Saturday, January 28, 2023
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Risiko sozialer Unruhen nie größer

Corona in Südafrika: 
Risiko sozialer Unruhen nie größer

Das Land am Kap wird schwer von der Corona-Pandemie getroffen. Die Kreditwürdigkeit sinkt auf "Ramsch"-Niveau, internationale Investoren ziehen Gelder ab und in der Bevölkerung, die ohnehin mit HIV und Tuberkolose zu kämpfen hat, wächst die Unruhe. Im Interview erklärt ein Finanzexperte die Situation.

Uta Lehmann, HSS – Seit dem 27. März 2020 gilt eine 21-tägige umfangreiche Ausgangssperre (siehe Bericht vom 09.4.2020) im Land. Mit dem “Lockdown” reagierte Südafrika frühzeitig auf die Corona-Pandemie. Die umfangreichen Maßnahmen haben das öffentliche Leben und die südafrikanische Wirtschaft größtenteils zum Erliegen gebracht. In seiner Rede vom 22. April 2020 hat Präsident Cyril Ramaphosa ein 25 Milliarden-schweres Konjunkturpaket angekündigt (10 % des BIP), um das wirtschaftliche Überleben Südafrikas und seiner Bewohner zu sichern.

Welchen – auch langfristigen – Einfluss haben Covid-19 und die Lockdown-Maßnahmen auf die Wirtschaft des Landes und wie ist das umfangreiche Rettungspaket zu bewerten? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, sprach die Hanns-Seidel-Stiftung Südafrika mit Nathaniel Micklem, Portfolio Manager bei Ninety One, einem weltweit agierenden Vermögensverwalter.

HSS: Herr Micklem, welchen Einfluss hat COVID-19 auf die wirtschaftliche Entwicklung weltweit?
 
Nathaniel Micklem: Die COVID-19 Pandemie ist eine sich immer weiter entfaltende Tragödie, die in kurzer Zeit weltweit eine große Zahl an Menschenleben gefordert hat und deren volles Ausmaß wahrscheinlich erst in den kommenden Monaten deutlich werden wird. COVID-19 wird unsere Art zu leben, zu arbeiten sowie miteinander und mit unserer Umwelt zu interagieren nachhaltig beeinflussen. Die Ausbreitung und der Versuch der Eindämmung des Virus haben die Weltwirtschaft in eine Rezession gestürzt, wie es sie bisher nicht gegeben hat.
Wirtschaftliche Rezessionen (z.B. die globale Finanzkrise von 2008) führten im Durchschnitt zu einer Verringerung des BIP um etwa 5%. Die Folgen für die Volkswirtschaften sind immens, da viele Länder in Schuldenfallen geraten, Unternehmen geschlossen und liquidiert werden und Menschen in großem Umfang Arbeitsplätze und Einkommen verlieren. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Rezession in Folge der COVID-19 Krise durch die weitgehende Einstellung des nationalen und internationalen Handels sowie der Mobilität noch viel schlimmer auswirken wird und wir möglicherweise einen weltweiten Rückgang des BIP um 7% – 10% erleben werden. Verschiedene Regierungen versuchen bereits, die negativen Folgen durch Konjunkturprogramme für ihre Wirtschaften zu mildern. Dies wird zwar in den kommenden Wochen hilfreich sein, es ist jedoch fraglich, ob dies angesichts der engen Verflechtung der Weltwirtschaft auf lange Zeit ausreichend sein wird.

HSS: Welche kurzfristigen Folgen hat COVID-19 auf die Wirtschaft Südafrikas?


Diese Krise hat die südafrikanische Wirtschaft zu einem sehr prekären Zeitpunkt getroffen. Die Staatsverschuldung liegt bei über 70% des BIP, die ­­­­­Zinsen auf die Schulden sind sehr hoch. Dennoch hat die Regierung der Rettung von Menschenleben Priorität eingeräumt und eine weitgehende Lahmlegung der Wirtschaft in Form eines “Lockdowns” angeordnet. Fast alle Unternehmen waren gezwungen zu schließen. Trotz der finanziellen Unterstützung durch die Regierung und finanzieller Spielräume, die die Banken Unternehmen eingeräumt haben, werden viele die Krise nicht überstehen. Selbst die großen und mittleren Unternehmen, die überleben, werden wahrscheinlich Arbeitsplätze abbauen müssen. Das bedeutet einen Anstieg der Arbeitslosigkeit und infolgedessen geringere Umsätze für die Unternehmen – ein wirtschaftlicher Teufelskreis. Die Kosten für Kredite werden für die Regierung und Unternehmen voraussichtlich um ca. 4% steigen: Gleichzeitig wird die Schwäche des südafrikanischen Rands (25% Abfall auf derzeit 20,28 Rand zum Euro) zu einer Verteuerung von Importen führen, trotz des aktuell niedrigen Ölpreises.


HSS: Und langfristig?

 

Lesen Sie weiter: Hanns Seidel Stiftung

 

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