Monday, March 4, 2024
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Immer wieder Afrika – Dreizehn Monate von Hamburg nach Kapstadt – Auszug 2 –

Die Vorbereitungen – Peter und Ulla Wulf starten mit ihrem alten Bundeswehr-MAN, einem zum Wohnmobil ausgebauten 13 Tonnen schweren Lastwagen, im Jahre 1985 in Hamburg. Ihr Ziel ist das Kap der Guten Hoffnung. Ihr Begleiter: der Kater Niger, schnurrig, mutig und verfressen.

Ursula Wulf – Fahrzeugkauf, Innenausbau, Visabeschaffung und weitere tausend Kleinigkeiten nahmen fast ein Jahr in Anspruch. Schließlich wollten wir während der für 15 Monate geplanten Tour zumindest in der Sahara völlig autark und auch später nicht auf die manchmal zum Verzweifeln ausgestatteten afrikanischen Supermärkte angewiesen sein. Die sind nämlich entweder gähnend leer oder unglaublich teuer und liegen zu allem Elend auch noch Hunderte von Kilometern auseinander.

Der passende LKW war schnell gefunden: wieder ein MAN von der Bundeswehr, gekauft für 7.400 DM von einem Flensburger Händler, der gebrauchte Militärfahrzeuge anbot. Diesmal handelte es sich allerdings nicht um einen doppelbereiften Küchenwagen wie bei der letzten Tour, sondern um eine „hochbeinige” einzelbereifte Pritsche, auf der ein MAN-Aufbau befestigt wurde. Aus einem weiteren MAN, den wir für 1.900 DM erstanden, baute Peter rund eine Tonne Ersatzteile aus. Der unbrauchbare Rest des Fahrzeugs wanderte auf den Schrottplatz.

Peter nahm sich den 10-Tonnen-Koloss gründlich vor, fand beim besten Willen nichts zum Reparieren und konnte sich daher ungebremst der Einrichtung widmen.

Nach einigen Wochen war aus dem graugrünen LKW mit der markanten Schnauze ein Schmuckstück geworden. Der “Eiserne Heinrich” erstrahlte in makellosem Weiß, Stoßstange und Unterbau glänzten tiefschwarz. Neue Michelin XL Reifen in den Abmessungen 14.00 x 20 wurden montiert, denn unser Vertrauen in die alten porösen Bundeswehrreifen schwand bei unserer vorigen Afrika-Durchquerung mit der Pannenhäufung: Fünf Reifen hatte der alte MAN verschlissen. Um es schon einmal vorweg zu nehmen: Die neuen Reifen hielten, was sie versprachen. Wir hatten keinen einzigen Plattfuß.

Die Unterkante unserer “Wohnung” lag in einer Höhe von 1,60 m. Daher schweißte Peter eine Leiter zusammen und der Kater lernte, auf glattem Vierkantrohr zu klettern. Abgesehen von wenigen Ausrutschern, die wir möglicherweise komischer fanden als er, beherrschte er diese Kunst bald perfekt.
Den Innenraum von immerhin 11,5 qm hat Peter so wohnlich wie möglich gestaltet. An der Rückwand des großen Aufbaus befand sich ein 1,30 x 2 m großes Bett, unter dem Bett ein Stauraum von 1,5 Kubikmeter. Es schloss sich ein geräumiger Waschraum mit fließendem Wasser aus dem Kanister und Chemie-WC an, gefolgt von der Küchenzeile mit Spüle, 3-flammigem Kocher und Kompressor-Kühlbox; gegenüber (kurze Wege für die Hausfrau) die Sitzecke mit großem Tisch. Auch die leistungsstarke Dieselheizung durfte nicht fehlen, denn im heißen Afrika ist es manchmal ganz schön kalt.

Gewissermaßen nebenher lief die Visa-Beschaffung auf vollen Touren. Wir brauchten Visa für 13 Länder und hatten die Erfahrung gemacht, dass es auf jeden Fall von Vorteil ist, sämtliche Visa schon bei der Abreise zu besitzen. Selbst wenn die Aufenthaltsbewilligung bei Erreichen des entsprechenden Landes abgelaufen ist, ist es leichter, sie dort verlängern zu lassen, als eine gänzlich neue ausgestellt zu bekommen.

Kurz vor der Abreise dann der Sturm auf einen Hamburger Supermarkt; Vorräte kaufen. Die gestresste Verkäuferin sah fassungslos zu, wie wir ihre mühsam aufgeschichteten Fleischkonserven restlos in unserem Einkaufswagen verstauten. „Nächstes Mal sagen sie aber vorher Bescheid!“ verlangte sie. Wir haben es fest versprochen. Dann schoben wir acht Wagen mit Berg zur Kasse, aber die Kassiererin hatte die Ruhe weg.

Die nächsten Tage wurden nur mit Packen verbracht: Lebensmittel einräumen, und zwar mit Verstand. Nicht, dass wir nachher irgendwo im Urwald einen Karton öffnen, der bis oben hin voll ist mit Ananas-Dosen! Massen von Medikamenten in Kühltaschen verstauen. Da wir für nahezu jeden Notfall gerüstet waren, trat nie einer ein. Eine Tonne Ersatzteile für den MAN unter dem Bett und in den äußeren Staukästen unterbringen, dazu ein Schweißgerät und eine unglaubliche Menge von Werkzeugen.

Und noch die paar Kleinigkeiten, die man im Haushalt so braucht.

Zwischendurch war selbst dieses große Fahrzeug mehrmals so voll, dass scheinbar nichts mehr hineinpasste. Aber nach einigem Hin- und Herräumen und der wundersamen Entdeckung ständig neuer kleiner und kleinster Zwischenräume ging die Arbeit weiter, und schließlich war alles verstaut.

Mehr demnächst auf Kap Express: Der Auszug 3 “30. Oktober 1985 – jetzt wird es ernst”

Peter und Ulla
Heute leben wir (KFZ-Meister i.R. und Heilpraktikerin) in einem Dorf in der Nähe von Mölln, fahren immer noch gern nach Afrika und sind ansonsten in einem Wohnmobil nach unserem Geschmack unterwegs.

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