Thursday, February 2, 2023
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Mangaung – Rückkehr der Jedi Ritter?

Von der internationalen Presse dieser Tage wenig gewürdigt, fand am Dienstag in Mangaung (sprich: manga-ung) die 53. ANC Konferenz einen vorübergehenden Höhepunkt, als neben dem noch amtierenden Präsidenten Südafrikas, Jacob Zuma, der bei vielen nicht so bekannte Cyril Ramphosa (60) sein strahlendes Lachen zeigte und als stellvertretender Vorsitzender des ANC sein neues Amt begrüßte.

Dem seiner eigenen Dickköpfigkeit zum Opfer gefallenen Kgalema Motlanthe war an dieser Stelle das Lachen vergangen und nunmehr nur noch ein Stehplatz im Hintergrund vergönnt. Doch wer ist dieser Cyril Ramaphosa eigentlich?

Während Südafrika und die Welt Kgalema Motlanthe zwischen 2008 und 2009 als Interims Präsident nach dem Fall des manipulationsfreudigen Thabo Mbeki erleben durften, müssen wir die Geschichtsuhr ein bisschen zurückdrehen, um mehr Rampenlicht auf Ramaphosas Gesicht scheinen zu sehen.

Er stand 1990 wie ein Sieger neben Nelson Mandela vor den Toren dessen letzten Gefängnisses in Paarl, war der Gründer der allmächtigen Minengewerkschaft NUMSA und treibende wie auch vermittelnde Kraft bei den Verhandlungen mit der National Party nach dem Ende der Apartheid. Unermüdlich kämpfte er für eine gemeinsame demokratische Verfassung und hat als umgängliches und immer gut gelauntes Arbeitstier seine Spuren in den ersten Tagen dieser jungen Demokratie hinterlassen wie kaum ein Anderer.

Doch obwohl engster Zögling und heimlicher Nachfolger Nelson Mandelas, hatte der ANC schon früh eigene Pläne und beförderte Oliver Tambos Protegé Thabo Mbeki in den Pilotensitz des ANC, eine Entwicklung die Ramaphosa dazu bewegte, sich vollumfänglich aus der aktiven Politik zurückzuziehen. In den Folgejahren hielt er sich überwiegend aus allen Debatten und Skandalen heraus, baute privat sein Firmenimperium auf und hält heute als Milliardär Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen wie Bidvest, MTN, SAB und der Standard Bank sowie Vorstands- und Aufsichtsratspositionen in selbigen.

In seiner Sitzung in Mangaung, mitten im Freestate Südafrikas, suchte der ANC nach einem Adlatus für Jacob Zuma, der in anderen Provinzen bei den Nominierungen zum ANC Präsidenten schon arg Federn lassen musste, wie auch jemanden, der keine Gefahr für seine Re-Inthronisation am Kap bedeutet. Motlanthe hatte bereits genug Stimmen für eine eigene Präsidentschaftskampagne hinter sich, also Zeit, ihm den Teppich unter den Füssen wegzuziehen. Ramaphosa wurde mit überwältigender Stimmenmehrheit – sogar mehr als Zuma für seine eigene Nominierung erhielt – gewählt und ist nun zweiter, starker Mann im ANC.

Ob das nicht nur ein Pyrrhussieg für Zuma ist wird sich bald zeigen. Auch wenn Ramaphosa die Unterstützung des linken Flügels von COSATU bis SACP fehlt, so ist er gerade außerhalb des ANC als Ritter mit Turnierchancen angesehen. Die Rückkehr der Jedi Ritter?

Nachdem schon Über-Geschäftsmann Tokyo Sexwale (sprich: se-quale) aus seinen Vorstandsbüros zurück in die Politik gewechselt ist und begonnen hat, das marode öffentliche Wohnungsbau Ministerium umzukrempeln, ist nicht ausgeschlossen, dass auch Ramaphosa schon vor den Wahlen in 2014 ein vergleichbares Amt angeboten wird. Ramaphosa steht nicht für Korruption und nicht für Vetternwirtschaft, hat sein unternehmerisches Denken über mehr als eine Dekade bewiesen und könnte im Schlagschatten der noch zu erwartenden Zuma-Kapriolen zu einem ernsten Problem für diesen werden, wenn der Wahlkampf in 14 Monaten in die heiße Phase geht.

Mangaung – Unternehmer und Investoren sehen es als den besten Schritt an, den Südafrika derzeit tun konnte und belohnten das Land mit einem stärkeren Rand und gewachsenem Vertrauensindex. Die Werte der Jedi sind Ehrlichkeit und Kameradschaft, Ramaphosa sicherlich ein aufrechter Politiker mit Einfluss und Vision, der schon lange sein Leopoardenfell gegen einen Zweireiher eingetauscht hat. Ist er nun gemeinsam mit Mathews Phosa und Tokyo Sexwale der Beginn einer neuen Rittergeneration? Wir können es nur hoffen und wünschen: Möge die Macht mit ihnen sein!

Ralph M Ertner, Into SA

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