Monday, July 15, 2024
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Immer wieder Afrika – Dreizehn Monate von Hamburg nach Kapstadt – Auszug 6 –

Begegnungen auf dem Weg nach Niamey –  Peter und Ulla Wulf starten mit ihrem alten Bundeswehr-MAN, einem zum Wohnmobil ausgebauten 13 Tonnen schweren Lastwagen, im Jahre 1985 in Hamburg. Ihr Ziel ist das Kap der Guten Hoffnung. Ihr Begleiter: der Kater Niger, schnurrig, mutig und verfressen.

Ursula Wulf – Nach einigen Stunden Zollformalitäten an der Grenze zum Lande Niger fahren die Wulfs weiter Richtung Niamey. Auf dem Weg dorthin fassen wir wieder einige Buchseiten zusammen und landen in Arlit.

Ein großes Uranbergwerk und eine hässliche, trostlose Stadt: Arlit. Ganz vorn am Stadtrand ist die Müllkippe. Auf dem Abfall stehen kleine Hütten, aus Plastiksäcken und Pappresten zusammengefügt. In diesen Verschlägen leben die Ärmsten der Armen; sie leben von dem, was sie aus dem Unrat zusammensuchen. Die Fußgänger, die in den Straßen zahlreich unterwegs sind, winken uns freundlich zu. Es gibt viele kleine Verkaufsstände mit Dingen des täglichen Bedarfs, und wenn das Geld eines Händlers für einen Stand nicht reicht, baut er sich einen Bauchladen oder verkauft Orangen. Dazu braucht er nämlich nur einen großen Teller, der – mit Früchten hochbeladen – auf dem Kopf balanciert wird.

Nun müssen wir ja bei der Polizei und beim Zoll vorsprechen, fragen uns durch von “la bas” zu “la bas” und stehen endlich vor dem Gebäude der Polizei. Von Störsendern unterbrochen, plärrt ein minderwertiges Radio in voller Lautstärke aus dem offenen Eingang. Die Polizisten sind unfreundlich und größtenteils volltrunken. Zwei von ihnen spielen Halma, einer liegt in der Ecke und schnarcht, einer rührt in dubiosen Essenstöpfen und einer ist sauer, weil er uns abfertigen muss. Wir füllen einen Zettel aus, bekommen eine Eintragung in den Pass und können gleich wieder verschwinden.

Nun zum Zoll. Wir fragen mehrere nette Leute und werden zu einem kleinen Haus ohne irgendwelche besondere Kennzeichnung geschickt. Als wir den Garten dreiviertel durchquert haben, entdecken wir doch das Schild “Douane”, perfekt versteckt, damit es nicht so auffällt.

Vor dem Haus liegt eine nicht ganz saubere Decke. Auf der Decke liegt eine schlafende Amtsperson. Die zwei Büros im Haus sind weit geöffnet und leer. Ein total betrunkener Zöllner kommt um die Ecke geschwankt, fragt, was wir möchten und weckt den Schlafenden, was gar nicht so einfach ist. Der bleibt auf dem Boden sitzen, guckt uns aus glasigen Augen an und fragt nuschelnd nach unserem Passierscheinheft. Peter gibt es ihm.

Missmutig steht der Zöllner auf, steigt halb in seine Schuhe und schlurft ins Zollgebäude, das Passierscheinheft an einer Ecke hinter sich her schleifend. Wir dürfen uns jetzt auf gar keinen Fall angucken, denn wir haben größte Mühe, unsere Lachmuskeln unter Kontrolle zu halten.
Zack – ein Stempel wird ins Heft geknallt, eine krakelige Unterschrift, “c`est fini”, das ist alles. Wir sind noch nicht halb durch den Garten, da liegt er schon wieder und schläft. Peter und ich gehen mit dicken Backen zum Auto zurück und fangen erst an zu kreischen, als wir im sicheren MAN sitzen.

Kurz hinter der Stadt ist vorsichtshalber noch ein Polizeiposten mit Schlagbaum, wo ein Polizist kontrolliert, ob alles kontrolliert ist. Dieser ist nüchtern und sehr nett.

Während unserer späten Mittagspause arbeiten sich fünf Kinder Stück für Stück zu uns vor. Sie trauen sich eigentlich nicht so recht, sind aber andererseits doch zu neugierig! Nach kurzer Begrüßung pustet Peter einen Luftballon auf und führt vor, wie toll man damit quietschen kann. Die Kinder sind erstmal eine Weile schwer beschäftigt; jeder quietscht, so laut er kann.

Nach einiger Zeit fragt ein Junge nach Essen. Ich gebe ihnen zwei Brote und verteile als Leckerli noch eine Tüte Brausepulver, für jeden etwas in die Hand. Das ist etwas ganz Neues und wird begeistert genascht. Nur dem kleinsten der Jungs ist das Pulver zu scharf, er verdreht die Augen und gibt es seinem Freund. Die Brote werden gerecht geteilt und sofort gegessen.

Inzwischen haben wir für die Kinder auch noch etwas zum Anziehen gefunden: zwei Mädchen bekommen je ein Baumwollshirt und die zwei Jungs jeder ein T-Shirt. Dem kleinsten Mädchen, einer zukünftigen Schönheit, binde ich einen tollen rosa Schal mit Silberfäden um. Alle freuen sich und ziehen die neuen Sachen sofort an. Ich frage, ob wir sie fotografieren dürfen. Foto, Madame? Oooohhh! Betriebsamkeit bricht aus, das Zeug wird ordentlich zurechtgezupft, man stellt sich gerade hin und hört sofort auf zu lachen. Schließlich ist Fotografiert werden eine ernsthafte und feierliche Angelegenheit.

Peter macht noch ein Polaroid-Foto, das die Kinder mit nach Haus nehmen dürfen. Das ist ja nun die Krönung! Wir sehen uns das Foto gemeinsam an, während Peter den MAN abschließt. Jedes Kind zeigt mir, wo es auf dem Foto steht. Hier, guck mal, freut sich die eine, das bist du!

Als Peter kommt, wird ihm das ganze unter lautem Gekicher noch einmal erklärt. Da wir loswollen, geben sie uns alle artig die Hand und sagen “beibei”. Dann winken wir uns zu, bis wir uns nicht mehr sehen können.

Wir freuen uns sehr über diese nette Begegnung mit den Kindern. Auch sonst kommen wir uns in den Dörfern beinahe vor wie das englische Königspaar auf Staatsbesuch, denn fast alle Leute winken uns zu und strahlen, wenn wir auch winken. Schwierig wird es meistens erst, wenn einer eine Uniform trägt.

Mehr demnächst auf Kap Express: Der Auszug 7 “Stadt, Räubernest und Katzen-Fundort: Niamey

Peter und Ulla
Heute leben wir (KFZ-Meister i.R. und Heilpraktikerin) in einem Dorf in der Nähe von Mölln, fahren immer noch gern nach Afrika und sind ansonsten in einem Wohnmobil nach unserem Geschmack unterwegs.

Lesen sie die ganze Story: Immer wieder Afrika, Autorin: Ursula Wulf, ISBN: 978 383 910 4750

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