Tuesday, January 31, 2023
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Neue Leibniz-Professorin forscht über den Einfluss Asiens auf Afrika

Die renommierte Politikwissenschaftlerin Scarlett Cornelissen aus Kapstadt ist die neue Leibniz-Professorin der Universität Leipzig.

Katrin Henneberg – Die gebürtige Südafrikanerin wird im Sommersemester 2015 die Hochschule um ihre Forschung zu den Einflüssen asiatischer Investitionen aus China, Japan und Südkorea in Afrika bereichern. Zu ihrer englischsprachigen Antrittsvorlesung am 3. Juni 2015 im alten Senatssaal im Rektoratsgebäude in der Ritterstraße 26 sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
"Welche Auswirkungen hat das asiatische Jahrhundert auf Afrika?", benennt Scarlett Cornelissen die Frage, die über ihrer gesamten Forschung schwebt. Auslöser vor mehr als 18 Jahren war für sie der Aufschwung Japans Mitte der 1990er Jahre zum größten Partner für Entwicklungszusammenarbeit in Afrika – und das, obwohl Japan flächenmäßig ein kleines Land ist, weit entfernt von Afrika liegt und vor allem keine koloniale Geschichte auf dem afrikanischen Kontinent hat. Post-koloniale Wiedergutmachung konnte es also nicht im Sinn gehabt haben, so Cornelissen. Zur gleichen Zeit sei Japan aber zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt angewachsen. "Ich wollte also wissen, wie der wirtschaftliche Aufschwung des Landes mit seinem Engagement in Afrika zusammenhing und welchen Einfluss japanische Investitionen auf die afrikanische Politik, Wirtschaft und Kultur haben und haben werden."

Heute hat sich ihr Forschungsschwerpunkt mehr auf andere große Volkswirtschaften Asiens und deren Einflüsse verlagert. Denn insbesondere China hat sich zum größten "Entwicklungspartner" Afrikas aufgeschwungen. Damit würden heute vor allem chinesische Investitionen das Gesicht vieler afrikanischer Länder verändern, erklärt die Politikwissenschaftlerin – angefangen vom Wandel lokaler wirtschaftlicher und politischer Bedingungen über chinesische Investitionen in Infrastrukturen wie neue Asphaltstraßen, pompöse Fußballstadien und Breitband-Internet bis hin zu neuen kulturellen Einflüssen durch die Einwanderung vieler Chinesen.

Denn nicht nur große Investoren, sondern auch tausende einfache Chinesen ziehe es, in der Hoffnung auf bessere Verdienstmöglichkeiten, zunehmend nach Afrika. Sie eröffnen kleine Geschäfte, wo sie ihre chinesischen Waren billig verkaufen: Geschirr, Modeschmuck, Elektro-Artikel. "Viele Afrikaner kritisieren daher nicht nur die Ausbeutung der Ressourcen ihrer Länder durch asiatische Großinvestoren. Immer mehr afrikanische Händler sind auch über die neue Konkurrenz nicht erfreut, sodass sich hier vielerorts eine neue Form von Rassismus entwickelt", sagt die Wissenschaftlerin.

"Das Problem ist, dass wir in Afrika die großen asiatischen Volkswirtschaften nicht verstehen", fährt sie fort. Vielmehr seien die afrikanischen Länder passiver Empfänger asiatischer Investitionen und Einflüsse, ohne entsprechend tiefgründige Kenntnisse über die chinesische oder japanische Gesellschaft und die Folgen zu wenig reflektierter Handelsbeziehungen zu haben. Cornelissens Ziel ist es daher, hier einen wissenschaftlich fundierten Diskurs anzuregen. Die Wahrnehmung Asiens in der afrikanischen Wissenschaft ist daher auch Thema ihrer Antrittsvorlesung "Asia in the African Scholarly Imaginary". Ihr Fokus wird dabei auf den südlichen Ländern Afrikas liegen, insbesondere auf Südafrika selbst.

"Gerade weil sich die wissenschaftliche Perspektive auf die asiatisch-afrikanischen Beziehungen in den Ländern des südlichen Afrikas noch in den Kinderschuhen befindet, bietet mir die Universität Leipzig perfekte Voraussetzungen, um mit einer gewissen Distanz über meine bisherige Forschung zu reflektieren", so die 37-Jährige. Insbesondere das Ostasiatische Institut/Japanologie sowie das Global and European Studies Institute (GESI) würden ideale Bedingungen für einen Austausch mit anderen Wissenschaftlern und Schätze an Literatur bereithalten, die sie so in Afrika nicht fände.

Die Universität Leipzig vergibt die Leibniz-Professur zweimal jährlich an international besonders renommierte Wissenschaftler, um damit durch deren Gastaufenthalt das Forschungspotential und das Lehrangebot der Hochschule zu bereichern.

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