Friday, February 3, 2023
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Lügen, Wein und andere Wahrheiten

Kein Mucks im privaten Kinosaal. Gebannt blicken die Zuschauer auf die Leinwand. Sie sind ausnahmslos Weinnasen.

Ludger Pooth – Die Szene: ein Weindorf in Italien, kurz vor Ende des II. Weltkriegs: Ein deutscher Wehrmachtsoffizier fordert von den Bewohner die Herausgabe allen Weins, eine Million Flaschen oder…. ! Einige Zuschauer stöhnen gequält auf, andere umklammern ihre vollen Weingläser. Pezzo di Merda – dieser Deutsche Offizier Tja, die Weinproben von Kapstadts Top Sommelier Jörg Pfützner sind aufregende Abende.

Der Film endet mit einem Happy End. Keiner ist verletzt oder tot, stattdessen wird gesoffen, geflucht, gesungen, geliebt und gelogen. Ein schöner Film! „Das Geheimnis von Santa Vittoria“ ist eine amerikanische Filmkomödie von 1969. In den Hauptrollen Anthony Quinn als italienischer Dorfbürgermeister und Hardy Krüger als deutscher Offizier im intriganten Kampf um den Wein. Der weinselige Bürgermeister und die Bürger gewinnen mit Bravour. Der ehrgeizige Offizier und seine Truppe ziehen trocken ab. Ohne Wein… Viva! Die Weinnasen klatschen begeistert.

Auf die Idee muss einer erstmal kommen: Eine Verkostung von italienischen Weinen aus Südafrika! Und zum Abschluss den passenden, amüsanten Film dazu. Jörg Pfützner lässt seine Gäste unkonventionell Weine erleben. „Fine Wine Event“ und „My Vinos“ heissen die beiden Veranstalter mit denen der Sommelier Weinproben an ausgesuchten Orten möglich macht. Wein sagt Pfützner, müsse vor allem Spaß machen. Mit seinen Verkostungen vermittelt  er das Lebensgefühl und den Genuß, die mit der Weinkultur einhergehen. Häufig seien unsere schönsten und glücklichsten Erinnerungen mit Wein verbunden,  Freundschaften, Geschäfte bei einem guten Mahl und einer Flasche Wein geschmiedet, fügt er hinzu. Das ist wahr!

„La Dolce Vita“ betitelte der Sommelier den italienischen Weinabend mit hausgebackener Pizza und klassischem Kino in den zeitgenössisch eingerichteten Räumen von „9needs Studio“, ein kreativer Treffpunkt und Arbeitsplatz in Kapstadt. Hier entwickeln unkonventionelle Ideegeber soziale, wirtschaftliche und umweltfreundliche Projekte und Lösungen.

Italienische Weine aus Südafrika? Weshalb nicht? Südafrika hat unterschiedliches Klima, verschiedene Böden – eigenes Terroir. Alle Rebsorten gedeihen am Kap ausgezeichnet Im Lande wird auch Riesling gekeltert, übrigens Sommelier Pfützners Lieblingswein, bevorzugt allerdings von der deutschen Quelle Mosel-Saar-Ruwer. Unvergessen ist die Gründung des Riesling Clubs In Kapstadt und das Riesling Festival 2009 im Glen von Camps Bay, wo Rieslingwinzer aus Österreich, Deutschland und Südafrika ihre Weine vorstellten.

Dieser Abend gehörte den roten Italienern aus Südafrika. (Siehe Liste). Beispielsweise vier Jahrgänge (2010- 2013) eines Nebbiolo aus dem Keller des Familiengut Dagbreek in Rawsonville am Ufer des Breede River.

Der Nebbiolo zählt zu den edelsten Weintrauben Italiens. Zwei der wohl teuersten und feinsten Weine Italiens, der Barolo und der Barbaresco, werden aus dieser Traube gekeltert. Die Rebsorte gedeiht fast ausschließlich in ihrem Ursprungsgebiet Piemont. Der Name entstammt dem italienischen Wort „nebbia“, Nebel den es zur Erntezeit dort oft gibt. Der Nebbiolo gehört zu den am langsamsten reifenden Weinen überhaupt und ist deshalb als junger Wein nicht unbedingt empfehlenswert. Er stellt  wegen seiner hohen Säure und späten Reife große Ansprüche an Klima und Boden. Die kleine bis mittelgroße und dickschalige Traube entfaltet ihre vollen Aromen am besten auf kalkhaltigen Mergelböden.

Italien ist an diesem Abend in Kapstadt fern und nah zugleich. Rebsorten aus der Alten Welt, gediehen und gekeltert in der Neuen Welt. Natürlich war Jörg Pfützner oft in Italien. Wer Wein zu seinem Lebensinhalt und Beruf macht kommt viel herum. Aber wir sollten nicht unsere Wurzeln vergessen, meint Weinnase Pfützner. Seine Wurzeln sind in Europa, geboren, aufgewachsen und ausgebildet in Deutschland. Deshalb macht er kein Hehl aus seiner Vorliebe für europäische Weine Seit 2003 lebt Jörg in Südafrika. Er ist Juror für den SAA Wine Awards, bewertet Weine für den Platter’s South African Wine Guide, schreibt für verschiedene Wein Publikationen, betreut einige hochwertige private Weinkeller und organisiert aufregende Weinerlebnisse.

Wie dieser Abend, der zu Ende geht. Das Finale des Films klingt nach. Der frustrierte Wehrmachtoffizier hat alle Dorfbewohner antreten lassen. Ein letzter verzweifelter Versuch, das Versteck des Weins zu erfahren. Er droht, den Bürgermeister zu erschießen wenn es nicht jemand endlich verrät. Der Offizier blickt in stumme Gesichter, verliert die Haltung und brüllt: Was seid ihr bloß für Menschen…? Er steckt die Pistole fort, verlässt mit seinem Tross Santa Vittoria. Welche Art Menschen? Klar doch, Weinnasen…

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