Wednesday, March 22, 2023
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Tourismus in Südafrika: Die fetten Jahre sind vorbei

Viele Jahre lief alles bestens. Mit dem Ende der Apartheid wurde Südafrika zum Liebling der Touristen. Jährlich wurden steigende Besucherzahlen und Umsätze euphorisch gefeiert.

Ludger Pooth –Nun ist die Stimmung gedämpft. Zu viele schlechte Nachrichten aus Südafrika. Verschreckte Touristen suchen sich andere Urlaubsziele. Südafrika läuft in Gefahr, den Status als Top Reiseziel in Afrika zu verlieren.

Es begann 2015 mit der Regulierungswut des inkompetenten Innenministers Gigaba, dessen Name und er selbst heute keine Rolle mehr spielt: Geburtsurkunden, beglaubigte Kopien, Genehmigungen und viele Stempel: Wer mit Kindern nach Südafrika reist, muss sich auf einen bürokratischen Kraftakt einstellen. Stress bereits vor Urlaubsbeginn für Familien mit Reiseziel Südafrika. Nach internationaler Entrüstung sollen die Bestimmungen nun gelockert werden.

Auch das schwache Wirtschaftswachstums, gepaart mit steigenden Preisen und erhöhter Mehrwertsteuer, setzt der Tourismusbranche zu. Südafrika ist teuer geworden, das Preis-Leistungsverhältnis angekratzt. Touristen mit einem festen Budget ohne spezifisches Reiseziel ziehen andere Länder Südafrika vor. Spitzenreiter sind derzeit Ägypten, die Türkei und Äthiopien. Besonders für Europäer, kürzere Flugzeiten und günstige Angebote.

Dann, seit 2015 drei Trockenperioden, die besonders Kapstadt und die Westkap-Provinz hart trafen. Als erste Küstenstadt der Welt drohte Kapstadt das Wasser auszugehen. Berichte über eine nahende Apokalypse füllten die Medien weltweit. Tägliche Wasserbeschränkungen, Hotels mit leeren Swimmingpools, Badewannen ohne Stöpsel und Eimer zum Duschen sind keine gute Werbung. Doch die von Stadtverwaltung und Provinzialregierung mit Elan gestartete Kampagne zum Wassersparen war erfolgreich, der rechtzeitig einsetzende Winterregen half dabei. Dennoch gelten weiterhin Wasserbeschränkungen, wenngleich gelockert.

Mittlerweile haben die Kapstädter den täglichen Wasserverbrauch um 60 Prozent reduziert. Für Experten gilt das weltweit als beispiellos. Bemerkenswerter da die Kapstädter noch vor einigen Jahren im Schnitt täglich 235 Litern Wasser pro Person verbrauchten, mehr als der weltweite Durchschnitt von 160 Litern pro Person.

Stadt und Provinz haben ihre Lektion gelernt: Nicht mehr einfach auf den Regen warten, besser die Wasserversorgung in den nächsten fünf Jahre auf eine breitere Grundlage stellen. Bereits in den nächsten zwei Jahren werden ca. 250 Millionen Euro in alternative Wasserressourcen investiert, zum Beispiel Entsalzung von Meerwasser, Bohrungen nach Grundwasser, Aufbereiten von Abwasser, Modernisierung veralteter und leckender Wasserleitungen.

Schließlich die Stromkrise, ein hausgemachtes Monster das die Nation bereits seit 2008 bis heute quält, das Land lahmlegt und der südafrikanischen Wirtschaft Milliarden Verluste kostet. Allein bei den jüngsten Stromabschaltungen im Februar/März dieses Jahres verlor die südafrikanische Wirtschaft nach Angaben von Verbänden und Medien zwischen 1 und 4 Milliarden Rand pro Tag, je nach Häufigkeit und und Dauer der Abschaltung. Loadshedding, zu Deutsch Entlastung des Stromnetzes heißt das in Südafrika.

In den verrgangenen Jahren stiegen die Stromtarife drastisch, im Schnitt jährlich 25 Prozent. Bevölkerung, Wirtschaft, Handel und Gewerbe sind die Leidtragenden. Ebenso die Touristen. Sie merken, alles ist teurer. Die alte Regel für Südafrika „value for money“ das Preisleistungsverhältnis gilt nicht mehr unbedingt.

Die südafrikanische ANC Regierung hat nicht erkannt oder ignoriert, das 1994 nach Ende der Apartheid das Land vor einem einem Aufschwung stand, die Wirtschaft und Bevölkerung wachsen, mehr Einwanderer, Besucher und Touristen nach Südafrika kommen werden. Weitsichtige Planungen für eine effiziente Wasser- und Stromversorgung gab es jedoch nicht.

Das staatliche Unternehmen ESKOM (gegründet 1922) hat das Monopol zur Stromerzeugung. Ausschließlich erzeugt aus Kohle in den Meilern im Norden Südafrikas. Stets wurde der Strompreis so niedrig gehalten, wie in kaum einem anderen Land der Welt. Die Politik: Bergbau-Konzernen Anreize zu schaffen. Der Verkauf von Strom lohnte sich daher nicht. Alternative Energien wie Solar, Photovoltaik, Wind, Biogas waren kein Thema. Gleichwohl Südafrika reichlich Ressourcen zu deren Nutzbarkeit hat und internationale Anbieter bereits in den 90er Jahren diese Technologien anboten. An neue Kraftwerke, welcher Art auch immer, dachte keiner.

Nur Jacob Zuma, Präsident von Südafrika 2009 bis 2018. Der bestellte während seiner chaotisch-korrupten Amtszeit ohne Beschluß des südafrikanischen Parlaments acht Atomkraftwerke beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Hohe Gerichtshof in Kapstadt kippte den Deal.

Zumas Amtszeit war beinahe vernichtend für Südafrika, in jeder Regierungsdisziplin. Internationale Medien berichteten täglich von der korrupten Übernahme seines Heimatlandes mit Hilfe der kriminellen indischen Gupta Familie sowie perfider Vettern- Partei- und Günstlingswirtschaft. ESKOM, personell übersetzt und schlampig gewartet, mutierte zum Selbsbedienungsladen für korrupte Ausschreibungen. Zwei zusätzlich hastig gebaute Kohlemeiler haben Konstruktionsfehler und andere gravierende Mängel. Heute ist der Monopolist pleite.

Immerhin führten die Krisen der vergangenen Jahre letzlich dazu, Anbieter alternativer erneuerbarer Energien ins Land zu lassen. An den Küsten drehen sich die Windkraftmühlen, in den Wüsten glitzern die Sonnenkraftwerke, Solaranlagen bedecken die Dächer der Häuser und Gebäude. Nach Jacob Zuma wurde der Strommarkt liberalisiert. Bis 2030 soll 30 Prozent des Stroms von privaten Firmen, auch aus Deutschland erzeugt werden. Derzeit sind es nur 10 Prozent.

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