Saturday, January 28, 2023
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“Wir sind ein Volk”

Premier Helen Zille zum Tag der Deutschen Einheit und dem Ende der Apartheid

Ludger Pooth – Das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland hatte zum Empfang des Tags der Deutschen Einheit geladen. Deutschland und Südafrika haben enge Beziehungen in vielen Bereichen. Die Kapprovinz des Landes, zum Beispiel, hat eine langjährige Partnerschaft mit dem Freistaat Bayern. Doch Südafrika und Deutschland haben noch mehr gemeinsam. Zwei historische Momente der Weltgeschichte: Das Ende der Apartheid und der DDR geschahen gleichzeitig. Helen Zille, Premier der Kapprovinz fasste die Gemeinsamkeiten in ihrer Rede zum Tag der Deutschen Einheit zusammen.

Deutsche und Südafrika FlaggeDer 3. Oktober ist ein bedeutender Tag, auch für Deutsche im Ausland weltweit. Was jedoch wenige wissen, dieser Tag ist auch ein besonderer für Südafrikaner, gleich ob sie offenkundige Beziehungen zu Deutschland haben oder nicht.

Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 war ein katalytisches Ereignis. Und wie oft bei Katalysen, unvorhersehbar, besonders für die Experten. Der Fall der Mauer war das Ende des Kalten Krieges und der Durchbruch im Kampf für die Demokratie in Südafrika. In der Debatte um die Zukunft Südafrikas hatte plötzlich das Argument eines drohenden Weltkommunismus keine Gültigkeit mehr.

Ohne die Furcht einer kommunistischen Vorherrschaft konnten in Südafrika ernsthafte Gespräche über den Wechsel von einem Apartheidstaat zur Demokratie mit einer Verfassung geführt werden die gleiche Rechte für alle garantiert. Ähnlich wie bei den Ereignissen am 9. November 1989, die dazu führten, dass aus dem Ruf „Wir sind das Volk“ schließlich „Wir sind ein Volk“ wurde.

Die meisten Südafrikaner bekamen damals eine Gänsehaut, wenn sie das Wort „Volk“ hörten, das es so auch im Vokabular des Afrikaans gibt; ein Ausdruck für rassistischen Nationalismus, das Gegenteil einer alles einschliessenden Demokratie. Es definierte eine ethnische und sprachliche Gruppe von Südafrikanern, die sich für das „auserwählte Volk“ hielten.

Wenn wir über den Wechsel von „das Volk“ zu „einem Volk“ nachdenken ist der logische Schluss daraus auch der Wechsel vom Ausschluss zum Einschluss, fort von der Idee einer getrennten, stattdessen hin zu einer einzigen Nation, trotz unserer kulturellen und ethnischen Vielfältigkeit in Südafrika. Das ist die Geschichte unseres Weges zur Demokratie.

Ferner ist es interessant, dass der Tag der Deutschen Einheit der 3.Oktober ist. Sicher, an diesem Tag im Jahr 1990 wurde die Vereinigung des getrennten Deutschlands rechtskräftig. Doch eigentlich war es der 9. November 1989, der in die Geschichte einging und an den sich alle erinnern.

Bestimmte Tage haben in allen Nationen und im Leben der Menschen eine besondere Bedeutung. Der 9. November ist ein solcher Tag in der Deutschen Geschichte. An diesem Tag in 1918 wurde die Deutsche Republik ausgerufen, 1923 Hitlers erster Putschversuch vereitelt und 1938 die Kristallnacht zum Auslöser des Zweiten Weltkriegs.

Die Geschichte aller Länder hat schlechte und gute Kapitel. Deutschland und Südafrika sind da keine Ausnahme. Doch es hat schon Symbolik, dass so viele Ereignisse, im Guten wie im Bösen auf ein Datum fallen.

Am 3. Oktober können auch wir Südafrikaner die Einheit feiern. Und wenn wir bedenken, dass die meisten modernen Demokratien oft Jahrhunderte brauchten, um Recht und Freiheit für alle zu gelangen kann Südafrika behaupten, das in einer Generation geschafft zu haben.

Wir dürfen nie vergessen, der Preis für die Freiheit ist Wachsamkeit. Wir dürfen es niemals für selbstverständlich erachten was Freiheit bedeutet: Das Recht auf Selbstbestimmung, unsere eigene Zukunft zu gestalten, das Beste aus uns zu machen und die Garantie zu haben, das diese Freiheiten sicher sind und verteidigt werden.

Am heutigen Tag feiern wir den Triumph der Demokratie in Deutschland und Südafrika.

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