, fallen von 10% auf magere 7%. “Elvis ist wieder auf Tour gegangen”, kommentiert Pretorius süffisant den Bedeutungsverlust Malemas nach Zumas Rückkehr in die Politik.
Die Probleme der EFF haben dabei hausgemachte Ursachen. “Die Entlassung zahlreicher Führungskräfte wegen nicht gefüllter Busse bei Parteiveranstaltungen war strategisch unklug”, analysiert Pretorius. “Jeder dieser Funktionäre brachte seine eigene Wählerbasis mit – ein Jahr vor den Wahlen ein fataler Fehler.”
Auch Jacob Zumas uMkhonto weSizwe Party (MKP) schwächelt. Von ursprünglich 15% ist die Unterstützung auf 12% geschrumpelt. “Die MKP war als Wahlkampforganisation erfolgreich, aber eine echte Partei braucht funktionierende Strukturen zwischen den Wahlen”, erklärt Pretorius. Zwar arbeite man nun am Aufbau, aber derzeit trage vor allem Zumas Persönlichkeit die Partei.
Klares Votum für pragmatische Politik
Die Umfrage, die unter 604 registrierten Wählern durchgeführt wurde, offenbart auch klare Präferenzen in der Bevölkerung. Eine deutliche Mehrheit von 52% bevorzugt eine GNU mit DA und IFP als Hauptpartner des ANC. Nur 27% würden eine Koalition mit MKP und EFF favorisieren.
Bemerkenswert sind auch die wirtschaftspolitischen Präferenzen: 83% der Befragten wünschen sich einen klaren Fokus auf Arbeitsplätze statt weiterer Sozialleistungen. Bei Stellenbesetzungen befürworten 53% einen qualifikationsbasierten Ansatz mit gezielten Fördermaßnahmen für benachteiligte Gruppen. Nur 20% sprechen sich für eine strikte Bevorzugung schwarzer Bewerber aus.
Perspektiven für die Zukunft
Für den ANC könnte diese Stimmungslage eine Chance bedeuten. “Die Partei steht vor der Wahl”, analysiert Pretorius. “Entweder sie verfolgt weiter ihre marxistisch geprägte Politik der Rassenungleichheit, oder sie kehrt zu ihrem pragmatischeren Ansatz der Jahre 1994 bis 2004 zurück.”
Die Aussichten für die GNU sind dabei nicht schlecht: Zwei Drittel der Befragten erwarten, dass das Bündnis bis zur nächsten Wahl 2029 Bestand haben wird. Die Umfrage hat zwar eine Fehlermarge von 5%, zeigt aber einen klaren Trend: Der Weg zur politischen Relevanz führt in Südafrika zunehmend über konstruktive Zusammenarbeit statt radikaler Opposition.
Die Umfrage wurde im September und Oktober telefonisch registrierten, demographisch repräsentativen Wählern durchgeführt.


























































































































