Saturday, January 28, 2023
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Am Valentinstag zur Lage der Nation

Der diesjährige Valentinstag machte wieder Schlagzeilen, aber es waren weniger die amourösen Umstände, die jedes Restaurant von Venda bis Kapstadt zu einem rosengetränkten Ensemble von Zweisitzern machten, sondern der Klingensprinter (Blade Runner) Oscar Pretorius, der den Valentinstag wählte um seine Model-Freundin mit vier Kugeln versehen von weiteren Valentinstagen abzuhalten und natürlich unser geliebter Präsident, der – zum vorletzten Male? – seinen Überblick über die Lage der Nation gab.

Während Oscar weiter seine Unschuld beteuert, beteuerte der große JZ stattdessen „Polen ist nicht verloren!“ alias „Südafrika – Land der Hoffnung!“. Woher er diese Weisheit nahm? Nun, er gab es zu Beginn der Rede zu, dass er sich vor der Rede Rat bei eine Gruppe von Schülern der 12. Klasse holte 😉

Spaß beiseite, das Wirtschaftswachstum erlahmt weiter im Schlepptau der Agonie europäischer Handelspartner und musste von 3,1% auf 2,5% korrigiert werden, nunmehr nur noch die Hälfte der benötigten 5%, um den Beschäftigungszielen Zumas National Growth Plan auch nur ansatzweise eine Chance zu geben. Aber dieser Plan steht nicht mehr so sehr im Fokus, wurde er doch letzten August durch ein weiteres Meisterwerk Trevor Manuels, dem National Development Plan 2030, ersetzt. Dieser Plan revidiert nun das Ziel von 5 Millionen Arbeitsplätzen und erweitert es auf 11 Millionen, davon ausgehend dass das derzeitige Wirtschaftswachstum verdreifacht wird…….nun Papier ist geduldig, doch „Was tun?“ sprach Zeus….Jacob sagt, wir müssen Hindernisse des Wirtschaftswachstums beseitigen! War das seine Kündigung?

Die Investitionen in Infrastrukturen schreiten voran und die elektrische wie auch die Erschließung entfernter Regionen durch InterNet ist ebenfalls auf dem richtigen Weg was die Verbreitung betrifft, doch Zuma vergisst, dass es nicht nur die großen Bauunternehmen sind, die genauer unter die Lupe genommen werden müssen, sondern vor allem die Banken, Handy Netzbetreiber und Internet Anbieter. Südafrika ist eines der teuersten Länder der Welt und die Hardware der gierigen Monopolisten ist veraltet und überteuert.

Eine Verbesserung der Ausbildung – so hörte man in der Rede – wird gesichert durch den Ersatz baufälliger Schulen und den Bau neuer Universitäten. Nein, Herr Zuma, die Ausbildung kann nur gesichert werden, wenn die Lehrer motiviert werden und Schüler in der Tat zur Schule gehen, oder hat man Ihnen die schockierenden Ergebnisse des letzten Abiturjahrganges nicht vorgelegt? Aber gerade hier liegt das Problem, hinsichtlich Mathematik Wissen und dessen Vermittlung belegt Südafrika im weltweiten Vergleich mittlerweile einen der letzten Plätze. Besserung wurde hier bereits in 2009 gelobt, was ist in vier Jahren passiert?

Die Bestätigung aus Zumas Munde, dass die Verstaatlichungsdebatte ein Ende gefunden hat beruhigt den Investor, aber schauen hier auch die demagogischen Schreihälse von COSATU zu? Der Prozess der Landreformen und Rückübertragung soll beschleunigt werden und es ist nun amtlich: das „willing buyer, willing seller“ Prinzip, das nichts anderes als einen Marktpreis beschreibt, wird aufgegeben, laut Zuma zu Gunsten eines verfassungskonformen „rechtmässig und gerecht“ Prinzips. Herr Präsident, was ist an diesem Prinzip außer dem Namen denn tatsächlich rechtmäßig? Nachtigall „Willkür“, ick hör Dir trapsen!

Bleibt das Thema Kriminalität, was so ziemlich zum Schluss der Rede angesprochen wurde. Doch außer Gewalt gegen Frauen wurde nur endlos dargestellt, wie interne Korruption aus Regierungsstellen bekämpft wird und wurde. Mord und Totschlag, Diebstahl und Überfälle oder gar Sachbeschädigung scheinen nach Auffassung von JZ nicht mehr zu existieren, the victims beg to differ! Da war es plötzlich wichtiger den Israel-Palästina Konflikt zu kommentieren, oder Kuba!!

Insgesamt ein Überblick ohne Höhen und ohne Tiefe, zur Beruhigung zweifelnder Investoren war sie kaum geeignet beizutragen. Die Umsetzung der verschiedensten Pläne und Programme sowie die weitere Entwicklung in Europa und USA werden tatsächlich zeigen, wo der Frosch die Locken hat, eine korruptionsfreie und effektive lokale Verwaltung sicherlich nicht!

Ralph M Ertner

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