Sunday, April 14, 2024
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Bei Familie Joubert im Tradouw Valley bleibt die Hektik draußen

Meyer Joubert sitzt entspannt vor dem Kaminfeuer, in der Hand ein Glas Rotwein. Der Regen hat endlich aufgehört.

Von Ludger Pooth – Es hat zu viel Regen für diese Jahreszeit gegeben. Es ist Erntezeit der Weintrauben, Nektarinen und Pflaumen. Und Dauerregen ist nicht gut für diese Früchte.

Meyer, das ist in Südafrika ein Vorname, sieht einer guten Ernte entgegen. Und sicherlich wird der Jahrgang 2008 wieder einige internationale Auszeichnungen erhalten. Wie alle vorherigen wird der Winzer diese Urkunden nicht in der Probierstube seines Gutes Joubert Tradauw (das im Gegensatz zum Fluss Tradouw mit „a“ geschrieben wird) aufhängen. Meyer meint nämlich, dass zu viele Auszeichnungen Besucher abschrecken könnten. Stattdessen ist die Probierstube mit Fotografien verziert, die Meyers Bruders Andries gemacht hat. Sie zeigen die Landschaft, Pflanzen und Tiere, die Arbeit in den Weingärten und natürlich die Familie Joubert. Die kleine Ausstellung spiegelt die Lebenseinstellung der Jouberts wider, ihre enge Verbundenheit zur Heimaterde, aus der sie mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen.

„Zu viele Auszeichnungen schrecken Besucher ab.“

Diese Einstellung ist über Generationen hinweg gepflegt worden. Die ersten Bauern waren im frühen 17. Jahrhundert auf der Suche nach fruchtbarem Land in das Tal gekommen. Der Name Tradouw setzt sich aus den Wörtern Tarras Dauas zusammen. In der Sprache der Ureinwohner, der sogenannten Khoi San, bedeutet diese Bezeichnung „Fußpfad der Frauen“. Die Bauern folgten den Spuren der Khoi San und bauten 1877 den Tradouw Pass, der den Ort Barrydale mit Swellendam verbindet. Meyer Joubert schreibt sein Gut allerdings Tradauw, weil es dem Originalwort näher kommt.

1995 hatte der Winzer die Farm von seinem Vater Jacobus übernommen, der die ehrgeizigen Pläne seines Sohnes unterstützte. Die Farm hatte früher die Trauben ausschließlich zur Winzergenossenschaft von Barrydale geliefert, die daraus Wein kelterte und Weinbrand destillierte.

Heute ist Joubert Tradauw eine Privatkellerei mit erstklassigen Boutique Weinen. Meyer interveniert dabei so wenig wie möglich im Keller. Er wendet traditionelle Methoden an, wie etwa offene Gärung ohne Hefe. Die ungefilterten Weine hält er anschließend in französischer Eiche. Heraus kommen ein eleganter Chardonnay, ein wuchtiger Syrah, der R62 (eine klassische Assemblage aus Merlot und Cabernet) sowie ein neues Etikett, welches “Unplugged 62” heißt und eine Assemblage aus Merlot und Shiraz ist.

Die Zahl 62 hat eine besondere Bedeutung für die Region, denn die Route 62 (R62) gehört zu den schönsten Reiserouten Südafrikas und ist eine der längsten Weinstraßen der Welt. Sie führt von Kapstadt durch die Weinregionen von Wellington, Tulbagh, Worcester, Robertson und die Kleine Karoo. Winzer Joubert war clever und sicherte sich das Copyright für seine R62-Etiketten, die heute das Markenzeichen des Terroirs darstellen.

Die Halbwüste Kleine Karoo ist in Europa kaum für Wein bekannt. Doch die fruchtbaren Täler haben das beste Klima: warme Sonnentage, Nachmittage mit kühlen trockenen Brisen des Hochlandes und kalte Nächte. Der Wein wächst auf schweren Lehm- und Schieferböden und wird bedingt durch das Klima spät geerntet.

„Das Restaurant hat eine Veranda”

Zum Weingut Joubert Tradauw gehören auch ein Restaurant und ein Delikatessenladen. Beide sind im relaxten mediterranen Al Fresco-Stil gestaltet und werden von Meyers Gattin Beate betrieben. Der kleine Laden ist ein Tempel für Feinschmecker. Das Sortiment reicht von eingemachten Früchten und hausgemachten Marmeladen über Feigenpasteten bis zu Tapenaden und Relish. Das Restaurant hat eine Veranda mit Blick auf die Langeberge. Dort genießt man am besten eine Flasche Wein, dazu Karoo Tapas, Tradouw Huhn mit karamellisiertem Knoblauch und Rosmarin sowie zum Abschluss eine Käseplatte – welch stille Momente der Verzückung!

Auch Mutter Joubert kann kochen, wie die Gäste ihres Gästehauses Lentelus (Frühlingfreude) gerne bestätigen. Beim Frühstück mit raffinierten Omelettes erzählt Helena Joubert von der Familie und wie sie vor 40 Jahren ins Tal kam. Und sie berichtet von der harten Arbeit auf der Farm und der glücklichen Kindheit ihrer vier Söhne und der Tochter. Alle mit Ausnahme von Fotograf Andries sind in der Landwirtschaft tätig. Vor sieben Jahren, als alle Kinder aus dem Haus waren, eröffnete Helena im saftig grünen und immer blühenden Garten des Familienhauses das Guesthouse Lentelus. Eine Oase der Ruhe für gestresste Großstädter.

Helena Joubert schmunzelt über die manchmal überzogenen romantischen Vorstellungen urbaner Menschen vom Leben auf dem Lande. Denn eine Landwirtschaft kann in vieler Hinsicht sehr verwundbar sein. Allein das Wetter kann schnell eine ganze Ernte verderben. Aber der Regen hat ja zum Glück aufgehört. Deshalb öffnet ihr Sohn Meyer gegenüber auf dem Gut noch eine Flasche Wein und legt neue Scheite auf das Kaminfeuer.

www.joubert-tradauw.co.za

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