Wednesday, July 17, 2024
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Südafrikaner wenden sich von staatlichen Dienstleistungen ab und dem Privatsektor zu

Die südafrikanische Bevölkerung verliert zunehmend das Vertrauen in staatliche Dienstleistungen. Immer mehr Menschen suchen nach privaten Alternativen, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

JHM – In den letzten Jahren ist in Südafrika ein deutlicher Trend zu beobachten. Die Bürger wenden sich vermehrt von staatlichen Dienstleistungen ab. Betroffen sind vor allem die Bereiche Bildung, Stromversorgung, Polizei und öffentlicher Wohnungsbau.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Qualität und Verfügbarkeit der öffentlichen Dienste haben stark nachgelassen. Viele Südafrikaner sehen sich gezwungen, nach privaten Lösungen zu suchen. Diese bieten oft Leistungen an, die mit denen des Staates vergleichbar sind.

Besonders deutlich wird dieser Trend bei der Stromversorgung durch das staatliche Unternehmen Eskom. Dessen Stromproduktion ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut TIPS sank die Stromproduktion von Eskom zwischen dem ersten Quartal 2020 und dem ersten Quartal 2024 um durchschnittlich 0,7% pro Quartal oder 2,7% pro Jahr.

Doch auch in anderen Bereichen ist ein Rückgang der Nutzung staatlicher Dienste zu verzeichnen. Eine Studie von Stats SA zeigt, dass immer weniger Südafrikaner auf öffentliche Verkehrsmittel, Kliniken und andere staatliche Einrichtungen zurückgreifen. Als Gründe werden mangelnder Zugang, fehlendes Vertrauen und Korruptionserfahrungen genannt.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sieht in dieser Entwicklung eine Folge der sinkenden Qualität öffentlicher Dienstleistungen. Korruption und Inkompetenz hätten die Leistungsfähigkeit des Staates untergraben. Gleichzeitig stünden dem öffentlichen Sektor immer weniger Mittel zur Verfügung.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, schlägt PwC ein neues Modell der Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor vor. In diesem “Public-Private-Collaboration-Modell” sollen beide Seiten gemeinsam die Finanzierung und Kontrolle über die entstehenden Vermögenswerte übernehmen. So könne der Staat seiner Aufgabe der Daseinsvorsorge nachkommen und private Unternehmen erhielten die nötige Legitimität.

Doch der Governance-Experte Dr. Harlan Cloete gibt zu bedenken, dass es nicht ausreiche, den Staat einfach mit mehr Ressourcen auszustatten und die Mitarbeiter besser zu qualifizieren. Das eigentliche Problem sei das toxische, von Korruption geprägte Arbeitsumfeld in den staatlichen Institutionen. Dieses mache die Mitarbeiter weniger produktiv und die Dienstleistungen ineffizient. In manchen Fällen seien schlicht die falschen Leute angestellt, die trotz Weiterbildung keine gute Leistung erbringen könnten.

Es bleibt abzuwarten, ob das vorgeschlagene Kooperationsmodell die erhoffte Trendwende bringen kann. Sicher ist, dass dringend Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Vertrauen der Bürger in den Staat wiederherzustellen und eine zuverlässige Daseinsvorsorge zu gewährleisten.

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