Saturday, January 28, 2023
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HomeKulturDocumenta fifteen in Kassel: Ein Gespräch mit einem südafrikanischen Künstlerkollektiv

Documenta fifteen in Kassel: Ein Gespräch mit einem südafrikanischen Künstlerkollektiv

Ihre Arbeiten gehen von alltäglichen schwarzen Praktiken aus, die historisch entweder übersehen oder als unbedeutend erachtet wurden. Sie regen zu einer Neubeobachtung und Neubewertung des Alltäglichen im städtischen Leben Südafrikas an. Auf der documenta fifteen zeigen sie eine Arbeit zum Thema Räumlichkeit: Wie wir den Raum beeinflussen, wie der Raum uns beeinflusst.

KapExpress sprach mit MAKEYOULOOK , Nare Mokgotho und Molemo Moiloa. Die Fragen stellte Bernd Häfner unser Korrespondent aus Kassel und Jeffreys Bay.

KapExpress: Wie viele Mitglieder hat ihr Kollektiv?
Molemo Moiloa: Nur wir beide bilden das Kollektiv.

KapExpress: Können Sie mit etwas über Ihren Werdegang erzählen?
Nare Mokgotho: Wir haben beide Kunst und visuelle Kommunikation studiert. Nach dem Abschluss sind wir beide in „normale“ Arbeitsverhältnisse eingestiegen. Molemo ist in die Werbung als Kreativdirektor gegangen und ich arbeite in NPO-Organisationen im Kunstbereich. In diesen Arbeitsverhältnissen sind wir bis heute tätig. Seit 13 Jahren treffen wir uns jeden Donnerstag zur künstlerischen Arbeit. So sind wir in unserer Kunst unabhängig, praktizieren in unserem eigenen Rhythmus, so wie wir es wollen, denn wir müssen kein Einkommen daraus generieren.

KapExpress: Gibt es Schwerpunkte ihrer Arbeit:
Molemo Moiloa: Ja, die gibt es. Die letzten 5 Jahre beschäftigen wir uns mit Forschungen zur Landnutzung in ihrer historischen Entwicklung und unsere Documenta-Installation ist aus diesem Rahmen heraus entwickelt.
Darüber hinaus Beschäftigen wir uns mit der Entwicklung neuer Visualisierungstechniken.

KapExpress: Wer hat sie zur documenta fiftheen eingeladen und wann haben sie entschieden, was sie zeigen wollen?
Molemo Moiloa: Wir wurden eingeladen von Gertrude Flentge und Lara Khaldi vom künstlerischen Team der documenta. Mit Laura sind wir seit 5 Jahren befreundet. Wir haben uns bei einer Präsentation in New York kennengelernt. Gertrude kennen wir erst seit kurzem. Unsere documenta-Installation ist Teil unserer Forschung zum Thema historische Landnutzung, das wir seit 5 Jahren bearbeiten. Die Vorarbeit für unsere Installation hat etwa 3 Monate gedauert. Der Aufbau konnte in zwei Wochen abgeschlossen werden.

KapExpress: Ihre Installation hier in Kassel befindet sich innerhalb eines ehemaligen Hotels (Foto: Frank Sperling). Arbeiten sie auch im Außenbereich?
Nare Mokgotho: Unsere früheren Arbeiten waren ausschließlich im öffentlichen Raum. Aktuell bauen wir Nutzgärten auf der Grundlage indiganer Techniken für die schwarze Bevölkerung in Südafrika. Öffentlicher Raum und privater Raum halten sich in etwa die Waage. Es gibt darüber hinaus Projekte die weltweit verteilt sind.

KapExpress: Verkaufen Sie ihre Kunst und wie geschieht dies?
Molemo Moiloa: Das wäre nicht einfach. Nein, das geschieht nicht. Wir sind dankbar dafür, dass wir unabhängige Künstler sein können.

KapExpress: Konnten sie inzwischen Kassel kennenlernen, oder andere Teile Deutschlands und wie lange werden sie in Kassel sein?
Molemo Moiloa: Seit Mitte April arbeiten wir hier an unserem Projekt und pendeln bis Mitte September zwischen Berlin und Kassel. Von der Stadt haben wir bereits einiges kennengelernt durch die Menschen die hier beim Bau der Installation mitgeholfen haben. Auch den Stadtteil „Forstfeld“ haben wir uns angesehen, als ein Beispiel einer Gartenstadt. Wir waren in einigen öffentlichen Veranstaltungen und haben Parks und Gärten der Stadt gesehen. Wir hatten ein Künstlergespräch in der „Neuen Brüderkirche“ und haben landwirtschaftliche Betriebe besucht.

KapExpress: Gibt es etwas, was sie unseren Lesern in Südafrika von Kassel aus mitteilen möchten?
Nare Mokgotho: Da gibt es etwas Erstaunliches zu sagen. Es ist bemerkenswert wie viele Menschen unsere Installation besuchen. Sie sind weit entfernt von Südafrika und können dennoch beim Besuch der Ausstellung intensiv fühlen, was unsere Intentsion ist. Ich hatte ein Erlebnis auf dem Kassel Bahnhof Wilhelmshöhe. Ich war im Gespräch mit einer Person, als eine Frau mich ansprach. Sie war aus Kassel und hatte unser Installation gesehen. Als ich erklärte, das ich zu diesem Kollektiv gehöre, wurde sie sehr aufgeregt und ihre Augen strahlten. Sie zog ihr Telefon aus der Tasche und zeigte mir ein Video mit vielen lautstarken Schulkindern, die unseren Ausstellungsraum betraten. Als der Ton begann wurden sie plötzlich still und die Kinder lagen auf dem Boden und lauschten den Klängen.

KapExpress: Werden ihre zukünftigen Arbeiten von dieser documenta-Teilnahme beeinflusst werden?
Molemo Moiloa: Ja. Wir haben bisher als zweier Kollektiv allein gearbeitet. Hier treffen wir andere Künstler, die an ähnlichen Themen wie wir arbeiten und mit ähnlichen oder ganz anderen Techniken arbeiten. Dies ist in jedem Fall förderlich, auch für unsere Entwicklung.
Nare Mokgotho: Wir haben hier Zeit und Raum und Ressourcen um darüber nachzudenken, wie wir unsere Arbeit tun möchten und wir haben dabei sehr viel gelernt. Die documenta ist eine Möglichkeit uns schneller voranzubringen. Ich möchte noch etwas wichtiges sagen: Wir haben unser verfügbares Budget geteilt und werden damit einige Künstler dieser documenta, die sich mit ähnlichen Themen wie wir beschäftigen, im November nach Johannesburg einladen um dort eine Weile gemeinsam zu arbeiten.

KapExpress: Herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Foto: Bernd Häfner  – Sie nennen sich MAKEYOULOOK und sind zwei Künstler aus Johannesburg: Nare Mokgotho und Molemo Moiloa.

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