Saturday, January 28, 2023
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Rückblick 2012

Die Gänse sind verdaut, der Weihnachtsschmuck auf dem klaglosen Rückzug in die Kisten und für viele heißt es bereits wieder „Arbeitsalltag!“. Noch einmal umgedreht und zurückgeblickt, was hat Südafrika 2012 eigentlich gebracht?

Wirtschaftlich tritt Südafrika weiter auf der Stelle, aber immerhin nicht mehr mit dem Rücken so nahe am rezessiven Abgrund wie seine europäischen Handelspartner. Die Inflation macht dem eifrigen Shopper wieder zunehmender zu schaffen und die überraschende Zinssenkung im Juli gab der gebeutelten Kreditkarte nur wenig Luft. Die Bankenmafia hält weiter zusammen wie Pech und Schwefel, hält sich aus dem Verleihgeschäft traditionsfeindlich heraus und beutelt die Wirtschaft lieber mit hohen Gebühren und wenig Inspiration.

Der Politzirkus war da schon eher abwechslungsreich und farbenfroh wie eh und je. Dominierte der Hobbydemagoge Julius Malema zum Anfang des Jahres noch die Medien in offizieller Position, so half ihm das Weinen genauso wenig wie Mikka Hakkinen einst hinter dem Busch. Mit Ämtern ist es aus für ihn und Buchmacher sehen ihn gierig lachend für die Präsidentschaft nur noch als Außenseiter, tausend zu eins….wenns mal reicht! Doch wenn man vom Teufel spricht, um „the big JZ“, den vierten Präsidenten Landes Jacob Zuma, wurde es keineswegs ruhiger. Von Dusche und Kartoffeln gestärkt und im Leopardenfell voraustanzend wurde „der kleine Zuma“, der angeblich so klein gar nicht sein soll, doch über Nacht zum porträtierten Stein des Rufanstoßes. Während Zuma seinen „Speer“ eher als Mittel zum Zeck seiner stetig wachsenden Familie sah, nutze der ANC die Kunst der Stunde zum Aufschrei, eine dankbare Pause vom innerpolitischen Zerreiß-Theater.

Zur Zerreißprobe kam es aber kurz danach an gänzlich anderer Front. Tausende von Minenarbeiter im Land verteilt und bis an die Zähne bewaffnet erinnerten im Schlagtausch mit der Polizei schnell an die früheren „Maifestspiele“ in der Mainzer Straße in Berlin. Statt Tellerminen und Molotoff Cocktails flogen hier die Klingen der Pangas und Assegais durch die Luft, jedoch nur bis zum Empfang des tragischen und viel debattierten Kugelhagels einer eingekesselten Polizeimannschaft. Vor dem Hintergrund tagelöhnerlicher Trostpreise und dem wohl überwiegend berechtigten Ruf zum Nachkarten der Tarifrunden wurde wieder einmal die Verletzlichkeit der südafrikanischen Wirtschaft offenbar: Steht die Mine still, verdient der Staat kein Geld. Resultat? Eine Außenhandelsbilanz, bei der auch hartgesottenen Finanzfüchsen Angst und Bange wird und ein frustriertes Vertrauen ehemals investitionsfreudiger Anleger. Man darf gespannt sein, ob die Streiks der Beamten ebenfalls ausgehen wie das Hornberger Schießen!

Doch 2012 endete nicht ohne echte Highlights. Die Johannesburger Börse rotierte auf Höchstniveau, südafrikanische Goldschwimmer liessen neue Motivationsstandards zu Wasser und einer neuer, alter Protagonist erschien im Politensemble des Stücks „Obama can, I can too!“, übersetzt: „So werd ich wieder Präsident!“. Dem siegessicheren JZ wurden in der Aufführung in Mangaung seine ambitionierten Kofferträger Mantashe und Motlanthe aus dem letzten Akt gestrichen und durch den Milliardär Ramaphosa ersetzt. Seine Freude darüber dürfte sich 2014 relativieren, wenn Unternehmer und Investoren, die jetzt schon ganz feuchte Hände vor Aufregung haben, der Inthronisation des fünften Präsidenten beiwohnen; eines Präsidenten der nicht vor dem Altar und auf der Tanzfläche zu finden ist, sondern auf Baustellen und bei Wirtschaftsverbänden…..Ups, da war er schon, der verfrühte Wunsch an den Weihnachtsmann 2013!

Ralph M Ertner

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