Friday, February 3, 2023
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Südafrika: Wachstum muss von der Regierung stimuliert werden

Zinssatz bleibt unverändert, damit auch das Risiko der Herabstufung wegen der Null-Wachstum-Ekonomie

Die jüngsten globalen Ereignisse wie BREXIT, den Terroranschlägen in Europa und in der Türkei haben in den Märkten weltweit Unsicherheit ausgelöst und als Folge hat die South African Reserve Bank (SARB) eine vorsichtige Haltung eingenommen und die BIP-Wachstumsprognose für Südafrika bis auf 0% geändert. Gleichzeitig entschied die Monetary Policy Committee (MPC) fast einstimmig in der vergangenen Woche die Repo-Rate (Zinssatz für die Geschäftsbanken von SARB Anleihen) unverändert bei 7,0%, zu belassen, was von der kommerziellen Bankmaffia zu einer Prime Lending Rate von 10,50% führte.
Diese Entscheidung kam nicht überraschend, da Analysten 10% Zinserhöhung im Angesicht der jüngsten Anstiege der Verbraucherpreisinflation auf 6,3% und damit außerhalb der Regierungsbandbreite zwischen 3% und 6% erwarteten.

"Die südafrikanische Wirtschaft wird für eine längere Zeit ein schwaches Wachstum aufweisen. Dies ist zum Teil auf ein außergewöhnlich schwaches Wachstum bei inländischen Anlagen, die auf die derzeitigen Regierungseinsparungen beruhen, das geringe Wachstum bei Kreditvergaben an private Haushalte, niedriges Verbrauchervertrauen und die Auswirkungen der bisherigen Zinserhöhungen zurück zu führen”, sagte FNB Chefvolkswirt Sizwe Nxedlana in einer Stellungnahme. "Es ist nicht so, dass Südafrika in eine Rezession geht”, sagte Kevin Lings, Chefökonom bei Standard BanI- der Stanlib. "Einige Sektoren wie Bergbau und verarbeitendes Gewerbe zeigten positive Zeichen. Das Land hat ein neues Entwicklungsrogram für  Stromerzeugung und Exportförderung implementiert. Einige Rohstoffpreise wie Kohle und Eisenerz haben Verbesserungen gezeigt. Der Agrarmarkt wird sich nach der Dürre auch erholen"

BREXIT Folgen

"Die globale Wirtschaftsaussichten wurden durch das Ergebnis des britischen Referendums beeinflusst. Die Finanzmärkte haben eine hohe Volatilität in der Zeit unmittelbar nach der Austrittsentscheidung angezeigt, aber haben sich seitdem zu einem gewissen Grad stabilisiert", sagte SARB Gouverneur Lesetja Kganyago in der Ankündigung. Seit dem Referendum haben sich die globalen Wachstumsprognosen im Allgemeinen nach unten revidiert. "Globale Unsicherheiten in der Geldpolitik haben in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften Investitionen verzögert", sagte Kganyago. "Die Unsicherheit treibt Investitionen aus Schwellenländern in Richtung sichere Investitionsmärkte”, sagte Lings. Dazu gehören Gold und US-Staatsanleihen. Die Reserve Bank wird am ehesten die langfristigen Auswirkungen von BREXIT überprüfen. Vorerst sollte SARB eine “Abwarten und Beobachten” – Position einnehmen und die Entwicklungen an der Basis verfolgen, fügte er hinzu.

"Die Unsicherheit ist nicht gut. Sie wirkt auf Wachstum und Investitionen aus”, fügte Lesiba Mothata, Chefökonom bei Investment Solutions hinzu. Nach BREXIT werden Verhandlungen bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen und dies wird sich auf BIP Ergebnisse und schließlich auf Schwellenländer wie Südafrika auswirken. Mothata liegt hier im Wesentlichen richtig, vergisst aber, dass bisher das Referendum und seine Ergebnisse nach wie vor ein nationales Ergebnis ohne rechtliche grenzüberschreitende Folgen sind solange der neu ernannte Premierminister nicht die Exit-Erklärung im Sinne von Artikel 50 abzeichnet, die die formelle Notifizierung Großbritanniens ist, um der Europäischen Union offiziell die Absicht zu erklären, sich aus dem Bund zu verabschieden. Dieser irreversible Ausscheidungsprozess kann sich bis zu 2 Jahre hinziehen.

Und noch weiter: Die britische Regierung kann sich gegen BREXIT entscheiden, auch nachdem Artikel 50 geltend gemacht wurde. Ein führender Jurist in einer Gruppe von Anwälten, die das Gesetz um Artikel 50 studiert haben, behauptet, dass der BREXIT möglicherweise nicht unwiderruflich erfolgen kann auch nachdem er offiziell ausgelöst wird. Experten argumentieren, dass Großbritannien dadurch mehr Einfluss in den Exit-Verhandlungen haben wird.

Zinsausblick

SARB hat nicht die Möglichkeiten weiterer Zinserhöhungen ausgeschlossen, erklärte Sanisha Packirisamy, Ökonom bei Momentum Investments. Eine zweite Runde von Zinserhöhungen durch Auswirkungen der Inflationserwartungen und der Inflationsaussichten bleibt im Bewusstsein der SARB.

Nomura SA glaubt, SARB wird die Zinsen nicht so schnell reduzieren. Als Ergebnis wurden die Zinsen von 7,75% im November auf 8% im Januar festgelegt. "Insgesamt glauben wir, dass diese Prognose widerspiegelt, dass auch die MPC Rahmen nicht beschnitten werden sollen, um zu verzögern wo möglich, um Änderungen möglichst  neutral zu halten und die Angst vor der Umkehrung des kurzfristig positiven Ausblicks nicht aufkommen zu lassen”, erklärte Emerging Markets Ökonom Peter Attard Montalto von Nomura.

Kreditzinsen – der Ausblick

"Das Risiko einer Herabstufung der Bonität ist noch real", sagte Lings. Rating-Agenturen S & P und Finch kennzeichneten Wachstum als wesentliches Anliegen, als sie Anfang des Jahres beschlossen, Südafrika auf einer Stufe über Junk-Status zu halten. Allerdings räumte die Agentur ein, dass das schwache Wachstum in Südafrika ein (Teil-) Ergebnis eines insgesamt schwächeren weltwirtschaftlichen Umfeldes ist. "Die globalen Konjunkturaussichten beeinflussen auch Ratings", sagte Mothata. Dies könnte Südafrika helfen, dass die internationalen Rating-Agenturen ihre Entscheidung auf Anfang des nächsten Jahres verschieben könnten.

S & P konzentriert sich darauf, ob das Land die Politik umsetzt, die zu Wachstum führen wird – bisher gab es keine, sagte Lings. Seit der Übernahme im Dezember letzten Jahres war es die Aufgabe des Finanzministers Pravin Gordhan, die Schwerpunkte auf die Stabilisierung des Haushalts und die Entwicklung der Private Public Partnership festzulegen. Das ist nicht genug, um das Wachstum zu garantieren, sagte Lings. "Die Regierung muss mit der Umsetzung der Politik erreichen, das das Wachstum stimuliert wird. Das ist entscheidend."

 

Ralph M Ertner

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